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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Galeria schließt nach 25 Jahren
 
Heute gehen die Lichter aus
Zwischenüberschrift:
Galeria Kaufhof schließt nach 25 Jahren Kaufhaus in Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Nach 25 Jahren gehen die Lichter am heutigen Donnerstag aus: Galeria Kaufhof schließt. In den vergangenen Wochen wurde die Ware fast komplett abverkauft. Die Osnabrücker Filiale ist eine von bundesweit mehr als 40, die dem Sanierungsprozess zum Opfer fielen.

Osnabrück Heute geht an der Osnabrücker Wittekindstraße eine lange Geschichte zu Ende: Nach rund 25 Jahren schließt Galeria Kaufhof. Das Kaufhaus ist so gut wie leer gekauft. Dem Geschäftsführer bleiben nur noch dankende Worte an die treuen Kunden.

Letztmalig öffnet das große Warenkaufhaus am Donnerstag seine Türen wie gewohnt um 9.30 Uhr, sagte Geschäftsführer Dirk Pallapies unserer Redaktion. Das Kaufhaus werde dann nur noch, je nach Kundenstrom, für voraussichtlich drei bis vier Stunden geöffnet haben.

Zu kaufen gibt es allerdings nicht mehr viel: Bis auf Reste wie ein paar Bikinis und Strumpfhosen steht im Grunde genommen nur noch Inventar und Mobiliar zum Verkauf, etwa Schaufensterpuppen, Stühle, Regale.

Am 1. April dieses Jahres hatte der angeschlagene Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzern Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. 62 der 172 Häuser in 47 Städten sollten anfangs schließen, 6000 Jobs wegfallen. Bei Karstadt Sports sollten 20 der 30 Filialen geschlossen werden. Am 1. Juli beantragte der Essener Konzern die Insolvenz. Schließen sollten letztlich 46 Filialen mit 5000 Beschäftigten. Ende September wurde das Insolvenzverfahren beendet. Der Konzern ist um mehr als zwei Milliarden Euro Schulden erleichtert.

Die Osnabrücker Kaufhof-Beschäftigten profitieren davon nicht mehr. Mitte Juni hatten sie Gewissheit: Ihr Warenhaus werde geschlossen, anders als in anderen Städten sei diese Entscheidung endgültig. 60 bis 70 teils langjährigen Mitarbeitern drohte die Arbeitslosigkeit. Zum 1. November können die Beschäftigten in eine Transfergesellschaft wechseln, sofern sie bis dahin keine neue Beschäftigung gefunden haben. Und das haben die wenigsten: Nur sechs Mitarbeiter fanden bislang eine neue Stelle.

Mitarbeiter, die vom Konzern in eine Transfergesellschaft wechseln, erhalten für sechs Monate 60 Prozent ihres bisherigen Nettogehalts von der Bundesagentur und in der Regel 13 Prozent von Galeria-Karstadt-Kaufhof. Das soll die Zeit überbrücken, bis ein neuer Job gefunden ist sofern denn ein neuer gefunden wird.65 Jahre Warenkaufhaus

Das große Gebäude hat als Kaufhaus eine lange Geschichte: 1955 eröffnete das Kaufhaus Merkur. Es galt damals als das modernste Kaufhaus Deutschlands. Und so wie heute zumindest bis zur Beerdigung der Centerpläne am Neumarkt in diesem Jahr hatten die damaligen kleineren Einzelhändler die Sorge, das Kaufhaus könnte ihnen die Kunden wegschnappen. 1964 wurde aus Merkur Horten, Unternehmer Helmut Horten ließ das Kaufhaus ausbauen. Das Gebäude wurde neu gestaltet und erhielt seine heute noch zu sehenden 9000 Keramikelemente an der Fassade („ Horten-Kacheln″). An der Rückseite entstanden ein Anbau und das Parkhaus. Wegen der Tauben kam die Wabenfassade 1970 hinter Drahtnetze.

