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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zum Abendessen standen die Karussells still
Zwischenüberschrift:
Beim ersten Jahrmarkt an der Halle Gartlage kostete eine Fahrt noch 20 Pfennig
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Bis Sonntag ist der 100. Jahrmarkt an der Halle Gartlage geöffnet. Mit einem historischen Karussell und uralten Konzertorgeln auf der einen und technisch hochmodernen Fahrgeschäften auf der anderen Seite wollen die Schausteller Nostalgie und Moderne verbinden. Was hat sich seitdem ersten Markt 1962 verändert? War früher alles besser, oder haben die Besucher heute mehr Spaß?

Dieter Hanstein kann sich noch ganz gut an die Premiere auf dem Gelände der Halle Gartlage erinnern. Der heute 75-Jährige hat damals noch im Betrieb seiner Eltern geholfen. Die betrieben 1962 ein Kettenkarussell, den Wellenflieger″. Der Aufbau eines solchen Karussells war natürlich aufwendiger als heutzutage″, erzählt er. Da mussten vier Leute mit anpacken. Alles noch echte Handarbeit.″ Eine Achterbahn stand auch schon 1962 auf dem Jahrmarkt. Die war eigentlich so ähnlich wie die Bahn, die heute hier steht″, vergleicht Hanstein. Mit einem Riesenrad konnte man in Osnabrück schon damals aufwarten.
Während man für eine Karussellfahrt heute durchschnittlich drei bis fünf Euro zahlt, kostete der Fahrspaß Anfang der 60er-Jahre deutlich weniger. 20 Pfennig waren da üblich″, sagt Hanstein.
Auf der Speisekarte standen früher keine frittierten Champignons oder Gyros. Da gab es eine Bratwurst, nicht einmal Pommes.″ Die Leckereien für die Kinder seien aber auch vor 50 Jahren schon recht vielfältig gewesen. Zuckerstangen, Pfefferminz, Schmalzkuchen und Waffeln zählten zum gängigen Sortiment. Die Standbetreiber stellten im Gegensatz zu heute noch alles selbst her″, betont der 75-Jährige. Der Vater dreier Kinder betreibt heute mit seiner Frau Marianne einen Stand mit Brezeln und Maiskolben. Seine Töchter sind ebenfalls im Schaustellergewerbe. Für Hanstein eine ganz normale Entwicklung. Schausteller wird man nicht, Schausteller ist man.″ Er selbst kam sogar in einem Wohnwagen auf die Welt, auf der Radrennbahn in Bielefeld.
Was unterscheidet den Osnabrücker Jahrmarkt von den anderen Märkten in der Region? Es ist hier immer schön gestaltet und der Platz ist gut befestigt″, sagt Hanstein. Letzteres sei vielerorts deutlich schlechter. Die Kundschaft schaue heute doch etwas mehr aufs Geld. Die Leute sind sparsamer geworden.″ Und sie mögen keine Losbuden mehr, wie Berhard Kracke senior festgestellt hat. Seine Familie stand viele Jahre mit dem Tombola-Wagen auf dem Jahrmarkt. Das ist nicht mehr im Trend. Heute sind Automaten angesagt.″ Seine letzte Losbude hat er 1998 für 700 000 Euro gekauft, jetzt steht sie in der Halle.
Ingrid Wittler betreibt heute mit ihrem Mann Hans eine Weinbude. Beim ersten Jahrmarkt an der Halle Gartlage besaßen die beiden noch eine Raupe. Da kosteten drei Karten eine Mark″, erinnert sich die 73-Jährige. Damals sei der Jahrmarkt noch jeden Tag zwischen 18 und 20 Uhrgeschlossen worden. Dann war Abendbrotpause.″
Ihre Raupe haben die Wittlers 1968 verkauft, ein Jahrspäter legten sie sich ein modernes Kinderkarussell aus Italien zu. Es folgten weitere Fahrgeschäfte, die Wittlers passten sich den Trends an. Im Gegensatz zu ihrem Kollegen Hanstein denkt Ingrid Wittler nicht ans Aufhören. Solange ich das noch kann, bleibe ich Schausteller.″

Bildtexte:
In Sonntagskleidung besuchten die Osnabrücker den ersten Jahrmarkt an der Halle Gartlage. Ein solches Gedränge wie im Jahr 1962 sucht man heute vergebens, der Publikumsverkehr ist deutlich schwächer geworden.
Schaustellerin der ersten Stunde: Ingrid Wittler.
Jahrmarkt-Urgestein Dieter Hanstein.
Fotos:
Archiv/ Kurt Löckmann, Pentermann
Autor:
Stephanie Kriege


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