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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn Kliniken über sich hinauswachsen
Zwischenüberschrift:
Auf der Suche nach dem Krankenhaus der Zukunft: Kooperation heißt das Zauberwort – Eine Bestandsaufnahme
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Wer das Krankenhaus der Gegenwart beschreiben will, kommt an einer Zahl nicht vorbei: 6, 9 Tage. So lange war die durchschnittliche Liegezeit eines Patienten im Jahr 2010. Vor 20 Jahren waren es noch zwei Wochen.

Es gibt sie also tatsächlich die Wirtschaftlichkeitsreserven″ im Gesundheitssystem, wie die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt immer wieder beteuert hat, als sie das System der Bezahlung nach Fallpauschalen einführte: Statt der Pflegetage im Krankenhaus werden von den Kassen seitdem die behandelten Diagnosen abgerechnet. Und nur wenn ein Krankenhaus seine Behandlungserfolge innerhalb der Norm dieser Fallpauschalen oder besser noch: schneller als der Durchschnitt erzielt, dann verdient es auch Geld.
Neben dem finanziellen Anreiz hat zur Senkung der Liegezeiten selbstverständlich auch der medizinische Fortschritt beigetragen. Drei Faktoren waren es vor allem, die diesen medizinischen Fortschritt einst im 19. Jahrhundert in Gang setzten: die Infektionslehre durch Robert Koch, die Entwicklung wirksamer Wund- und Verbanddesinfektion durch den Engländer Sir Robert Lister sowie in deren Folge die erfolgreiche Chirurgie auch in tieferen Regionen des Körpers.

Medizinischer Fortschritt

Für das 20. Jahrhundert lassen sich ebenfalls drei solcher Faktoren nennen: Die bildgebenden Verfahren von der Entdeckung der Röntgenstrahlen bis zum Ultraschall und Kernspintomograf, die Anästhesie und Intensivmedizin einerseits und die minimalinvasiven Verfahren andererseits. Damit wurde vieles möglich: Dass die Ärzte heute in nahezu jedes Organ des Menschen hineinsehen und dort intervenieren können. Dass Patienten auch nach schweren Operationen schon am nächsten Tag wieder aufstehen. Und dass extreme Frühgeborene überleben, so wie auch Höchstbetagte noch eine neue Herzklappe bekommen.
Vor 30 Jahren war ein Krankenhaus höchst übersichtlich organisiert: Es gab die Innere Medizin und die Chirurgie, meistens auch eine Frauenklinik und Geburtshilfe. Heute kennen wir unter dem Dach des Krankenhauses hoch spezialisierte Kliniken für Kardiologie, Onkologie, Gastroenterologie; neben der Allgemein-und Viszeral- (Weichteil) Chirurgie operieren die Orthopäden, Unfall-, Gefäß-oder Neurochirurgen. Neben der Frauenheilkunde entstanden Fachdisziplinen wie die Neonatologie oder Kinder- und Jugendmedizin.Auch Geriatrie und Palliativmedizin, Neurologie oder Radiologie sind weitere Beispiele.
Vorbei also die Zeiten, als ein Halbgott in Weiß alles konnte oder auch nur glaubte zu können. Der Zwang zur Spezialisierung führte aber ganz zwangsläufig nicht nur zur Differenzierung innerhalb eines Krankenhauses, sondern auch zur Arbeitsteilung zwischen den Häusern einer Region. Es kann nicht sinnvoll sein, dass jedes Krankenhaus jedes denkbare Verfahren anbieten will und dabei unter einer kritischen Mindestgrenze bleibt einerseits, weil sich die Betriebsabläufe nicht wirtschaftlich organisieren lassen und andererseits, weil Routine und Erfahrung fehlen.
Als kritische Grenze geltenetwa 200 vergleichbare Eingriffe pro Jahr. Bei sehr komplexen Anforderungen können es natürlich auch weniger sein. So wird die Zahl von 30 Frühgeburten pro Jahr als Kriterium für die Anerkennung einer Geburtsklinik als Perinatalzentrum Level 1″ genannt. Denn Vergleichsstudien beweisen, dass meh rdieser Frühchen″ in solchen Kliniken überleben, die mehrals 30 dieser Fälle im Jahr behandeln.
Ein anderes Beispiel ist das trotz bester Hygiene nicht vollkommen vermeidbare Risiko von sekundären Knocheninfekten bei Gelenkprothesen. Statistiken haben gezeigt, dass solche Infektionen mit der reinen Zeitdauer des Eingriffs zusammenhängen. Ein erfahrenes OP-Team mit großer Routine kann die Operationszeiten wesentlich verkürzen. Je größer die Fallzahlen einer orthopädischen Klinik sind, umso besser wird im Zweifelsfall der Verlauf für den einzelnen Patienten sein. Die entsprechenden Zahlen sind im Internet für jedermann greifbar. Auch das beeinflusst Patientenentscheidungen und verstärkt damit den Trend zu größeren Einheiten.

