User Online: 1 | Timeout: 12:41Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Als Post und Bahn noch treu zusammenstanden
Zwischenüberschrift:
Über das Bahnpostamt in Osnabrück ging die Zeit hinweg: 1955 bis 2000 am Bahnhofsvorplatz
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Früher hielten Bahn und Post in unverbrüchlicher Treue zusammen. Es war selbstverständlich, dass die Postsendungen zwischen den Städten auf dem Schienenweg transportiert wurden. Zur Vereinfachung der Abwicklung gab es neben den meisten größeren Bahnhöfen ein Bahnpostamt. So auch in Osnabrück.

1955 hatte bei der gelben Post″ noch alles seine angestammte Ordnung. Weil Osnabrück ein wichtiger Bahnknoten war, war es auch für die Post keine Frage, hier einen zentralen Postumschlagplatz zu behalten. Während andere Großstädte noch länger auf die Wiederherstellung ihrer kriegszerstörten Hauptpostämter warten mussten, bewilligte der Bundespostminister in Bonn schon relativ zügig nach dem Krieg die rund fünf Millionen DM und die Planungskapazitäten, die für einen Neubau am Hauptbahnhof erforderlich waren.

Die Schwesterunternehmen″ Bundesbahn und Bundespost einigten sich in allen Details, was wohl nicht ganz einfach war, und versprachen nun, sich nicht aneinander zu reiben, sondern ganz eng verflochten, bestens zusammenzuarbeiten″ und sich ewig treu zu bleiben. 1954 wurden die Behelfsbaracken der Bahnpost neben dem Gleis 1 entfernt, der erste Spatenstich ging ganz vorsichtig in den blindgängerträchtigen Boden.

Im November 1956 nahm die Post den Großbau in Betrieb, der aus einem dreigeschossigen Trakt für den Publikumsverkehr und einem viergeschossigen Hauptbau parallel zum Gleis 1 der oberen Bahnstrecke bestand. Anders als in der Vorkriegszeit wurde die Post am Bahnhof organisatorisch zum Hauptpostamt Osnabrück 1″ erhoben, während der sechsgeschossige Neubau an Wittekindstraße und Möserstraße nur″ das Stadtpostamt 5″, aber auch das Fernmeldeamt aufnahm.

30 000 Pakte pro Tag

Am Bahnhof hatten nun mehr als die Hälfte der 800 Postbediensteten Osnabrücks ihren Arbeitsplatz. Täglich schlugen sie 30 000 Pakete sowie 11 000 Päckchen um und fertigten 150 000 Briefsendungen ab. Hauptbetrieb herrschte in den späten Abend- und Nachtstunden. Ganze Miniaturzüge voll bepackter Postkarren huschten über die Bahnsteige, um das Verladegeschäft an den Zügen oder Bahnpostwagen zu besorgen. Zur Bruchstraße hin schloss sich ein Bussteig mit lang gestreckter Wartehalle und einem runden Pavillon an. Dies war der Heimat-Stützpunkt der Kraftpost″, des posteigenen regionalen Omnibus-Verkehrsnetzes.

Die gemeinsame Beförderung von Post und Personen hat eine lange Tradition, die bis in die Antike zurückreicht. Erst mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes ab etwa 1850 ging die Postkutschenzeit langsam zu Ende, weil die Bahn Menschen und Fracht billiger und schneller befördern konnte.

Osnabrücks erster Bahnhof, der Hannoversche, hatte in seinem südlichen Flügel ebenfalls ein Bahnpostamt. Der 1895 in Betrieb gegangene neue Hauptbahnhof („ Central-Bahnhof″) beherbergte gleich zwei Bahnposteinrichtungen: eine für die Hannoversche Westbahn im linken und eine für die Hamburg-Venloer Bahngesellschaft im rechten Flügel. Mit der Vereinigung der Länderbahnen in der Deutschen Reichsbahn nach 1920 wurde die doppelte Vorhaltung von Wartesälen, Fahrkartenschaltern und eben auch Bahnpoststellen überflüssig. Das Osnabrücker Bahnpostamt bekam ein eigenes Gebäude in Verlängerung des Bahnhofs-Südflügels. Und zwar bis zur Kriegszerstörung. Der Neuanfang der Bahnpost nach dem Krieg spielte sich in den Behelfsbaracken am Gleis 1 ab, bis 1955/ 56 der heiß ersehnte Neubau kam.

