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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker Klinik-Streit eskaliert
 
War der Kauf der Paracelsus-Klinik ein Fehler?
Zwischenüberschrift:
Niels-Stensen-Gruppe und Klinikum Osnabrück streiten um Versorgungsaufträge
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Fast ein Jahr nach Vertragsunterzeichnung ist der Verkauf der Paracelsus-Klinik Osnabrück an die Niels-Stensen-Gruppe immer noch nicht vollzogen. Der Grund: Klinikum und Niels Stensen streiten heftig um lukrative Versorgungsaufträge für die Neurologie und Neurochirurgie. Der Krankenhausplanungsausschuss hat Ende September erneut eine Entscheidung vertagt und damit den Streit zwischen den Klinik-Trägern in Osnabrück angeheizt. Niels-Stensen-Geschäftsführer Werner Lullmann beklagt, dass die monatelange Hängepartie″ die Mitarbeiter der Para-Klinik schwer belaste. Klinikum-Geschäftsführer Rudolf Küster hält dagegen, das Klinikum könnte aus dem Stand die neuromedizinischen Versorgungsaufträge der Para-Klinik erfüllen und das sogar auf einem höheren Niveau″.

Osnabrück Der Kauf der Paracelsus-Klinik könnte sich für die Niels-Stensen-Gruppe als große Fehlentscheidung entpuppen.

Die Mitarbeiter der Klinik am Natruper Holz verfolgen seit fast einem Jahr mit Bangen das Ringen um ihren Arbeitgeber. Werner Lullmann, Geschäftsführer des Niels-Stensen-Krankenhausverbundes, versichert in einer Pressemitteilung zwar mit allem Nachdruck, dass die Arbeitsplätze sicher sind. Die Träger würden in den Standort Natruper Holz investieren und ihn zukunftssicher gestalten″. Aber er räumt auch ein, dass die monatelange Hängepartie die Beschäftigten und deren Familien belaste. Aus unserer Sicht werden sachlich gebotene Entscheidungen auf dem Rücken der Mitarbeitenden ausgesessen. Das ist der eigentliche Skandal.″

Den Urheber des Skandals″ verortet Lullmann im Krankenhausplanungsausschuss des Landes. Der könnte die Hängepartie beenden, indem er entscheidet, wer wichtige Versorgungsaufträge der Paracelsus-Klinik bekommen soll.

Das Marienhospital (als Teil der Niels-Stensen-Gruppe) und das Klinikum Osnabrück konkurrieren um die Neurologie und Neurochirurgie. Sie schenken sich nichts in diesem Wettstreit um das beste medizinische und wirtschaftliche Konzept. Und beide Seiten können gute Gründe vorbringen, warum das Land ihnen die Versorgungsaufträge zuteilen sollte.

Alles schien geregelt

Die Niels-Stensen-Gruppe kaufte im Herbst 2019 den Paracelsus-Stammsitz am Natruper Holz in der festen Annahme, die Versorgungsaufträge der Para-Klinik für Neurologie und Neurochirurgie damit übernehmen zu können. Lullmann sagt, das sei wesentlicher Bestandteil″ des Vertrages zwischen Niels Stensen und dem Träger der Paracelsus-Klinik gewesen. Vor Vertragsunterzeichnung hätten Vertreter des Niels-Stensen-Verbundes, der Paraceslus-Kliniken, des Sozialministeriums, der Krankenkassen und der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft den Kauf- und Überlassungsvertrag besprochen. Alle krankenhausplanerischen Vorklärungen″ seien auf den Weg gebracht, die Fragen des Ministeriums vollständig beantwortet und eine Kooperationsvereinbarung mit dem Klinikum Osnabrück erreicht worden. Alles schien geregelt, niemand der Beteiligten erwartete Komplikationen.

Doch dann erhob auch das Klinikum Ansprüche auf die Versorgungsaufträge.

Das städtische Tochterunternehmen legte einen Antrag in Hannover vor, der im Kern sagt: Das Klinikum kann alle medizinischen Leistungen erbringen, die der Krankenhausplan bisher der Paracelsus-Klinik zuordnete. Die Konzentration auf einen Standort mit Maximalversorgung wäre sogar besser für die Patienten und würde Kosten reduzieren.

Seit zehn Monaten schiebt der Krankenhausplanungsausschuss nun eine Entscheidung vor sich her. Die Niels-Stensen-Gruppe hatte erwartet, dass in der Ausschusssitzung am 30. September eine Entscheidung gefällt wird. Irrtum. Der Ausschuss ließ mitteilen, die Sachlage müsse noch weiter geprüft werden. Das sei in diesem Jahr allerdings nicht mehr zu schaffen. Was die Behörde allerdings bis heute überhaupt zur Sachverhaltsklärung vorgenommen hat, bleibt im Nebel″, heißt es mit gereiztem Unterton in der Stellungahme der Niels-Stensen-Gruppe. Und Geschäftsführer Lullmann wird darin mit den Worten zitiert: Das Ergebnis dieser Sitzung war nach Signalen aus der Staatskanzlei sowie nach Aussagen des Ministeriums im Frühjahr dieses Jahres nicht zu erwarten; umso enttäuschender und unverständlicher ist diese Verzögerungstaktik.″

Auf fremdem Gebiet

Der aktuelle Krankenhausplan weist dem Klinikum den Versorgungsauftrag für die Neurologie zu. Mit der Stroke Unit für Schlaganfallpatienten verfügt das Klinikum über eine überregional bedeutsame Kompetenz.

