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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Überschrift:
. . . und macht auch Griesert weiter?
Zwischenüberschrift:
Nach der Wiederwahl von Finanzchef und Stadtbaurat richtet sich der Blick auf den OB
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Wer hat nach 2021 das Sagen Rathaus? Die Wiederwahl von Finanzchef Thomas Fillep und Stadtbaurat Frank Otte gestern Abend und der erzwungene Abgang von Umweltchef Detlef Gerdts feuern im Hintergrund die Spekulationen über die Zukunft von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert an.

Mit Frank Otte (Grüne) und Thomas Fillep (SPD) setzten sich am Dienstagsabend in der Osnabrück-Halle die Favoriten durch. OB Griesert (CDU) hatte dem Rat die beiden Amtsinhaber zur Wiederwahl vorgeschlagen, nachdem sie sich in einem aufwendigen Auswahlverfahren gegen insgesamt 24 Bewerber durchgesetzt hatten. Für den Posten des Finanzchefs hatten sich zwei Frauen und zwölf Männer beworben, für das Amt des Stadtbaurates hatten zehn Männer Interesse bekundet.

Der fünfköpfige Verwaltungsvorstand ist damit weiter politisch ausgewogen besetzt. Oberbürgermeister Griesert ist Mitglied der CDU, ebenso wie Sozialdezernentin Katharina Pötter. Otte gehört den Grünen an, Fillep ist Sozialdemokrat, Wolfgang Beckermann (Bildung und Kultur) parteilos.

Fillep ist 55 Jahre alt und richtet sich auf eine Amtszeit bis 2029 ein. Otte rechnet anders: Er ist 63 Jahre und wird nicht die volle achtjährige Amtszeit absolvieren. Nach dem Gesetz kann ein Wahlbeamter mit Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren eine Verlängerung um maximal drei Jahre beantragen. Schöpft Otte diese Möglichkeit aus, wird er 2026 in den Ruhestand gehen.

Auf das Rentenalter steuert auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert zu, der im kommenden Jahr 64 Jahre alt wird. Er hält sich die Option offen, 2021 erneut für das Spitzenamt zu kandidieren. Griesert will im März/ April 2021 verkünden, ob er sich noch einmal den Wählern stellt.

Hat die CDU die Geduld, bis zum Frühjahr auf eine Entscheidung zu warten? Würde sich Griesert gegen eine Kandidatur entscheiden, hätte eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger nur wenig Zeit, sich den Wählern zu empfehlen. Die OB-Wahl findet im September 2021 parallel zur Kommunalwahl statt. Die Amtszeit des Oberbürgermeisters wird an die Legislaturperiode des Rates angeglichen und beträgt dann nur noch fünf Jahre.

Mit Katharina Pötter hätte die CDU eine Frau in ihren Reihen, die aus dem Stand das OB-Amt übernehmen könnte. Zugetraut wird es ihr von allen, die sie kennen, über Parteigrenzen hinweg. In der Corona-Krise profilierte sie sich als unaufgeregte und ausgleichende Krisenmanagerin. Aus den Spekulationen um die OB-Wahl hält sich die Mutter von drei Kindern heraus. Wie es heißt, strebt sie aus familiären Gründen den Chefsessel nicht an jetzt noch nicht.

Ein mögliches Szenario wäre: Griesert tritt noch mal an und hält gewissermaßen den OB-Sessel fünf Jahre für Pötter warm. Die dann 47-Jährige könnte als Frau mit Osnabrücker Wurzeln, mit einem reichen Erfahrungsschatz und viel Führungserfahrung in den Wahlkampf ziehen.

Dieses Szenario hat nur einen Haken: Gelingt es den Grünen oder der SPD, eine starke Persönlichkeit gegen Griesert ins Rennen zu schicken und die Wahl zu gewinnen (was angesichts der traditionell starken grün-roten Grundstimmung in Osnabrück durchaus denkbar wäre), müsste Pötter 2026 gegen die Amtsinhaberin oder den Amtsinhaber kandidieren was die Sache für sie nicht einfacher machte.

Gerdts muss gehen

Die Wiederwahl Ottes hat eine direkte personelle Folgewirkung im Rathaus. Detlef Gerdts, allerseits hoch anerkannter Chef des Umweltamtes, muss Ende Februar 2021 ausscheiden. Der 65-jährige wollte noch mindestens ein Jahr dranhängen. Ich hätte gern weiter für die Stadt Osnabrück gearbeitet, weil es mir Spaß macht, zusammen mit meinen Mitarbeitern für die Stadt etwas im Umweltbereich zu erreichen″, sagte Gerdts unserer Redaktion. Griesert hat die Extrarunde des Fachbereichsleiters Umwelt und Klimaschutz abgelehnt. Intern heißt es, Griesert habe nur Otte oder Gerdts gewollt.

Der Oberbürgermeister begründet die Nicht-Verlängerung mit grundlegenden Prinzipien. Es sei ihm wichtig, Generationswechsel in Führungspositionen zu ermöglichen und nicht aufzuhalten. Ich schätze Herrn Gerdts sehr″, sagte Griesert. Gerdts habe eine klare Meinung in Umweltfragen, sei aber Argumenten zugänglich und trage die Kompromisse mit. Eine Verlängerung wäre nur möglich gewesen, wenn Ottes Wiederwahl im Rat gescheitert wäre, so Griesert. Ein Neubeginn auf zwei Schlüsselpositionen wäre für die Stadt sicher nicht gut gewesen.

Bildtexte:
Coronakonformer Ellbogencheck: OB Wolfgang Griesert (links) gratuliert dem just wiedergewählten Stadtbaurat Frank Otte zur zweiten Amtszeit.
Thomas Fillep nimmt Glückwünsche und Geschenke entgegen.
Fotos:
Michael Gründel

Kommentar
Warum der Umweltchef gehen muss

Otte und Fillep waren bestimmt nicht Grieserts Wunschkandidaten. Doch der OB muss sich den politischen Gegebenheiten beugen und weiter mit einem Finanzchef zurechtkommen, der einen eigenen Kopf hat, und einen Stadtbaurat ertragen, der in vielen Dingen anders tickt als er. Dafür drängt der Oberbürgermeister den Leiter des Umweltamtes aus dem Amt. Gerdts muss gehen, weil Otte bleibt.

Otte ist Mitglied der Grünen. Gerdts hat kein Parteibuch, steht aber als Anwalt der Umwelt naturgemäß der Politik der Umweltpartei nahe. Davon ließ und lässt er sich in seiner Arbeit aber nicht leiten. Mit Gerdts hat Osnabrück in manchen Dingen Maßstäbe gesetzt. Kommunen in Europa, Japan, Kanada oder Chile schauten neugierig auf Projekte in der Friedensstadt und baten Gerdts um Rat. Die Stadt verzichtet mit seinem Abgang auf Wissen und Erfahrung auf einem zentralen Themenfeld, das noch an Bedeutung gewinnen wird.

Das ist der Preis, den der Oberbürgermeister zu zahlen bereit ist. Wofür? Um einen unbequem-erfolgreichen Mitarbeiter loszuwerden? Oder geht es dem OB um mehr um eine Kursänderung in der kommunalen Umwelt-, Klima- und Verkehrspolitik? w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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