Viele Veränderungen

Dieser Bahnpost-Neubau erlebte in seiner Lebenszeit einige Veränderungen. Der Kraftpost-Bussteig verschwand, die Bussteige wurden im Zuge von Umgestaltungen des Bahnhofsvorplatzes mehrfach verlegt. Im Inneren investierte die Post 1970 acht Millionen DM in eine halb automatische Briefverteilanlage. Codiert werden musste noch von Hand. 15 Damen warteten auf das Einsatzzeichen des Ministers, um mit dem Codieren der Briefe zu beginnen″, schrieb das Osnabrücker Tageblatt″ am 15. September 1971, als Bundespostminister Georg Leber die Anlage in Betrieb setzte. Schon arbeitete die Post daran, ihren Elektronengehirnen″ auch das maschinelle Lesen von Anschriften beizubringen. 1985 war es so weit, eine entsprechende Wundermaschine″ wurde nachgerüstet.

Auf der anderen Seite begann die unverbrüchliche Treue″ zwischen Bahn und Post zu bröckeln. Einerseits, weil die Bahn ihr Streckennetz eindampfte. Andererseits, weil die Anforderungen an die Beförderungsgeschwindigkeit so groß wurden, dass nur noch der Nachtstern″ auf dem Luftweg sie erfüllen konnte. Lockerungen des Post-Monopols zuerst in der Paketzustellung verlangten der Bundespost verschärfte Wirtschaftlichkeitsüberlegungen ab. 1988 erwog die Post, den Paketumschlag aus Osnabrück abzuziehen und in Hamm zu konzentrieren. Gleichzeitig kursierten Pläne, das in die Jahre gekommene Gebäude abzureißen und an gleicher Stelle neu zu bauen.

Die Postler beklagten einen gravierenden Instandhaltungs- und Modernisierungsstau. Sie waren unter anderem dazu übergegangen, die zugigen Metallfenster mit Postsäcken notdürftig abzudichten, um nicht krank zu werden. Briefzusteller mussten ihre vollgepackten Botenkarren über eine Wendeltreppe hieven, weil der Aufzug nicht bis ins Dachgeschoss mit dem Briefverteilungssaal reichte.

1992 wurden die Neubaupläne auf Eis gelegt. Die neuen Bundesländer bekamen nun den Löwenanteil an Investitionsmitteln. Mit der Standortentscheidung für das Briefverteilzentrum in Hellern, fernab von allen Bahngleisen, war das Schicksal des Bahnpostamts besiegelt. 1997 suchte die Post einen Käufer für das Gebäude. Sie fand ihn in der Stadt, die die Gelegenheit beim Schopf ergriff, das Gebäude abzureißen und die Flächen in die große Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes einzubeziehen. Auf dem ehemaligen Postgelände entstand 2001 ein Parkhaus und auf dem früheren Busbahnhof für die Überlandlinien ein Kino- und Freizeitzentrum.

Bildtexte:
Die Bahnpost von der Bruchstraße aus gesehen, um 1958. Im vorderen Bereich Einrichtungen der Kraftpost″: Wartehalle, Bussteig und Rundpavillon mit Kiosk und Toiletten. Unten rechts die Hasebrücke.
Der Abriss der Bahnpost begann im Jahr 2000. Das Parkhaus Bahnhofsgarage (unten) nimmt seit 2001 den Bereich des früheren Gebäudes ein.
Das Parkhaus Bahnhofsgarage nimmt seit 2001 den Bereich des früheren Bahnpostgebäudes ein.
Das Bahnpostamt und der Busbahnhof für die Überlandlinien prägten nach 1956 den südlichen Bahnhofsvorplatz.
Grundsteinlegung am 2. Februar 1955: Zwischen den schräg verlaufenden Stützpfeilern des oberen Bahnsteigs hat sich Post-, Bahn- und Stadt-Prominenz zur Feier in der Baugrube versammelt. Am Rednerpult der Präsident der Oberpostdirektion Bremen, Dr. Wiesemeyer.
Fotos:
E. Koltzenburg, Detlef Heese, Joachim Dierks, Hartwig Fender, Emil Harms
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste