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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Erschossen bei Widerstandsleistung″
Zwischenüberschrift:
Bernhard Wiechmann: Opfer der Wehrmachts-Justiz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Standen jemals so viele Menschen vor diesem Haus? In den Heidekämpen 9 diese Adresse war das Zuhause von Bernhard Christel Wiechmann. Mitten im Zweiten Weltkrieg wurde er Opfer der Wehrmachts-Justiz. Der Osnabrücker wurde im Alter von 21 Jahren in der Ukraine wegen Fahnenflucht″ erschossen. Jetzt, sieben Jahrzehnte später, erinnerten drei achte Klassen und zwei neunte Klassen der Wittekind-Realschule daran, was ihm widerfahren ist.

Wer war Bernhard Wiechmann? Was von ihm überliefert ist, sind kaum mehr als einige Daten und Aktennotizen. Er war Arbeiter wiesein Vater Eberhard. Seine Mutter hieß Maria. Die Familie lebte im Stadtteil Sonnenhügel und gehörte der evangelischen Kirche an. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war Bernhard Wiechmann 18 Jahre alt.
Akten geben darüber Auskunft, dass er im Januar 1941 im Alter von 19 Jahren in einem Lazarett bei Amiens in Frankreich behandelt werden musste. Weshalb ist nicht bekannt. Erst folgt einelange Lücke in der Dokumentation, dann ein Szenenwechsel mit einem gewaltsamen Ende: Am 5. November 1942 um 15 Uhr wurde Bernhard Wiechmann in Charkow in der Ukraine erschossen. Das Gericht des Höheren Kommandeurs der Nachschubtruppen 1″ hielt Datum und Uhrzeit genau fest, doch nähere Umstände verdeckte es mit einer bürokratischen Formulierung: Danach ist Bernhard Wiechmann bei Widerstandsleistung nach erfolgter Festnahme″ wegen Fahnenflucht″ getötet worden. Was tatsächlich dahintersteckt, bleibt im Dunkeln.

Hätten wir den Mut ...?″

Die Nationalsozialisten verbreiteten auch innerhalb der Wehrmacht Angst und Schrecken. Die Militärjustiz sprach 30 000 Todesurteile für Deserteure aus, geschätzte 23 000 Urteile wurden vollstreckt. Zum Vergleich: Die Armee der Vereinigten Staaten vollstreckte während des Zweiten Weltkrieges ein einziges Todesurteil für einen Deserteur. Adolf Hitler dagegen hatte ein erbarmungsloses Vorgehen gefordert. Von ihm sind Zitate überliefert wie: Der Soldat kann sterben, der Deserteur muss sterben.″
Jetzt erinnert ein Stolperstein an Bernhard Wiechmann. Während der Verlegung vor seinem ehemaligen Zuhause sprachen Wittekind-Realschüler vom Schulzentrum Sonnenhügel auch über ihre Versuche, sich in sein Schicksal hineinzuversetzen: Im Unterricht haben wir uns die Frage gestellt, ob wir den Mut gehabt hätten, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Wir stellten fest, dass wir diese Frage gar nicht beantworten können, leben wir doch in einer Zeit und einem Umfeld, in dem das, was Bernhard Christel Wiechmann widerfahren ist, für uns unvorstellbar ist.″ Gerne hätten sie mehr über den Nachbarn aus ihrem Stadtteil erfahren, der heute 91 Jahre alt gewesen wäre.

Bildtext:
In den Heidekämpen 9: Hier war das Zuhause von Bernhard Wiechmann. Im Alter von 21 Jahren wurde er 1942 in der Ukraine wegen Fahnenflucht″ erschossen.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstättend er Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland auch in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und der Ukraine. Den Stolperstein für Bernhard Christel Wiechmann verlegten Jan Buddenkotte, Benjamin Cotie, Robin-Stephan Dirks, Shkumbin Karsniqi und Betim Ukaj, die die Berufsfachschule Bautechnik des Berufsschulzentrums am Westerberg besuchen. Patin für den Gedenkstein ist die Wittekind-Realschule. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opferndes NS-Regimes entgegen. Telefon: 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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