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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ab 2023 breiter Radweg für den Wallring
 
Stadt will Wallring umkrempeln
Zwischenüberschrift:
Verkehrsplaner und Politiker stehen vor Riesenaufgabe
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück In drei Jahren könnte der Bau eines neuen Radweges entlang des Wallrings in Osnabrück beginnen. Das sieht ein erster Fahrplan vor, den die Bauverwaltung dem Stadtentwicklungsausschuss für die Sitzung am Donnerstag vorlegt. Laut Radverkehrsplan soll der vierspurige Ring so schnell wie möglich beiderseits mit einem möglichst zwei Meter breiten Radstreifen ausgestattet werden. Der heutige Radweg ist nur einen Meter breit und nicht mehr zeitgemäß. Nach zwei tödlichen Radunfällen in diesem Jahr drückt der Stadtrat bei den Planungen aufs Tempo. Auch die Pagenstecherstraße soll fahrradfreundlicher umgebaut werden. Über die Kosten ist bislang nichts bekannt. Absehbar ist, dass der Radwegebau zulasten der Parkplätze, Bäume und wohl auch des Autoverkehrs gehen wird.

Osnabrück Das Ziel ist klar: Der gesamte Osnabrücker Wallring soll so schnell wie möglich sichere Radwege bekommen. Osnabrück steht damit vor einer Generationenaufgabe, denn dafür müssen Fahrstreifen, Parkplätze und Bäume weichen. Das Bauamt hat jetzt für den Stadtentwicklungsausschuss skizziert, wie es gehen kann und was auf die Stadt zukommt.

Der 2017 verabschiedete Radverkehrsplan sieht vor, die Radwege rund um den Wall beiderseits auf mindestens zwei Meter zu verbreitern. Unter dem Schock zweier tödlicher Radunfälle hat der Rat dieses Ziel in diesem Jahr noch einmal bekräftigt und den Druck auf die Verwaltung erhöht, die Planungen mit mehr Tempo voranzutreiben. Auch die Pagenstecherstraße soll auf ganzer Länge mit breiteren Radwegen versehen werden.

Die Umsetzung allerdings ist kompliziert und kann frühestens in drei Jahren beginnen, wie das Bauamt in einer Vorlage für den Stadtentwicklungsausschuss schreibt.

Was möglich ist

Die Verwaltung favorisiert auf dem Wall zweistreifige Radwege, die von der Fahrbahn baulich abgetrennt und mit 2, 25 Metern (einschließlich Sicherheitstreifen) so breit sind, dass ein Nebeneinanderfahren und Überholen möglich ist. Wo der Platz nicht reicht, soll eine mindestens 1, 60 Meter breite Radverkehrsanlage plus Sicherheitstrennstreifen″ ausreichend Sicherheit schaffen. Radler können sich auf diesen Abschnitten nicht überholen.

Der nördliche Wallabschnitt (Remarque-Ring, Hasetorwall, Natruper-Tor-Wall, Schlosswall) bietet nach Angaben der Verwaltung genügend Raum für den Bau von zwei Meter breiten Radwegen. Auf dem südlichen Teil (Johannistorwall, Adenauer-Ring) reicht es nur für die schmalere Variante wenn überall an vier Spuren für den Autoverkehr festgehalten wird.

Absehbar ist, dass zahlreiche Bäume gefällt werden müssen. Die lokale Kompensation entfallender Baumstandorte wird ein herausforderndes Thema der Planung werden″, schreibt die Verwaltung. Übersetzt heißt das: Ersatzanpflanzungen wird es an anderer Stelle geben müssen. Am Wall wird es hingegen weniger Grün geben.

Absehbar ist auch, dass zahlreiche Stellplätze entfallen werden. Die Verwaltung spricht von einem großen Konfliktfeld″, denn beides neuer Radweg und Erhalt der Parkstreifen sei nicht möglich.

Die Planer halten auch gar nichts davon, Stellplätze am Straßenrand zwischen Rad- und Gehweg anzuordnen. Autofahrer müssten zum Parken den Radweg kreuzen, was konsequent ausgeschlossen″ werden sollte. Außerdem werde der Qualitätssprung die Zahl der Radler erhöhen und damit die Gefahr durch den Parkverkehr vergrößern. Dieselben Probleme gibt es auch auf der Pagenstecherstraße.

Die Verwaltung schlägt vor, externe Fachbüros mit den Planungen für Wallring und Pagenstecherstraße zu beauftragen. Die Kosten, die für die aufwendigen Planungen nicht unerheblich sein dürften, könnten möglicherweise aus einem Fördertopf des Bundes gedeckt werden. Osnabrück hat schon beim Bundesverkehrsministerium ein entsprechendes Interesse bekundet. Wenn es klappt, werden nach Verwaltungsangaben 80 bis 90 Prozent der Planungs- und Baukosten vom Bund übernommen.

Drei Jahre Vorlaufzeit

Der Zeitplan sieht vor, im ersten Halbjahr 2021 das Verkehrssystem auf dem Wallring mit seinen 21 Ampelanlagen unter die Lupe zu nehmen. Die Bauarbeiten könnten im Idealfall 2023 auf dem nördlichen Wallring beginnen. Der weitere Umbau wird sich nach Einschätzung des Bauamtes bis 2026 hinziehen. Die Verwaltung stellt sich auf intensive Beratungen und Diskussionen ein. Die Interessenlagen der verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen an einen innerstädtischen Hauptverkehrsstraßenring sind vielfältig″, heißt es in der Vorlage. Eine Umverteilung des Straßenraums zugunsten des Radverkehrs, aber auch des Fußverkehrs und der Straßenraumgestaltung muss im gesellschaftlichen Diskurs erarbeitet werden.″

Bildtexte:
So in Zukunft nicht mehr: Auf dem Wallring soll der Parkverkehr nicht mehr den Radweg kreuzen müssen. Das ist ein Grundgedanke im Umbaukonzept für den vierspurigen Innenstadtring. Das schafft allerdings neue Probleme.
Radweg statt Parkplatz (hier am Schlosswall)?
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Es geht um Grundsätzliches

Ein Laie mag sich über den Aufwand wundern und die Frage stellen: Kann das denn so schwer sein? Der Wallring verfügt doch schon auf ganzer Länge über einen Rad-Ring. Würde es nicht genügen, den Radweg etwas zu verbreitern?

Nein, das genügt nicht, weil die derzeitige Ein-Meter-Schmalspur aus einer anderen Zeit stammt. Man blicke nur auf jüngste Novelle der Straßenverkehrsordnung, die vorschreibt, dass Radfahrer innerorts nur mit einem Abstand von 1, 5 m überholt werden dürfen. Bei konsequenter Umsetzung würde der Verkehr auf dem Wall sofort zusammenbrechen.

Mindestens zwei Meter breite Radstreifen sind der Stand der Verkehrstechnik und an der vierspurigen Hauptstraße unbedingt geboten. Die Umsetzung allerdings bedeutet einen tiefen Eingriff in die Substanz der Straßen und berührt zudem grundsätzliche Fragen der kommunalen Verkehrspolitik. Wer soll mehr vom knappen Verkehrsraum bekommen Radler, Autofahrer, Busse? Und wie viele Parkplätze und Bäume wollen wir opfern? Darüber wird die Politik gewiss laut und lange streiten.

Wichtig wäre, dass die Planungen bis zur Kommunalwahl im September 2021 so weit fertig sind, dass die Parteien klar Position beziehen können und die Bürger bei der Stimmabgabe wissen, was sie von der Politik zu erwarten haben. w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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