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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Diakonie und die Wahrheit
 
Diakonie weist Vorwurf der Täuschung zurück
Zwischenüberschrift:
Mieter empört über geplanten Abriss / Geschäftsführer: Es gibt keinen Vorsatz
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Mieter aus den Reihenhäusern für das Betreute Wohnen an der Sedanstraße in Osnabrück sind empört, weil sie im hohen Alter ausquartiert werden sollen. Die baulichen Mängel sind allen bewusst. Aber hat das Diakoniewerk sie bewusst belogen und getäuscht? Die beiden Geschäftsführer des Diakoniewerks, Friedemann Pannen und Stephan Wilinski, weisen diesen Vorwurf zurück. Sie betonen, dass die konkrete Entscheidung für den Abriss der Anlage an der Sedanstraße erst im August gefallen sei. Somit habe das Diakoniewerk Osnabrück seine Mieter zeitnah informiert. Doch Pannen und Wilinski räumen auch ein, dass sie mit Rücksicht auf die Mieter nicht von Anfang an die ganze Wahrheit gesagt haben, weil sie sich zunächst mehrere Optionen offenhalten wollten.

Osnabrück Hat das Diakoniewerk seine Mieter belogen, als es um den geplanten Abriss der Reihenhäuser für das Betreute Wohnen ging? Nein, sagen die Geschäftsführer Friedemann Pannen und Stephan Wilinski. Die Entscheidung sei erst vor wenigen Wochen gefallen. Das eigentliche Dilemma sehen sie in der schlechten Bausubstanz.

Unter den Mietern der 32 Wohnungen an der Sedanstraße herrscht große Unruhe. Sie sind überwiegend um die 80, und sie haben sich darauf eingestellt, dass sie ihren Lebensabend ungestört in der Altenhilfeeinrichtung verbringen können. Im September hat ihnen die Diakonie aber mitgeteilt, dass sämtliche Gebäude des Küpper-Menke-Stifts abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden sollen. Das sorgt für Angst und Verunsicherung. Als Alternative wurde den Bewohnern zwar eine neue Seniorenunterkunft im Landwehrviertel in Aussicht gestellt, viele von ihnen reagieren aber misstrauisch auf das Angebot.

Verständnis für Wut

Dieses Misstrauen geht vor allem auf frühere Äußerungen des Diakoniewerks zurück. Schon im Januar 2019 hatte der damalige Hausmeister des Küpper-Menke-Stifts in einem anonymen Brief auf Abrisspläne der Geschäftsleitung hingewiesen. Doch die dementierte solche Absichten nicht nur, sondern unterstellte zugleich, da wolle jemand die Mieter in Angst und Schrecken″ versetzen. Eine Reaktion, die den Verantwortlichen jetzt um die Ohren fliegt.

Verständnis für die entstandene Wut und die Enttäuschung äußert Friedemann Pannen, der theologische Geschäftsführer des Diakoniewerks. Er beteuert, die Sorgen und Ängste der Bewohner machten ihn betroffen, und räumt ein: Wir fragen uns, ob wir in der Kommunikation alles richtig gemacht haben.″ Von bewusster Täuschung könne aber keine Rede sein.

So sieht es auch der zweite Geschäftsführer Stephan Wilinski. Der fast 60 Jahre alte Komplex an der Sedanstraße sei in einem derart schlechten Zustand, dass er mit Reparaturen nicht zu retten sei. Das Diakoniewerk habe sich entscheiden müssen zwischen Komplettsanierung oder Neubau. Zwischenzeitlich sei erwogen worden, eine neue Heizzentrale zu bauen, um noch Zeit zu gewinnen. Gescheitert sei das Vorhaben aber, weil es einen hohen Schornstein erfordert hätte, der an der Stelle nicht gebaut werden könne.

Unglücklicher Verlauf

Wegen dieser Überlegungen, so versichern die beiden Geschäftsführer, habe es im Januar 2019 noch keine Entscheidung für einen Neubau gegeben. Damals tauchte der anonyme Brief auf, in dem der Abriss der Anlage angekündigt wurde. Dass ihm ein scharfes Dementi entgegengesetzt wurde, das jetzt keinen Bestand mehr hat, findet Friedemann Pannen aus heutiger Sicht unglücklich. Es gibt aber keinen Vorsatz und keine Täuschung″, lautet seine Erklärung dazu.

