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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt greift sich die Planungshoheit
Zwischenüberschrift:
Was wird aus dem Hase-Viertel, wenn Galeria Kaufhof ausgezogen ist?
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Stadt will die Fäden in der Hand haben, wenn es um die künftige Nutzung der Galeria Kaufhof-Immobilie und anderer Flächen in der Innenstadt geht. Oberflächlich betrachtet, ist es nur ein kleiner bürokratischer Akt. Inhaltlich allerdings ist der Schritt schwerwiegend, den der Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstag mit großer Mehrheit vollzog und den der Rat am 22. September mit hoher Gewissheit nachvollziehen wird: Die Stadt leitet Verfahren zur Änderung mehrerer Bebauungspläne ein, darunter auch für den Plan mit der Nummer 87 und dem Namen Haseüberbrückung/ Horten″.

Wie nett, dass der B-Plan noch Horten heißt″, sagte die Ausschussvorsitzende Anette Meyer zu Strohen. Horten war einmal, heute firmiert das Warenhaus an der Wittekindstraße unter Galeria-Kaufhof und voraussichtlich ab Oktober ist auch das Geschichte. Der Kaufhauskonzern zieht sich aus Osnabrück zurück. Die Immobilie gehört inzwischen dem Hamburger Projektentwickler Imvest, dem eine gemischte Nutzung mit gemeinsam genutzten Büros, Handel und E-Sport-Angeboten vorschwebt.

Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Deshalb will sich die Stadt nicht überraschen lassen. Mit dem Aufstellungsbeschluss also der Ankündigung, den B-Plan ändern zu wollen verschafft sich die Stadt die Handhabe, künftige Nutzungen zu steuern. In diesem Fall: In dem Galeria-Viertel soll künftig auch Wohnen möglich sein.

Die Eröffnung des Bauleitverfahrens macht es auch möglich, eine Veränderungssperre zu verhängen. Damit kann die Stadt verhindern, dass ein neuer Eigentümer Tatsachen schafft, die vielleicht schnell Geld einbringen würden, für die Entwicklung dieses Quartiers aber schädlich wären.

Auf den letzten Drücker schaltete sich Oberbürgermeister Wolfgang Griesert noch ein und sorgte dafür, dass auch die Fläche der Neumarkt-Apotheke in die B-Plan-Änderung einbezogen wird. Die Apotheke steht auf der Hasebrücke zwischen Galeria Kaufhof und der ehemaligen Sportarena.

Griesert will damit einen zweiten nachbarschaftlichen Konflikt an derselben Stelle vermeiden. Der geplante Radikalumbau der ehemaligen Sportarena von Immobilienkaufmann Theodor Bergmann stockt zurzeit, weil der Inhaber der Neumarkt-Apotheke, Henrik Leue, seine nachbarschaftlichen Rechte geltend macht. Der geplante Hotelneubau überschreitet die Baugrenze zur Apotheke um etwa 80 Zentimeter, was Leue nicht akzeptieren will. Damit Ähnliches nicht auf der anderen Seite bei einem etwaigen Um- oder Neubau der Galeria-Immobilie passiert, ist nun ein Bebauungsplan darübergelegt worden. Die Stadt kann damit flexibler bei der Festlegung von Gebäudehöhen und Grenzabständen agieren. Und sie könnte damit die Tür öffnen, sollte jemand auf der Galeria-Fläche ein Hochhaus bauen wollen.

Redner fast aller Fraktionen lobten das schnelle Vorgehen der Stadtverwaltung, brachten aber auch ihr Bedauern über das Ende von Galeria Kaufhof zum Ausruck. Giesela Brandes-Steggewentz von der Linkspartei war das nicht genug. Sie kritisierte erneut, dass die Stadtspitze zu wenig unternommen habe, um den traditionsreichen Kaufhaus-Standort und die damit verbundenen Einzelhandelsarbeitsplätze zu retten. Und dass jetzt bereits die Planungen für eine Nachnutzung in Gang gebracht werden, während innen drin die Mitarbeiter ihre letzten Arbeitstage haben, finde ich geschmacklos″, sagte die sichtlich bewegte Ratsfrau.

Auch im Fledder

In derselben Sitzung brachte der Stadtentwicklungsausschuss neue Bebauungspläne für das Gebiet rund um die Hauptpost an der Möserstraße und für weite Teile des Gewerbegebietes Fledder auf den Weg. Auch hier ist das Ziel, die Entwicklung zu steuern, bevor Eigentümer auf der Grundlage der geltenden Bebauungspläne Fakten schaffen.

Für das Viertel an der Postzentrale schlagen die Planer vor, ein Urbanes Gebiet″ auszuweisen, was innerstädtisches Wohnen erlauben würde. Im Fledder will die Stadt auf der Grundlage des Märkte- und Zentrenkonzeptes und des neuen Vergnügungsstättenplans sicherstellen, dass dort nicht Einzelhandel mit zentrumsrelevanten Sortimenten, Spielcasinos oder Rotlichtetablissements Einzug halten.

Bildtext:
In der Zange: Die Stadt will die Entwicklung an der Wittekindstraße besser steuern und hat deshalb eine Änderung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Grieserts kluger Schachzug

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert verschafft der Stadt im Fall Galeria Kaufhof planungsrechtlich mehr Flexibilität. Ein kluger Schachzug. Beweglichkeit kann noch mal sehr wichtig werden.

Griesert wies sein Bauamt an, die Neumarkt-Apotheke mit in den zu ändernden Bebauungsplan aufzunehmen. Die Plangrenze, die das Galeria-Kaufhof-Gebäude mit Parkhaus und ein Nachbarhaus umschließt, macht jetzt einen kleinen Knick und das ist gut so. Denn das Bauwerk auf der Brücke zwischen Warenhaus und der ehemaligen Sportarena könnte zu einem Hemmnis für die Neuentwicklung des Quartiers werden.

Die Stadt verschafft sich mit der Änderung des Bebauungsplans (unter Einbeziehung der Apotheke) ein wirkungsvolles Steuerungsinstrument. Sie kann unerwünschte Entwicklungen verhindern, Wohnungsbau ermöglichen und beweglich auf etwaige Wünsche von Investoren reagieren.

Die Imwest Projektentwicklung, die die Galeria-Immobilie gekauft hat, strebt eine gemischte Nutzung an, zu der auch Büros gehören. Aber wie groß ist der Bedarf an Büros in Zukunft noch, wo doch das Homeoffice im Moment so populär ist? Wohnungen wären dort sicher denkbar, auch als Ergänzung zum geplanten Wohnprojekt an der Möserstraße. Doch um Wohnungsbau dort wirtschaftlich zu machen, müsste wohl vertikal verdichtet″ werden, wie Stadtplaner so schön sagen. Wir reden also über ein Hochhaus mit Leuchtturm-Charakter.

Zugegeben, das ist alles Spekulation. Aber auch die Stadtplaner denken offenbar so weit voraus und schaffen die Vorkehrung, dass eine solche Entwicklung nicht an der Neumarkt-Apotheke scheitert.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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