Das Klinikum nimmt für sich in Anspruch, dass heute nahezu alle Schädel-Hirn-Verletzten und Patienten mit akuten zelebralen Krankheiten (wie Schlaganfall) zur Notfallbehandlung ins Klinikum eingewiesen werden. Kein anderes Krankenhaus in der Region verfüge über ein vergleichbares neuromedizisches Zentrum mit Akut-Neurologie, Neuroradiologie und Neurochirurgie. Das Klinikum hat sich damit teilweise auf fremdes Gebiet bewegt. Denn der Versorgungsauftrag für die Neurochirurgie liegt laut Krankenhausplan bei der Paracelsus-Klinik. Das bedeutet: Planbare Hirntumor-Operationen sind im Haus am Natruper Holz durchzuführen. In der Praxis läuft es aber anders. Ein Notfallpatient, der ins Klinikum gebracht wird, wird auch dort später operiert. Laut Krankenhausplan müsste er eigentlich für den chirurgischen Eingriff zur Para-Klinik verlegt werden.

Die Paracelsus-Klinik am Natruper Holz schreibt seit vielen Jahren rote Zahlen. Wirtschaftlich zukunftsfähig ist der Standort nach Expertenmeinung nur, wenn die Neurochirurgie dort verbleibt und weiter ausgebaut wird. Sollte das nicht gelingen, dürfte der Kauf der Para-Klinik für die Niels-Stensen-Gruppe zu einer schweren finanziellen Belastung werden.

Deshalb setzen der Niels-Stensen-Verbund und die Paracelsus-Kliniken jetzt alles daran, die Neuromedizin auszubauen – „ trotz fehlender Unterstützung der Politik″, wie es in der Mitteilung heißt. Um den Mitarbeitern die dringend benötigte Sicherheit und den Patienten die bestmögliche Versorgung bieten zu können″, soll am Natruper Holz das Niels Stensen Neurozentrum″ entstehen.

Die neuromedizinischen Bereiche von Paracelsus und Marienhospital werden am Standort Natruper Holz zusammengeführt. Startschuss ist der 1. Januar 2021. Damit werde ein für die Region einmaliges Netzwerk von Expertenwissen und Erfahrung in allen Bereichen der Neuromedizin″ geschaffen, teilte der Niels-Stensen-Verbund mit. Der Standort Natruper Holz erhalte damit ein Alleinstellungsmerkmal in Stadt und Landkreis Osnabrück″.

Doppelstruktur

Damit wird die Doppelstruktur in der Neuromedizin in Osnabrück zementiert. Die Niels-Stensen-Klinik am Natruper Holz tritt dann direkt in Konkurrenz zum Klinikum.

Die Geschäftsführung des Klinikums beobachtet die Pläne des Mitbewerbers sehr kritisch. Was am Natruper Holz geschaffen werden solle, gebe es bereits am Klinikum, sagt Geschäftsführer Rudolf Küster und schiebt spitz hinterher: Und das auf höherem Niveau.″ Das Klinikum habe anerkanntermaßen in der Region die höchste Kompetenz in neuromedizinischen Dingen. Küster: Ich bedauere jeden Schlaganfall-Patienten, der in die Para-Klinik gebracht wird.″

Unklar ist, ob der Krankenhausplanungsausschuss überhaupt eine Entscheidung über die Versorgungsaufträge treffen wird. Möglicherweise setzt Hannover darauf, dass die streitenden Parteien in Osnabrück unter wachsendem wirtschaftlichen Druck irgendwann selbst zu einer Einigung kommen.

Die Paracelsus-Gruppe ist Ende 2017 in die Insolvenz gegangen und an die schweizerische, familiengeführte Beteiligungsgesellschaft Porterhouse verkauft worden. Das Klinikum Osnabrück stand einmal kurz vor dem Kauf der Para-Klinik in Osnabrück, doch die Verhandlungen scheiterten am Preis. Im November 2019 griff die dem Bistum gehörende Niels-Stensen-Gruppe zu. Seit Juli trägt das Haus am Natruper Holz den Namen Niels-Stensen-Kliniken Marienhospital Osnabrück, Standort Natruper Holz″. Solange der Kaufvertrag nicht vollzogen ist, wird die Klinik gemeinschaftlich vom Niels-Stensen-Verbund und den Paracelsus-Kliniken Deutschland getragen.

Bildtext:
Soll zukunftssicher gestaltet werden: die Paracelsus-Klinik am Natruper Holz.
Foto:
Archiv/ Michael Gründel
Autor:
Wilfried Hinrichs


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