Hätte das Diakoniewerk nicht besser zu einem viel früheren Zeitpunkt deutlich machen müssen, dass die Häuser wegen der schlechten Substanz nicht mehr zu halten sind? Es gibt nicht den korrekten und den einzig wahren Termin″, sagt Pannen dazu. Im Umgang mit den alten Menschen sei auch eine sensible Kommunikation″ gefragt. Uns hat unsere Fürsorge geleitet″, bekundet Wilinski.

Die beiden Geschäftsführer betonen, sie hätten ihre Mieter nicht benachrichtigen wollen, ohne ihnen eine Alternative zu den bestehenden Wohnungen anzubieten. Andernfalls, so betont Pannen, hätten wir uns vor die Mieter gestellt mit vielen Fragezeichen″. Mit dem Quartier im Landwehrviertel liege nun ein annehmbares Konzept vor.

Das Kasernengebäude, das auch schon als Flüchtlingsheim diente, soll kernsaniert werden und Appartments in vier Größen zwischen 28 und 52 Quadratmetern bekommen, allesamt barrierefrei, mit eigener Küche, für Kaltmieten von voraussichtlich 375 bis 680 Euro. Das Angebot richte sich auch an Menschen, die von der Grundsicherung leben müssten, betont Pannen. Nach seinen Worten gibt es keinen Grund zur Eile: Wir haben uns eine Planungszeit von zwei Jahren gesetzt.″

In die nächsten Schritte sollen die zukünftigen Bewohner und andere Stakeholder″ mit einbezogen werden, kündigt Wilinski an. Die beiden Geschäftsführer betonen, dass noch keiner ihrer Mieter die Kündigung erhalten habe. Zunächst solle in vertraulichen Gesprächen ausgelotet werden, welche Wünsche sie an ihr neues Quartier haben.

Hausmeister gekündigt

Dass die Diakonie ihrem damaligen Hausmeister gekündigt hat, sei keine Reaktion auf das anonyme Schreiben gewesen, versichern die beiden Geschäftsführer. Näheres wollen sie mit Rücksicht auf die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung nicht sagen. Unsere Redaktion hat Ulrich von der Wellen darauf angesprochen. Ja, sagt er, der eigentliche Anlass für die Kündigung sei ein anderer gewesen. Er habe nicht eingesehen, dass Reparaturkosten Mietern in Rechnung gestellt würden, die von einer schmalen Rente leben müssten, und stattdessen seinen Arbeitgeber damit belastet. Das sei der eigentliche Grund für den Rauswurf gewesen.

Bildtexte:
Sanieren im Bestand wäre zu teuer, sagt das Diakoniewerk. Deshalb soll das Küpper-Menke-Stift an der Sedanstraße komplett abgerissen und neu gebaut werden.
In diesen Gebäuden will die Diakonie demnächst Betreutes Wohnen anbieten.
Fotos:
Geodaten Osnabrück, Lludmila Jeremis, Michael Gründel

Kommentar
Bevormundung als Fürsorge getarnt

Tricksen und Täuschen, das lässt sich niemand gerne nachsagen. Die Diakonie natürlich auch nicht. Aber die Vertrauenskrise jetzt auf Mängel in der Kommunikation zurückzuführen wäre zu billig. Bei den Senioren hat sich Wut aufgestaut, weil sie die zur Schau gestellte Fürsorge als Bevormundung empfinden.

Dass die Bausubstanz marode ist, wissen alle. Dass die Häuser abgerissen werden sollen, lag in der Luft. Aber das Diakoniewerk hat Nebelkerzen geworfen. Was es als Fürsorge darstellt, ist Bevormundung.

Seit Jahren steht der Wohlfahrtsverband vor der Frage, ob das Küpper-Menke-Stift mitsamt der Reihenhäuser für das Betreute Wohnen abgerissen oder saniert werden soll. In beiden Fällen bliebe es den Mietern nicht erspart, ihre vier Wände zumindest vorübergehend zu verlassen. Doch diese bittere Pille hielt die Geschäftsleitung bewusst zurück.

Spätestens, als das anonyme Schreiben auftauchte, hätte die Wahrheit auf den Tisch gehört. Stattdessen verrannten sich die Verantwortlichen in ihre Beschwichtigungsformeln. Es wäre redlicher gewesen, den Senioren mit offenen Worten zu begegnen, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch keine Lösung präsentiert werden konnte.

Es geht auch anders. Als Angela Merkel am 18. März in ihrer Ansprache an die Bevölkerung den Lockdown erklärte, räumte sie ein, dass es noch keine endgültige Lösung gebe und dass der Weg dahin gemeinsam aufgenommen werden müsse. So schafft man Vertrauen. Das muss die Osnabrücker Diakonie noch lernen. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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