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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo zeigt Pläne für die neuen Wasserwelten
 
Schöne nasse Welt
Zwischenüberschrift:
Acht-Millionen-Euro-Projekt: So sollen die neuen „Wasserwelten″ im Zoo Osnabrück aussehen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Seelöwen im Osnabrücker Zoo bekommen ein neues Gehege genauso wie die Seehunde, Humboldt-Pinguine und Rosa-Pelikane. Alle vier Arten sollen ab Mitte 2022 gemeinsam in den Wasserwelten″ zu sehen sein. Sie entstehen auf einer 5000 Quadratmeter großen Fläche im nördlichen Teil des Zoos, eingebettet zwischen Restaurant und Elefantengehege. Mit Kosten von acht Millionen Euro sind die Wasserwelten eins der aufwendigsten Projekte in der Geschichte des Osnabrücker Zoos: teurer als die teilweise noch im Bau befindliche Löwen- und Nashornanlage (Mapungubwe) und der vor zwei Jahren eröffnete Nordamerika-Bereich Manitoba zusammen. Eine enge inhaltliche Kopplung der neuen Wasserwelten an das Thema Nordsee soll dem Zoo jedoch helfen, neue Besuchermärkte zu erschließen.

Osnabrück Der Zoo Osnabrück schafft eine neue Welt für Wassertiere. Seelöwen und Seehunde, Pinguine und Pelikane finden dort künftig nebeneinander Platz. Die Wasserwelten″ spannen damit den Bogen von der Nordsee bis zu den Pazifikküsten Nord- und Südamerikas.

Die Wasserwelten entstehen auf einem halben Hektar Fläche im nördlichen Teil des Zoos eingebettet zwischen Gaststätte und Elefantengehege, Aquarium und Vogelhaus. Seehunde, Kalifornische Seelöwen, Humboldt-Pinguine und Rosapelikane finden dort ein neues Zuhause. Besucher können die Tiere in naturnaher Kulisse über und unter Wasser beobachten. Auch ein neuer Spielplatz ist geplant. Mit dem Bau der Anlage soll im Frühjahr 2021 begonnen werden. Die Fertigstellung ist im Juni 2022 geplant.

Nur Takamanda teurer

Mit Kosten von acht Millionen Euro sind die Wasserwelten das zweitteuerste Bauprojekt im Osnabrücker Zoo überhaupt. Nur die 2010 eröffnete Afrika-Landschaft Takamanda (elf Millionen Euro) ging noch mehr ins Geld. Finanziert werden die Wasserwelten zu je einem Viertel durch eine Erbschaft und Tourismus-Fördermittel des Landes Niedersachsen. Hinzu kommt ein kommunal verbürgter Kredit.

Mit ausschlaggebend für die Mega-Investition war und ist der schlechte Zustand des heutigen Seelöwen-Beckens. Die Haltungsbedingungen dort seien grenzwertig″, die Anlage insgesamt gruselig″, sagt Zoo-Geschäftsführer Andreas Buse mann. Auch bei Besucherbefragungen falle sie regelmäßig durch.

Hinzu kommt der hohe Wartungsaufwand, den das in die Jahre gekommene Seelöwen-Becken verursacht. Bislang müssen hier fast jede Woche 350 000 Liter Wasser ausgetauscht werden insgesamt 17, 5 Millionen Liter im Jahr. Zoopräsident Fritz Brickwedde: Dieser irre Wasserverbrauch hat mich schon immer gestört.″

Bei den neuen Wasserwelten hingegen genüge es, die aus dem zooeigenen Brunnen gespeisten Bassins einmal im Jahr gründlich zu reinigen. Den Rest erledigten Hochleistungsfilter, wie sie sonst nur in Klärwerken zum Einsatz kämen. Der Technische Leiter des Zoos, Thorsten Vaupel, schwärmt: Diese sogenannten Fuzzy-Filter sind einmalig in der Zoowelt. Das mit Tierfäkalien und anderen Dingen verschmutzte Wasser läuft pechschwarz rein und kommt kristallklar wieder raus mit perfekten Werten.″ Der jährliche Wasserverbrauch verringere sich dadurch allein bei den Seelöwen auf gut eine Million Liter. Aber Qualität hat auch ihren Preis: Die Filteranlage macht laut Vaupel etwa ein Zehntel der Gesamtkosten aus.