1994 übernahm Kaufhof die Horten AG nach neun Jahren Merkur und 30 Jahren Horten. Seither ziert der Schriftzug Galeria Kaufhof″ die Fassade. Er wurde auch nicht geändert, nachdem die österreichische Signa-Holding Karstadt und Kaufhof 2019 zu Galeria-Karstadt-Kaufhof fusioniert hatte. 2012 hatte Signa Karstadt sukzessiv übernommen.Blick in die Zukunft

Und was wird nun aus dem Gebäude an der Wittekindstraße mit seinen mehreren Tausend Quadratmetern? Das gehört inzwischen dem Hamburger Projektentwickler Imvest. Dem schwebt eine gemischte Nutzung vor: Handel, Büros und E-Sport-Angebote.

Die Stadt will ein Wörtchen mitreden, wenn es um das Quartier und die Nachnutzung des Gebäudes geht, und brachte einen Bebauungsplan auf den Weg. Als geschmacklos″ hatte die Linke-Ratsfrau Giesela Brandes-Steggewentz das Vorgehen der Stadtspitze bezeichnet, schon über die Zukunft des Gebäudes zu sprechen, während die Mitarbeiter noch ihre letzten Arbeitstage leisteten. Gestern legte die Linken-Fraktion in einer Mitteilung nach: Politisch ist es beschämend, dass als einziges Ergebnis unserer intensiven Bemühungen unterm Strich ein Innenstadtgipfel und keine spürbaren Verbesserungen für die Beschäftigten stehen.″Dank an treue Kunden

Für Geschäftsführer Pallapies gibt es nicht mehr viel zu sagen, außer: Ich bedanke mich bei allen Kunden, die uns all die Jahre die Treue gehalten haben.″ Auch er habe noch keinen neuen Job gefunden.

Bildtexte:
Alles sollte raus, und fast alles ist derweil raus: Am Donnerstag öffnet Galeria Kaufhof letztmalig in Osnabrück.
Galeria Kaufhof schließt seine Türen, die Lichter gehen endgültig aus.
Fotos:
Swaantje Hehmann, Georg Bosselmann, Erdtmann

Kommentar
Adieu, Rolltreppen! Adieu, Galeria Kaufhof!

Als Merkur in den 1950er-Jahren in Osnabrück eröffnete, war es für viele Menschen ein Erlebnis. Nicht wenige kamen nur, um ein paar Runden auf den Rolltreppen im Glanz der vielen Lichter zu drehen insbesondere für Kinder war das ein Spektakel. Nun gehen die Lichter aus. Der Glanz ist schon lange verblasst.

Für die rund 65 Mitarbeiter ist das bitter. Nur wenige konnten bislang einen neuen Job finden, viele blicken in eine unsichere Zukunft. Dabei trifft sie keine Schuld. Manche von ihnen berieten jahrzehntelang ihre Kunden und konnten dabei auf großes Fachwissen zurückgreifen.

Sie sind Opfer eines antiquierten Konzeptes. Große Warenhäuser mit riesigen Sortimenten wirken heute wie die Dinosaurier des Einzelhandels ganz gleich, wie viel Geld in Modernisierungen fließt, wie zuletzt 2011 in Osnabrück, als das Kaufhaus an der Wittekindstraße noch einmal aufwendig umgebaut wurde.

Zwar mögen große Kaufhäuser noch treue Stammkunden haben. Aber sprechen sie auch die jüngere Kundschaft an, die immer mehr im Internet bestellt? Wer dem Online-Handel etwas entgegensetzen möchte, muss etwas bieten: ein ansprechendes Ambiente und/ oder einen Service, den das Internet nicht bieten kann. Die Auswahl dort ist schließlich um ein Vielfaches größer und die Preise oft niedriger. Inhabergeführte Geschäfte wie Schäffer und L& T mit ihren Service- und Erlebnisangeboten machen es vor, wie dem Internet-Shopping Paroli geboten werden kann. Rolltreppen allein locken heutzutage keine Kunden mehr ins Geschäft. j.sanders@ noz.de
Autor:
Jörg Sanders


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