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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Remarque – der streitbare Sohn Osnabrücks
Zwischenüberschrift:
Diskussionen zum 50. Todestag: Antwortversuche im Osnabrücker Friedenssaal
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Vor 50 Jahren verlor die Stadt Osnabrück einen ihrer größten, bekanntesten Söhne. Das Verhältnis des Weltbürgers″ zu seiner Heimatstadt blieb stets zwiespältig. War Erich Maria Remarque ein dekadenter″ Nestbeschmutzer? Und was hat es mit seinem militanten Pazifismus″ auf sich? Bei einer Gedenkveranstaltung im Rathaus wurden Antworten gesucht.

Die Angst, dass jemand in Remarques Geburtsstadt mehr über den weltberühmten Autor aus Osnabrück weiß als er, trieb Heinrich Thies um, als er im Dock 49 mit Musikbegleitung seine Doppelbiografie über ihn und seine im Dunkel der Geschichte verschwundene″ Schwester Elfriede Scholz vorstellte. Tags darauf wäre sie wahrscheinlich berechtigt gewesen. Denn zu seinem 50. Todestag loteten drei profunde Remarque-Kenner die aktuelle Bedeutung des Schriftstellers aus, von dem nicht nur Thies annimmt, dass er heute womöglich bekannter als zu Lebzeiten″ ist, zumindest aber derzeit eine weltweite Renaissance″ erlebt.

Eingeladen zu der von Melissa Hagemann am Tenorsaxofon musikalisch umrahmten Gedenkveranstaltung im Friedenssaal des Rathauses hatte die 1986 gegründete Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft. Deren Vorsitzender Bernd Stegemann bemerkte einleitend, dass Remarque die uralte Osnabrücker Friedenssehnsucht mit Unabhängigkeit, Toleranz und Humor weiterentwickelt″ habe. Als erklärter Weltbürger und Weltfreund″ sei dabei aber das Verhältnis zu seiner Heimatstadt stets zwiespältig″ geblieben, wie es bereits die Neue Osnabrücker Zeitung in ihrem Nachruf vor 50 Jahren bemerkt habe. Zuvor hatte Bürgermeisterin Birgit Strangmann in ihrem Grußwort die übergeordnete Frage formuliert, inwieweit Remarques Romane auch noch und gerade heute imstande sind, die Wahrnehmung von Krieg in der Gesellschaft zu reflektieren und zu beeinflussen″.

In einer Zeit, in der Diktaturen und Gewaltexzesse die Demokratie gefährden, sollten Remarques Werke nachdenklich machen″, bemerkte dazu der Gewerkschafter Harald Klausing. Als radikaler bürgerlicher Demokrat″ und Humanist könnte der Autor heute Inspiration für eine neue Friedensbewegung″ liefern, obwohl manche Kriege Remarques Wohlwollen gefunden hätten, bemerkte Klausing kritisch, der sich seinerseits gegen jedweden gerechten″ Krieg auf Basis einer kollektiven Notwehr″ aussprach.

Mit seiner Aufforderung zur Empathie habe Remarque stets nur den einzelnen Leser ansprechen wollen, betonte der Theologe Reinhold Mokrosch. Individuelle Notwehr und Rachegewalt habe er für den Fall, dass eine Verständigung nicht möglich ist, zwar gebilligt, eine Beteiligung an einem Krieg aber dezidiert abgelehnt, beschrieb Mokrosch Remarques militanten″ Pazifismus. Gleichzeitig stellte er aber auch die Frage in den Raum, ob und warum er kein echter″ und wirklicher″ Pazifist gewesen ist und ob sich ein reiner″ Pazifismus, der Krieg nicht verhindere, nicht an dessen Opfern versündige. Dabei dachte Mokrosch auch an den Krieg″ gegen die Natur.

Dass die Auseinandersetzung mit Remarque heute aktueller denn je″ ist, betonte auch der Literaturwissenschaftler Tilman Westphalen. Empathie schließt nicht ein, sich töten zu lassen″, brachte er Remarques Ansicht auf den Punkt, dass zu einem individuellen zivilen Leben auch gerechtfertigte Notwehr gehört. Nichtsdestotrotz sprach er sich mit Remarque dafür aus, Kriegsvorbereitungen wie Waffenproduktion und Wehrdienst kollektiv zu verweigern und gegen die Kultur des Tötens und des heroischen Sterbens″ weder Kriegstote noch tötende Krieger″ etwa durch Denkmale zu verherrlichen.

Gerade aus der Friedensstadt Osnabrück heraus sei es angebracht, Remarques militanten Pazifismus durch Handlungs- und Interaktionsformen″ anzureichern, sagte Westphalen und sprach sich für eine uneingeschränkte″ Ächtung von Krieg und eine neue Weltfriedensordnung″ aus: Kriege werden von Menschen gemacht und können deshalb auch von Menschen unmöglich gemacht werden″.

Bildtext:
Auf dem Podium (von links): Harald Klausing, Reinhold Mokrosch und Tilman Westphalen vom Vorstand der Remarque-Gesellschaft.
Foto:
Swaantje Hehmann

Aus der NOZ vom 01.10.2020

Sorry

Im Artikel Remarque der streitbare Sohn Osnabrücks″ vom 29. September wird behauptet, dass Harald Klausing sich gegen jedweden gerechten Krieg auf Basis einer kollektiven Notwehr aussprach″. Richtig ist vielmehr, dass der Diskutant in Übereinstimmung mit Remarque die Antihitlerkoalition des Zweiten Weltkriegs zur Niederringung des Faschismus″ als Beispiel für einen gerechten Krieg″ bezeichnet hat, wenngleich es in den letzten Jahrzehnten viele missbräuchliche Instrumentalisierungen dieser Erfahrung″ gegeben habe. Deshalb sei er heute sehr vorsichtig mit der Zuweisung des positiven Etiketts , Gerechter Krieg gegen Diktatoren′ als angeblicher Lehre aus Ausschwitz″, sagte Klausing.
Autor:
Matthias Liedtke


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