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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Sunglider hängt am seidenen Faden
 
Wegen Corona: Sunglider-Projekt droht Aus
Zwischenüberschrift:
Machbarkeitsstudie für selbstfahrende Solar-Schwebebahn kommt nicht zustande
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Es ist kaum ein Jahr vergangen, seit Osnabrücker Unternehmer um den Professor Dieter Otten ihre Vision vom öffentlichen Verkehrsmittel der Zukunft präsentierten: eine autonom fahrende Hochbahn, deren Züge zu großen Teilen aus dem 3-D-Drucker stammen. Angetrieben durch selbst erzeugten Solarstrom und entlang aufgestelzter Schienen über den Straßen schwebend, soll der sogenannte Sunglider (deutsch: Sonnengleiter) sowohl Personen als auch Güter befördern können. Das Land Niedersachsen ist von der Idee so angetan, dass es eine halbe Million Euro bereitstellt, um ihre technische Machbarkeit untersuchen zu lassen. Wegen Corona können die Fördermittel allerdings nicht fristgerecht abgerufen werden. Und deshalb hängt nun das gesamte Projekt am seidenen Faden.

Osnabrück Herber Rückschlag für das Osnabrücker Sunglider-Projekt: Die Entwicklung einer selbstfahrenden Solar-Schwebebahn mit Zügen aus dem 3-D-Drucker steht möglicherweise vor dem Aus, weil eine vom Land geförderte Machbarkeitsstudie wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant durchgeführt werden kann.

Noch vor einem Dreivierteljahr schienen die wichtigsten Weichen gestellt, um die Sunglider-Idee möglicherweise entscheidend voranzubringen. Die von einer Handvoll Osnabrücker Unternehmer entwickelte ÖPNV-Vision von einer vollautomatischen, mit Sonnenenergie fahrenden und günstig zu bauenden Schwebebahn fand nicht nur Anklang in Politik und Wirtschaft, sondern auch Geldgeber.

So erklärte sich das Land Niedersachsen Ende 2019 bereit, die Hälfte der Kosten für eine knapp eine Million Euro teure technische Machbarkeitsstudie zu übernehmen. Auch die Stadtwerke Osnabrück wollten sich koordinierend an der Untersuchung beteiligen, nachdem sie als kommunaler Partner der privaten Sunglider AG bereits die Fördermittel dafür beim Umweltministerium eingeworben hatten. Doch dann kam Corona. Und die Pandemie erweist sich jetzt als Prellbock, der das gesamte Projekt zum Stoppen bringen könnte, bevor es richtig angefangen hat.

Nicht fristgerecht

Es tut mir sehr Leid, Ihnen dies Ergebnis mitteilen zu müssen″, wandte sich Sunglider-Erfinder Professor Dieter Otten am Wochenende sichtlich enttäuscht per E-Mail an seine Mitstreiter, aber die Machbarkeitsstudie kommt nicht zustande.″ Es sei unmöglich, das Vorhaben fristgerecht umzusetzen.

Laut Otten müssen die bei der Investitions- und Förderbank des Landes Niedersachsen in Hannover (N-Bank) bereitstehenden Mittel bis zum 15. Oktober 2020 abgerufen werden, ehe sie verfallen. Für die vom weltweit grassierenden Virus ausgebremsten Partner offenbar eine zu hohe Hürde.

Zudem sei es nicht gelungen, die Sunglider-Studie durch Reduzierung des Umfangs und der Kosten″ zu retten, berichtete der Projektleiter. Zwar hätten etliche Enthusiasten unter unseren Partnern aus Begeisterung für die Sache auf eine angemessene Bezahlung ihrer Arbeit verzichtet″ ein Vorschlag, den der Aufsichtsrat der Stadtwerke in seiner Sitzung am 9. September einhellig gewürdigt″ habe.

