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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vom Segen der Zusammenarbeit
 
DIE GESCHÄFTSFÜHRER DER KLINIKEN DER REGION ZUR ZUKUNFT DER KRANKENHÄUSER
Zwischenüberschrift:
Das Krankenhaus der Zukunft lebt von der Vernetzung
 
„Umfangreiche Angebote″
 
„Breite Diskussion nötig″
 
„Weitere Vernetzung″
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Die Menschen werden immer älter. Für das Krankenhaus der Zukunft bedeutet das: immer mehr Patienten und Zwang zur Zusammenarbeit innerhalb des Hauses und nach draußen.

Es ist kurz nach 17 Uhr an einem Donnerstag. 18 Ärztinnen und Ärzte des Klinikums am Finkenhügel sind zur wöchentlichen Tumorkonferenz zusammengekommen. Zwei riesige Flachbildschirme werfen ein blaues Licht in den abgedunkelten kleinen Hörsaal der Radiologie, wenn der Radiologe in schneller Folge die Schnittbilder aus dem Computerto-mografen und aus dem MRT ablaufen lässt. Dazu stellt derbehandelnde Arzt die Kran-kengeschichte vor: Er berichtet von einer 70 Jahre alten Patientin, die mit unklaren Bauchschmerzen eingeliefert wurde. Die Frau erkrankte vor Jahren an Eierstockkrebs. Die Bilder zeigen: Jetzt haben sich Metastasen in der Leber gebildet. Es ist die Patientin Nummer vier in der Tumorkonferenz, die immer donnerstags am Finkenhügel stattfindet. An der Stirnseite neben dem Radiologen hocken die Chefärzte der Onkologie und der Inneren Medizin an einem kleinen Tischchen; Prof. Dr. Olaf Koch und Prof. Dr. Bernhard Högemann führen das Protokoll dieser Konferenz. In den Stuhlreihen drängensich die Chefs und Oberärzte, der Pathologe, der Gynäkologe, der Chirurg und der Strahlentherapeut des Klinikums. Nüchtern und konzentriert diskutieren die Ärzte den Fall der Patientin. 16 Fälle werden die Ärzte nach einer knappen Stunde durchgesprochen haben. Das sind 16 Diagnosen, die sich bei der morgigen Visite wieder in menschliche Schicksale verwandeln werden. Prof. Olaf Koch hat das strenge Ritual der wöchentlichen Tumorkonferenz am Klinikum eingeführt. In früheren Jahren forderte der behandelnde Arzt die Auskunft eines Fachkollegen mittels Konsilschein an. Das konnte Tage dauern. Und was er daraus abgelesen hat, blieb mitunter seine einsame Entscheidung. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen sei bei einer so komplexen Erkrankung wie dem Krebs die einzig mögliche Strategie, so betont Olaf Koch: Es geht zunächst um schnellere Abläufe und bessere Resultate. Aber am Ende bedeutet das auch, einen optimalen Behandlungsvorschlag für den jeweiligen Patienten zu finden.″ Und weil eine Tumorerkrankung nicht ein einzelnes Organ allein befällt, ist die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten verschiedener Fächer eines der wichtigsten Kriterien bei der Zertifizierung eines Krankenhauses. Das Krankenhaus der Zukunft, so ist an diesem Beispiel abzulesen, kann nur effektiv und zugleich wirtschaftlich sein, wenn es die Schnittstellenproblematik bewältigt sowohl innerhalb des Hauses wie auch im Übergang von der ambulanten zur stationären Versorgung. Doppeluntersuchungen können damit vermieden werden, wie auch das Risiko einer zu frühen Entlassung durch eine gute Überleitung in die ambulante Nachsorge reduziert wird. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) neben einem Krankenhaus und betrieben mit angestellten (Kassen-) Ärzten hebendie gewohnte Trennung von ambulant und stationär bereits heute hier und da auf. Die Frage bleibt, wie weit diemächtigen Kassenärztlichen Vereinigungen diesen Weg mitgehen.

Bildtext:
Die Tumorkonferenz im Klinikum Osnabrück, bei der jeden Donnerstag Ärzte und Ärztinnen verschiedener Fachdisziplinen zusammenkommen, um Diagnosen durchzusprechen.
Foto:
Klinikum/ Münch

