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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
KME: Boden gering mit Kupfer und Dioxin belastet
 
KME ist nur für Schafe gefährlich
Zwischenüberschrift:
Kupfer und Dioxin im Boden
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Boden im Umfeld des Kupferverarbeiters KME in Osnabrück ist mit geringen Mengen Kupfer und Dioxinen belastet. Gefährlich sind die Konzentrationen nicht, wie Bodenexperten und das Gewerbeaufsichtsamt gestern darlegten. Eine gesundheitliche Gefahrgehe davon nicht aus, Sanierungen seien nicht erforderlich. Der Anbau von Obst oder Gemüse unterliegt keinen Beschränkungen, den Kleingärtnern wird aber empfohlen, die Ernte vor dem Verzehr gründlich zuwaschen. Und Bauern sollten in der Nähe keine Schafe halten, weil deren Leber empfindlich auf Kupfer reagiert. Als die Stadt 2009 die Planungen für das Wohngebiet in der Gartlage begann, veranlasste sie die Bodenuntersuchungen im Umkreis des Werkes. KME investierte nach eigenen Angaben seit 2003 über 30 Millionen Euro in umweltschonende Techniken.

OSNABRÜCK. Im Juli 1979 verendete ein gutes Dutzend Schafe auf einer Wiese in der Gartlage. Todesursache: eine Kupfervergiftung. Zum ersten Mal wurden damals die Folgen der Kupferverarbeitung sichtbar. Das ist lange her. Eine Gefahr für Menschen geht von dem Kabel-Werk nicht aus, wie aufwendige Bodenuntersuchungen beweisen.

KME präsentierte gestern in einer Pressekonferenz die Ergebnisse. Zugleich wurden 1500 Eigentümer von Wohngrundstücken und 4000 Bewohner in der Nachbarschaft schriftlich darüber informiert. Der Tenor: Der Boden ist mit geringen Mengen Kupfer und Dioxinen belastet. Es besteht aber kein Grund zur Sorge.
Die Kupfer-Konzentration im Boden gefährde die menschliche Gesundheit nicht, sagte die Diplom-Biologin Petra Günther vom Institut für Umweltanalyse in Bielefeld, die die Untersuchung leitete. An 58 Standorten in bis zu drei Kilometer Entfernung vom Werk waren Bodenproben genommen worden. Die Kupferwertereichten von 3 bis zu 1990 Milligramm pro Kilogramm Boden. Zum Vergleich: Der Grenzwert für Kinderspielplätze liegt bei 3000 Milligramm.
In ähnlicher Größenordnung bewegen sich die Dioxinbelastungen. Der Spitzenwert in einem Garten direkt an der Werksmauer an der Langen Wand erreichte 56, 3 Nanogramm (ein millionstel Milligramm). Für Kinderspielplätze sieht das Bodenschutzrecht eine Grenze von 100 Nanogramm pro Kilogramm Boden vor. Der Höchstwert in Wohngebieten liegt bei 1000 Nanogramm.
Gewisse Einschränkungen ergeben sich aber für das landwirtschaftlich genutzte Grünland und die Kleingärten in der Gartlage. Obst und Gemüse sollte vor dem Verzehr vorsorglich gut gewaschen werden. Bei Blattgemüse empfehlen die Experten, die unteren Blätter zu entfernen. Dass Schafe im Umfeld des Werkes nicht gehalten werden sollen, ist seit1979 bekannt und wird durch die jüngste Untersuchung bekräftigt. Die Leber der Schafe reagiert sehr empfindlich auf Kupfer. Sie kann maximal 5 bis 10 Milligramm pro Kilo Futter verarbeiten. Rinder vertragen 200 Milligramm, Schweine sogar 300 Milligramm.
Seit über 140 Jahren wird am Standort der heutigen KME Germany AG & Co.KG Kupfer verarbeitet. Es ist kein Geheimnis, dass mit dem Staub aus den Schornsteinen und Werkshallen Schadstoffe in die Umwelt gelangt sind. Als 2002 die Emissionsgrenzwerte (nachder TA Luft) verschärft wurden, reagierte KME: Über 30 Millionen Euro investierte das Werk in neue Technik, bessere Öfen und effizientere Verfahren, wie der Leiter Umwelt bei KME, Frank Otten, gestern sagte.

Info-Veranstaltung

Den Anstoß für die aktuelle Untersuchung hatte die Stadt Osnabrück gegeben, als sie 2009 mit der Planung eines Baugebietes in der Gartlage begann. Die Stadt beauftragte das Institut für Umweltanalyse aus Bielefeld, ein Untersuchungskonzept zuerstellen und Bodenproben zu nehmen. 2010 beauftragte KME das Bielefelder Institut, die Messungen fortzusetzen, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Die liegen jetzt vor.
Der Kupferverarbeiter stand auch zuvor unter Kontrolle. Das Gewerbeaufsichtsamt Osnabrück hatte 2003 eine Untersuchung des Staubniederschlags im Umfeld des Werkes angeordnet. Die Messergebnisse lagen nach Angaben des Gewerbeaufsichtsamtes deutlich unter den Grenzwerten.
KME geht das Thema proaktiv an und will die Öffentlichkeit ausführlich informieren″, sagte Hans-Joachim Scheja, Leiter Zentrales Personalwesen bei KME. Am kommenden Montag, 7. Mai, bietet KME in der Werkskantine (Knollstraße 12) eine Informationsveranstaltung. Dabei werden die Untersuchungsergebnisse im Detail erörtert und Fragen beantwortet. Die Kurzfassung des Bodengutachtens im Internet: www.kme.com/ bodenuntersuchung.

Bildtext:
Die Kleingärtner in der Gartlage können ihr Gemüse gefahrlos genießen, sollten es aber wegen der Kupfer- und Dioxinbelastung des Bodens vorsorglich gut abwaschen.
Foto:
Gert Westdörp

KOMMENTAR
Gläsernes Werk

Vorbildlich, wie KME mit den Untersuchungsergebnissen umgeht. Die Betroffenen werden direkt schriftlich informiert, die Öffentlichkeit über die Medien.
Kein Wunder, werden Skeptiker sagen, die Resultate sind ja auch gut. Wäre KME auch so offen gewesen, wenn die Grenzwerte überschritten worden wären? Man kann darüber nur spekulieren. Fest steht, dass der Kupferverarbeiter zugänglicher geworden ist. Im vergangenen Jahr ließ ersich erstmals bei einem Tag der offenen Tür in die Öfen schauen, und 15 000 Menschen nutzten die Chance. Auch die Veröffentlichung der aktuellen Bodenuntersuchung ist keine Selbstverständlichkeit. Denn bei aller Beteuerung, dass die Belastungen harmlos sind, kann in der Öffentlichkeit doch leicht die verkürzte Nachricht hängen bleiben: Das Kabel-Werk hat den Boden mit Kupfer und Dioxinverunreinigt.
Das Kupferwerk wirbt mit dem offensiven Schritt an die Öffentlichkeit um Vertrauen und verdient es.
w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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