Zu Ottens Bedauern habe das Gremium es jedoch abgelehnt, den Eigenanteil auch an der verkleinerten Studie in Höhe von 230 000 Euro bereitzustellen″. Als Grund seien die besonderen Herausforderungen der Corona-Krise″ angeführt worden. Und weil sich das fehlende Geld per Crowdfunding kaum zusammenbekommen″ lasse, sei auch der letzte Versuch″ gescheitert, die Machbarkeitsstudie doch noch wie geplant durchzuführen.

Die Stadtwerke Osnabrück werden den Förderbescheid wohl zurückgeben″, stellte Otte ernüchtert fest. Und erklärte den Sunglider damit für tot: Drei Jahre intensiver Arbeit an diesem hochinteressanten Projekt finden an dieser Stelle ein unerwartetes und wenig ermutigendes Ende.″

Neuer Anlauf 2021?

Die Stadtwerke hingegen wollen die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Der Sunglider ist und bleibt nach unserer Auffassung eine gute Idee, insbesondere für Städte wie Osnabrück″, betonte Sprecher Marco Hörmeyer. Zwar habe das Unternehmen aufgrund der Corona-Effekte derzeit nicht die erforderlichen Ressourcen, um das Projekt in der gebotenen Form und Zeit unterstützen zu können″. Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben.

Wir sind weiterhin im Austausch mit dem niedersächsischen Umweltministerium″, versicherte Hörmeyer. Die Signale aus Hannover seien durchaus vielversprechend. Das Umweltministerium zeigt großes Verständnis für unsere derzeitige Situation, hält eine Unterstützung in Form einer Machbarkeitsstudie weiterhin für sinnvoll und ermutigt alle Beteiligten, 2021 einen neuen Antrag zu stellen.″

Das Land Niedersachsen verspricht sich von der Sunglider-Untersuchung wichtige Erkenntnisse darüber, wie im Verkehrssektor die Treibhausgas-Emissionen reduziert werden können. Die solarbetriebene Schwebebahn zeichnet sich auf dem Papier durch umfassenden Einsatz von Fotovoltaik aus: Wo immer möglich, sollen Module zur Sonnenstrom-Gewinnung in Fahrzeuge und Fahrweg eingebaut werden. Hier sind Antworten darauf zu erwarten, was bei konsequenter Flächennutzung an Leistung realisiert werden kann. Diese Antworten sollten unabhängig von der Realisierung des Systems übertragbar und nutzbar sein″, heißt es in einer früheren Stellungnahme des Umweltministeriums für unsere Redaktion.

Gegen Platznot

Darüber hinaus könne der Sunglider möglicherweise der Platznot in vielen Städten entgegenwirken. Die Nutzung der sogenannten Plus-Eins-Ebene, womit der Raum über der Straße gemeint ist, lasse jedenfalls weniger Probleme erwarten als der aufwendige Bau von U-Bahnen″. Dass der Sunglider am Boden um moderne elektrische Verkehrsmittel wie Minibusse und Sharing-Fahrzeuge (Stadtteilautos, Mieträder und E-Scooter) ergänzt werden soll, rechtfertigt aus Sicht des Ministeriums ebenfalls eine genauere Betrachtung. Hier lasse die Machbarkeitsstudie Antworten erwarten, die auch verwertbar sind, wenn das System nicht wie angedacht realisiert wird″. Ergebnisse könnten dann auf andere elektrisch betriebene ÖPNV-Systeme übertragen″ werden.

Bildtext:
So stellen sich die Erfinder des Sungliders ihre selbstfahrende Solar-Schwebebahn in der Realität vor: Das Bild zeigt einen Passagierwaggon hoch über der Osnabrücker Martinistraße. Über das Aussehen der aufgestelzten Schienentrasse, an der die Züge hängen sollen, verrät die Fotomontage freilich noch nichts.
Am seidenen Faden hängt die Zukunft des Osnabrücker Sunglider-Projekts, weil eine vom Land geförderte Machbarkeitsstudie wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant durchgeführt werden kann. Die Fotomontage zeigt einen Passagierwaggon der selbstfahrenden Solar-Schwebebahn hoch über dem Neuen Graben.
Fotomontagen:
Sunglider AG
Autor:
Sebastian Stricker


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