OSNABRÜCK. Die medizinische Versorgung müsse als existenzielle Daseinsfürsorge der Gesellschaft betrachtet werden und dürfe deshalb nicht allein dem Markt überlassen bleiben, fordert Dr. Hansjörg Hermes, Geschäftsführer des städtischen Klinikums: Wirtschaftlichkeit ist selbstverständlich auch im Gesundheitsmarkt grundsätzlich wichtig, zumal es um Steuermittel der Bürger geht. Das Heben von Wirtschaftlichkeitspotenzialen hat jedoch inzwischen stattgefunden.″
Nicht allein die Frage der Wirtschaftlichkeit dürfe deshalb künftig über das medizinische Angebot und die Existenz kleinerer Häuser in Niedersachsen entscheiden. Die kommunalen und frei-gemeinnützigen Träger müssten vielmehr als vorrangiges Ziel haben, den Versorgungsauftrag zu erfüllen. Hermes: Wirtschaftlichkeit ist gleichrangiges, aber nicht vorrangiges Ziel. Private Träger füllen verbleibende Marktnischen.″ Medizinische Versorgungszentren (MVZ), in denen angestellte Krankenhausärzte mit einer Krankenkassen-Zulassung arbeiten, seien ein wichtiges Instrument kommender Gesundheitspolitik, betont der Geschäftsführer. Vernetzung oder Zusammenführung von ambulantem und stationärem Sektor muss politisches Ziel werden, damit Leistungen und Leistungsabrechnung transparenter werden auch für den Patienten.″
Die demografische Entwicklung bedeute für die Häuser, dass die Zahl der Patienten mit komplexen Mehrfacherkrankungen zunehme. Es sei notwendig, möglichst umfangreiche Angebote fächerübergreifend an einem Standort zu versammeln und fließende Übergänge zu schaffen. Hermes mit Blick auf die Zukunft: Das Angebot muss fachlich, räumlich und organisatorisch stärker auf Bedürfnisse älterer Patienten ausgerichtet werden.″

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Hansjörg Hermes, Klinikum Osnabrück.
Foto:
PR

OSNABRÜCK. Das Krankenhaus kommt zum Patienten″, so lautet eine Vision von Werner Lullmann, Geschäftsführer der Niels-Stensen-Kliniken, für das Krankenhaus der Zukunft: Die Weiterentwicklung der Telemedizin und digitaler Informationsmedien wird ermöglichen, dass zum Beispiel die Überwachungsdaten des Herzschrittmachers vom Patienten direkt in die Arztpraxis oder in die Klinik übertragen werden.″ Die gemeinsame elektronische Patientenakte werde von dazu ermächtigten Ärzten zu jeder Zeit an jedem Ort abrufbar sein. Vor- und Nachsorge könnten dadurch verbessert werden.
Das Arbeitsfeld Krankenhaus werde sich weiter differenzieren. Lullmann weiter: Es wird eine Vielzahl von Qualifikationsstufen bis hinzu studiertem Pflegepersonal geben. Dies führt dazu, dass Ärzte zunehmend die Entscheidungen zur Therapie treffen, die vom entsprechend qualifizierten Pflegepersonal ausgeführt werden.″ Der Arbeitgeber Krankenhaus müsse zudem ein positives Arbeitsumfeld bieten, das deutlich über den Arbeitsplatz im Krankenhaus hinausreicht: Kinderbetreuung, pflegerische Versorgung Angehöriger oder eine individuelle Balance zwischen Beruf und Freizeit gehörten zu diesen attraktiven Arbeitsstrukturen hinzu.
Eine zentrale Frage des künftigen Gesundheitswesens sei noch offen: Werden die Entwicklungen der Medizin künftig noch allen Patienten zur Verfügung stehen? Oder nur denen, die dafür bezahlen können oder die ausreichende Heilungschancen bieten? Lullmann: Als christlicher Träger fordern wir langfristig eine möglichst umfangreiche Versorgung ohne Ansehen der Person.″ Dafür müsse die Politik langfristig Rahmenbedingungen schaffen. Eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Kriterien sei nötig.

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Werner Lullmann, Niels-Stensen-Kliniken.
Foto:
PR

OSNABRÜCK. Die demografische Entwicklung mit einer zunehmenden Zahl älterer Patienten hebt auch Frank Wellmann hervor, Geschäftsführer Paracelsus-Klinik Osnabrück: Dies bedeutet einerseits eine Zunahme von Fällen in Kliniken für Geriatrie. Andererseits erleben auch alle anderen Fachdisziplinen eine Zunahme älterer Patienten, auf die das Krankenhaus reagieren muss.″
Medizinisch gesehen, sei bei älteren Patienten häufig ein deutlich breiteres Spektrum an Erkrankungen zu beobachten. Dadurch würdendie Fälle komplexer und eine interdisziplinäre Versorgung des Patienten durch Ärzte mehrerer Fachabteilungen immer wichtiger. Wellmann: Wir versuchen, dem durch vermehrte Konsiltätigkeit verschiedener Fachbereiche und durch interdisziplinäre Konferenzen wie zum Beispiel Tumorkonferenzen gerecht zu werden.″ Ein zweites wichtiges Handlungsfeld künftiger Krankenhausorganisation werde die weitere Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung. Die Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen sowie die schnelle und vollständige Übermittlung von Befunden zwischen dem ambulanten und im stationären Sektor würden sowohl aus wirtschaftlicher Sicht wie auch für eine optimierte medizinische Behandlung des Patienten immer wichtiger.
Für den Paracelsus-Geschäftsführer ist zu dem wichtig, dass Patienten neben einer hochwertigen Versorgung auch hinsichtlichder qualifizierten Pflege und der Hotelleistungen eines Krankenhauses berechtigte Ansprüche stellen können: Wir werden deshalb auch in Zukunft die Patientenverpflegung in unserer eigenen Küche zubereiten und dem Patienten eine gesunde und ausgewogene Speisenversorgung nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung anbieten.″

Bildtext:
Frank Wellmann, Paracelsus-Klinik.
Foto:
PR
Autor:
Frank Henrichvark


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