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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Planungschaos beim Neumarkt erreicht neuen Höhepunkt
Zwischenüberschrift:
Politik macht Druck auf Griesert: Gespräche mit den gefeuerten Planern aufnehmen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Welches Spiel wird da am Neumarkt gespielt? In der Politik mehren sich die Stimmen, die einen neuen Anlauf mit gestreiftem Beton nach dem Entwurf von Lützow 7 wollen. Aber Oberbürgermeister Wolfgang Griesert sperrt sich und gibt offenbar nicht alle Informationen an die Politik weiter. Für den Neumarkt bedeutet das nichts Gutes.

Ein Teil des Rates sagt: Die Verwaltung möge noch einmal auf das inzwischen gefeuerte Planungsbüro Lützow 7 zugehen und gemeinsam mit den Berliner Landschaftsarchitekten nach einer Lösung für den Bodenbelag des neuen Neumarktes suchen. Am Freitag der vorvergangenen Woche waren die Teilnehmer des ersten Neumarkt-Workshops der Fraktionsspitzen mit diesem Vorschlag auseinandergegangen. Auch in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstag forderten Sprecher von SPD und Grünen, die Konfrontation mit Lützow 7 zu beenden.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert will das nicht. Er hatte im Juli darauf gedrängt, den Vertrag mit Lützow 7 sofort zu lösen, weil der geplante Betonbelag dem Druck der vielen Busse auf dem Neumarkt nicht standhalten würde. Einen Alternativplan hatte Griesert nicht. Deshalb brachen die Neumarkt-Planungen abrupt ab. Auf der Suche nach einem Weg aus der Sackgasse marschieren nun der OB und Teile der Rates in unterschiedliche Richtungen.

Lützow 7 hatte 2013 den Gestaltungswettbewerb gewonnen. Griesert will heute dem Verwaltungsausschuss vorschlagen, dass die Stadt nun mit dem Zweitplatzierten Kontakt aufnimmt. Lützow 7 soll draußen bleiben, weil die Stadt auf einen Rechtsstreit mit dem Berliner Büro zusteuert. Osnabrück fordert das bisher gezahlte Honorar zurück. Begründung: Lützow 7 habe das Betonproblem nicht gelöst und deshalb eine unfertige Arbeit abgeliefert.

Lützow-7-Chef Jan Wehberg weist den Vorwurf mit Nachdruck zurück und erhebt seinerseits finanzielle Forderungen gegen die Stadt. Er hatte schon im Sommer in einem langen Brief an die Fraktionen seinen Unmut über die schlechte Zuarbeit der Verwaltung geäußert. Auch Lützow 7 bereitet sich auf einen Rechtsstreit vor, hält die Tür für Gespräche aber offen: Wenn die Stadt noch einmal auf ihn zukäme, würde er das sehr begrüßen″, sagte Wehberg am Montag unserer Redaktion.

Wehberg erinnerte daran, dass er im Frühjahr fristgerecht der Stadt einen abgewandelten Entwurf für den Neumarkt-Beton vorgelegt hatte. Von der Stadt habe er darauf keine Antwort erhalten. Stattdessen kam die Vertragskündigung.

Wehbergs veränderter Entwurf sieht vor, in den stark vom Busverkehr belasteten Zonen einen Betonstandard wie beim Autobahnbau zu verwenden. Der Beton wird dort in einer Schicht aufgetragen. Der Nachteil: Es ist kein feines Muster wie nach dem ursprünglichen Gestaltungsentwurf möglich. Die Platten hätten eine Größe von drei mal vier Meter.

Die Fußgängerbereiche könnten dagegen mit dem ursprünglichen Zwei-Schicht-Beton belegt werden, der schmale Platten und damit ein feineres Farbmuster ermöglicht. Der Platz würde zwar nicht mehr wie aus einem Guss erscheinen, aber den Druck der Busse tragen können. Griesert hat dieses veränderte Konzept bisher weder der Politik noch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der OB konnte am Montag wegen dringender Termine nur kurz Stellung nehmen. Er hält es für unklug″, erneut mit Lützow 7 zu sprechen. Der veränderte Entwurf verspricht aus einer Sicht auch keine Lösung, weil das Büro nicht die übliche Haltbarkeit von mindestens 30 Jahren garantieren will.

Beton ist nach einhelliger Meinung der Fachleute das einzige Material, das die Dauerbelastung durch die Busse aushalten kann. Geplant war eine Doppelschichtbauweise wie beim Rosenplatz. Doch dort sind 2019 Risse aufgetreten.

Baufirma warnte früh

Jetzt wurde bekannt: Vor Baubeginn auf dem Rosenplatz gab es Warnungen, dass der Beton nicht lange halten würde. Die mit dem Bau beauftragte Firma äußerte im November 2010 schriftlich die Befürchtung, dass sich die zwei Betonschichten nicht fest verbinden und es zu Rissen kommen kann. Dieselben Bedenken wurden in den folgenden Wochen in zwei Gesprächen mündlich vorgetragen. Die Stadt vertraute aber auf die Expertise ihres Beton-Sachverständigen Rolf Werner (Schweiz) und änderte die Pläne nicht.

Wie geht es jetzt weiter? Die Johannisstraße wird von den Neumarkt-Planungen abgekoppelt. Die Gestaltungsentwürfe sollen möglichst bald vorliegen, damit im September 2021 die Bauarbeiten beginnen können.

Bildtexte:
Der Entwurf von Lützow 7.
Hinter den Kulissen wird heftig um die Neugestaltung des Neumarktes gerungen. Bis die Bagger anrücken, dürften aber noch Jahre vergehen.
Fotos:
Jörn Martens, Michael Gründel
Autor:
Wilfried Hinrichs


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