User Online: 4 | Timeout: 01:01Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Liebe Mutter, ich habe noch eine Stunde zu leben″
Zwischenüberschrift:
Fritz Fabeyer wurde von der NS-Militärjustiz wegen Fahnenflucht verurteilt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Als die Hinrichtung kurz bevor stand, schrieb er einen letzten Brief an seine Mutter. Fritz Fabeyer wurde 1943, wenige Wochen vor seinem 19. Geburtstag, Opfer der Wehrmachtsjustiz. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn. Für die Verlegung an der Kornstraße hatten Neuntklässler der Felix-Nussbaum-Schule sich mit dem Schicksal des Osnabrückers beschäftigt.
Fritz Fabeyer wuchs zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Bruno auf. Ein harmonisches Familienleben blieb ihm verwehrt. Er war acht Jahre alt, als seine Mutter ihn in eine Fürsorgeanstalt gab – „ da sie nicht genügend Gewalt über ihn habe, um ihn vor Verwahrlosung zu schützen″, wie es in einem offiziellen Dokument heißt. Als er zehn Jahre alt war, erhängte sich sein Vater in einem Gefängnis. Er hatte bereits länger nicht mehr bei seiner Familie gelebt.
Mit 14 Jahren verließ Fritz Fabeyer die Schule. Er hatte dort die dritte Klasse erreicht. Von da an arbeitete er als Laufjunge für das Feinkostgeschäft Hünefeld und das Sporthaus Lescow, er half in der Firma Hammersen und bei AVO-Gewürze und kam schließlich bei dem Schausteller Glöss unter. Im Oktober 1942 zog ihn die Wehrmacht ein. Er floh nach sechs Tagen, wurde im November festgenommen und ins Gefängnis gebracht erst nach Hannover, dann nach Wolfenbüttel. Dort sollte er am 14. April 1943 hingerichtet werden.
Während der Stolpersteinverlegung lasen Felix-Nussbaum-Schüler diesen Brief vor: Liebe Mutter! Da ich hier sitze und Dir den Brief schreibe, habe ich noch eine Stunde zu leben und bin dann mit Gott vereint. Es drängt mich, Dir in dieser letzten Stunde zu sagen, wie gerne ich Dich immer gehabt habe. Und ich weiß, welche Liebe Du für mich immer gehabt hast. Ich weiß auch, wie oft ich Dir Kummer gemacht habe. Ich weiß, wie schwer Du Dich hast plagen müssen, damit ich zu leben hatte. Für alles dieses danke ich Dir aus ganzem Herzen! Ich bitte Dich noch um eines, nämlich dass auch Du Dir alles verzeihst. Sei nicht gar zu betrübt, wenn Du erfährst, dass ich tot bin. Sei überzeugt, dass ich sterbe im festen Glauben auf Gott und daran, dass wir uns wiedersehen werden, wenn Du eines so guten Todes stirbst wie ich. Grüß bitte herzlich Bruno und Wilma von mir. Den besten Gruß aber sende ich Dir, liebe Mutter, und vergiss mich nicht! Dein Sohn Fritz, bete für mich.″
Fritz Fabeyer starb unter einem Fallbeil. Nach dem Krieg stellte seine Mutter Anträge auf Entschädigung vergeblich. Die Behörden dernoch jungen Bundesrepublik wollten ihr nicht glauben, dass ihr Sohn als Gegner des NS-Regimes hingerichtet worden war. Sie lehnten mit der Begründung ab, er sei ein haltloser Mensch″ gewesen.
Fritz′ Bruder Bruno geriet nach dem Krieg auf die schiefe Bahn. 1967 wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, nachdem er einen Polizisten erschossen hatte.

Bildtext:
Kornstraße 50 hier lebte Fritz Fabeyer.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor ihren letzten Wohn- oder Wirkungsstätten. Patin des Stolpersteins für Fritz Fabeyer ist die Felix-Nussbaum-Schule. Verlegt wurde er von Jan Buddenkotte, Benjamin Cotie, Robin-Stephan Dirks, Shkumb in Karsniqi und Betim Ukaj (Berufsfachschule Bautechnik des Berufsschulzentrums am Westerberg). Das städtische Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln Hinweise auf das Schicksal von NS-Opfern entgegen unter Telefon 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


Anfang der Liste Ende der Liste