Platz zum Schwimmen

In erster Linie sollen jedoch die Tiere von ihrer neuen Umgebung profitieren. Die Wasserwelten werden deshalb nach Angaben des Zoos so gestaltet, dass sie die gesetzlichen Anforderungen an die Tierhaltung samt und sonders übererfüllen. Die Becken für die Seehunde, Seelöwen und Humboldt-Pinguine wachsen sowohl in die Breite als auch in die Tiefe. Dadurch gewinnen sie nicht nur teilweise erheblich an Fläche. Auch ihr Rauminhalt vergrößert sich im Vergleich zu heute um das Drei- bis Fünffache. Den Rosapelikanen hingegen wird etwas Platz weggenommen. So wenig allerdings, dass die Verkleinerung des Geheges für eine Gruppe ihrer Größe (aktuell neun Tiere) unbedenklich sei, versichert der Zoo.

Im Detail sieht das dann so aus: Die Seehunde bekommen in den Wasserwelten drei zusammenhängende, je drei Meter tiefe Becken (250, 170 und 53 Quadratmeter) im Bereich der heutigen Ententümpel. Die Wassermenge von rund 1, 42 Millionen Liter reiche, um der gegenwärtig dreiköpfigen Seehundfamilie (Vater Max, Mutter Biene und Jungtier Bente) ein weiteres Weibchen für die Nachzucht hinzufügen zu können, erklärt Zoo-Kurator Andreas Wulftange. Zurzeit müssen sich die Tiere mit einem Bassin begnügen, das 190 Quadratmeter groß und zwei Meter tief ist.

Die Landschaft um die künftigen Seehund-Becken herum soll an die Nordsee erinnern, wo die Robbenart ursprünglich beheimatet ist. Dem auf Erlebnisarchitektur spezialisierten Planungsbüro Dan Pearlman (Berlin) schweben unter anderem ein naturnaher Kunststrand mit Kunstfelsen vor, außerdem bepflanzte Dünen. Über ein Schiffswrack am Rand sowie eine Mole, die mitten durchs Wasser führt und von einem Leuchtturm überragt wird, sollen Besucher den Robben durch dicke Glasscheiben beim Tauchen zuschauen können.

Also auch den Kalifornischen Seelöwen: Denn ihre drei Becken liegen denen der Seehunde direkt gegenüber. Sie sind für sich genommen 215, 107 und 61 Quadratmeter groß sowie drei Meter tief, aber ebenfalls miteinander verbunden, sodass die Tiere auch hier im Kreis schwimmen können. Zum Vergleich: Die heutige Anlage ist mit 340 Quadratmeter Fläche etwas kleiner, bei 1, 2 Meter Wassertiefe allerdings deutlich flacher. Was nach dem Umbau mit ihr geschieht, ist offen.

Natürlicher Lebensraum

Ringsum das neue Seelöwen-Becken sehen die Wasserwelten einen Kiesstrand mit künstlichen Felsen vor. Der Seelöwenstall mit eingebautem Salzwasser-Therapiebecken und das angrenzende Technikgebäude erscheinen im Stil von Fischerhütten. Für Besucher entsteht eine fünfstufige Tribüne mit 200 Plätzen. Mit dem Umzug in die neuen Wasserwelten soll dann auch die Seelöwen-Gruppe aufgestockt werden: Zu den drei älteren Weibchen Sana (geboren 2005), Donna und Bella (beide Jahrgang 2003) gesellen sich voraussichtlich ein Bulle und ein junges Weibchen für die Zucht.

Und was ist mit den Humboldt-Pinguinen im Osnabrücker Zoo? Sie bekommen das bisherige Seehund-Becken zugeschlagen modernisiert und neu gestaltet. Dadurch vergrößert sich die Wasserfläche für die 20-köpfige Kolonie, deren Art von der Pazifikküste Südamerikas stammt, von 42 auf 190 Quadratmeter beziehungsweise von 75, 6 auf 380 Kubikmeter. Das Pinguinhaus soll gleichsam als Krabbenfischerhäuschen gestaltet werden. Besucher können Teile der Anlage durchschreiten und im Bauch eines weiteren Schiffswracks wie heute Unterwasser-Einblicke ins Pinguinbecken erhaschen.

Bleiben die Rosapelikane: Sie behalten ihren jetzigen Standort. Allerdings schrumpft die ihnen zugeteilte Wasserfläche von 100 auf 80 Quadratmeter, die Landfläche gar von 1130 auf 380 Quadratmeter. Für Besucher gibt es ein Holzdeck am See als Beobachtungsposten. Neu ist ein Dach aus Nylondraht über dem Pelikan-Gehege. Die Vögel können dann nicht mehr wegfliegen, sodass wir auch nicht mehr ihre Federn beschneiden müssen″, erklärt Zoo-Kurator Wulftange. Diese rechtlich umstrittene Praxis hat in der Vergangenheit immer wieder zu Kritik geführt.

Neuer Spielplatz

Zoo-Geschäftsführer Busemann spricht mit Blick auf die gesamte Anlage von einer Inszenierung auf höchstem Niveau″. Die enge inhaltliche Kopplung an das Thema Nordsee ermögliche zudem fruchtbare touristische Kooperationen″ mit Küstendestinationen wie Wattenmeerhäusern, Seehundstationen oder auch dem Klimahaus in Bremerhaven. So könne der Zoo Osnabrück an Besucherströmen teilhaben, die üblicherweise an ihm vorbeiführen etwa Zwischenstation für Nordsee-Urlauber auf der Durchreise. Hochschulen in Osnabrück und Bremen bringen dazu ihre wissenschaftliche Expertise ein.

Die Wasserwelten seien mithin ein wichtiger Baustein, um die Gästezahlen des Osnabrücker Zoos seit 2011 rund eine Million im Jahr - zu stabilisieren. Und Busemann ist überzeugt: An den Wasserwelten werden wir alle die nächsten 20 Jahre Freude haben.″

Bildtexte:
Die neuen Wasserwelten″ im Zoo Osnabrück erstrecken sich auf einem halben Hektar Fläche zwischen Gaststätte und Elefantengehege. Sie bieten unter anderem den Seehunden, Seelöwen, Humboldt-Pinguinen und Rosapelikanen ein neues Zuhause.
Die Seehunde des Osnabrücker Zoos bleiben während der Bauphase voraussichtlich in ihrem alten Becken und ziehen von dort direkt in die neuen Wasserwelten um.
Die Humboldt-Pinguine im Osnabrücker Zoo bekommen ein neues Gehege genauso wie die Seehunde, Seelöwen und Rosa-Pelikane. Alle vier Arten sollen ab Mitte 2022 gemeinsam in den Wasserwelten″ zu sehen sein.
Die Rose-Pelikane werden vom Zoo Osnabrück an den Federn beschnitten, damit sie nicht wegfliegen. Das soll mit dem Umzug ins neue Wasserwelten″-Gehege nicht mehr nötig sein.
Zoopräsident Fritz Brickwedde, im Hintergrund Geschäftsführer Andreas Busemann.
Das alte Seelöwen-Becken am Schölerberg verbraucht eine halbe Million Liter Wasser pro Woche, und die Haltungsbedingungen für die Tiere sind laut Zoo " grenzwertig".
Fotos:
Michael Gründel, David Ebener
Grafik:
Zoo Osnabrück/ Neue OZ
Autor:
Sebastian Stricker


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