116 Millionen vom Land

Schließlich gibt es noch einen dritten Faktor, der die Krankenhausstruktur ganz wesentlich beeinflusst: Nachdem Krankenhausfinanzierungsgesetz ist der Neubau von Kliniken Aufgabe des Landes. Das Sozialministerium hat deshalb allein von 2004 bis 2012 über 116 Millionen Euro für die Akut-Krankenhäuser der Region bewilligt. Im Gegenzug mussten die Krankenhausträger allerdings Kompromisse machen, immer mal wieder Planbetten aufgeben und umstrukturieren. Für ganz Niedersachsen betrachtet, sind es einschneidende Zahlen: Ebenfalls von 2004 bis 2012 ist die Zahl der Krankenhaus-Planbetten von 39 761 auf 34 795 und damit um mehr als zehn Prozent zurückgegangen, während die Fallzahlen grob gerechnet ebenfalls um zehn Prozent gestiegen sind.
Aufgefangen werden konnte diese Entwicklung nur durch die Senkung der Liegezeiten. Kritiker sehen darin keineswegs einen reinen gesundheitspolitischen Erfolgsindikator. Zu groß ist für die Krankenhäuser die Versuchung, mit einer verfrühten blutigen Entlassung″ das gesundheitliche Risiko den niedergelassenen Ärzten an zudienen. Das Krankenhaus der Zukunft wird deshalb die starre Arbeitsteilung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung noch weiter aufheben müssen. Medizinische Versorgungszentren, in denen angestellte Kassen-Ärzte vorstationäre Diagnostik und nach stationäre Therapie übernehmen, sind ein Schritt auf diesem Weg.

Bildtext:
Das Marienhospital in der Osnabrücker Innenstadt ist ein gutes Beispiel für den Wandel: Die Bebauung aus der Nachkriegszeit entlang der Bischofstraße und der Johannisfreiheit ist um einige Neubauten erweitert worden (Parkhaus 1989, Operationssäle 1990, Funktionstrakt 2006, Kinderhospital 2011, Bettenhaus 2012).
Luftbild:
Gert Westdörp
Grafik:
Stefan Langer

KRANKENHÄUSER IN DER REGION OSNABRÜCK IM KURZPORTRÄT

Marienhospital Osnabrück

Seit 150 Jahren gibt es das Marienhospital Osnabrück: Durch zahlreiche Erweiterungen in den letzten Jahren ist neben der Johanniskirche fast ein eigener Krankenhaus-Stadtteil entstanden, zuletzt mit dem Christlichen Kinderhospital (141 Betten) und dem gerade eingeweihten Bettenhaus mit Hotelstandard″. Das Sozialministerium förderte dieses Projekt angesichts der Belastungen durch die historische Bausubstanz mit fünf Millionen Euro. Das Marienhospital (483 Betten) verfügt übernahezu alle medizinischen Disziplinen einschließlich der Kardiologie und kooperiert als Schwerpunktversorger mit den anderen Krankenhäusern des katholischen Niels-Stensen-Verbundes.

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Der neue Haupteingang des Marienhospitals Osnabrück.

Klinikum Osnabrück/ Dissen/ GMHütte

Mit insgesamt über 800 Betten an mehreren Standorten, am Finkenhügel, am Natruper Holz und in Dissen/ Georgsmarienhütte, bildet das Klinikum der Stadt Osnabrück das größte Krankenhaus in der Region. Vor 20 Jahren wurde der Neubau auf dem Finkenhügel bezogen, er kostete damals 260 Millionen Mark, von denen das Land 185 Millionen beisteuerte. Aktuell wird wieder gebaut: Für etwa 30 Millionen Euro entsteht ein neurologisch-geriatrisches Zentrum zur Frührehabilitation, dafür wird ab 2014 das frühere Bundeswehrkrankenhaus am Natruper Holz aufgegeben. Das medizinische Spektrum ist breit gefächert und reicht teilweise an das Niveau einer Uniklinik heran.

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In der Region das größte Krankenhaus.

Paracelsus-Klinik Osnabrück

1970 ging die Paracelsus-Klinik in Osnabrück als Praxisklinik″ an den Start mit zahlreichen Beleg ärzten, denen das Haus Belegbetten zur Verfügung stellte. 1980 kam die Strahlenklinik an der Lürmannstraße hinzu. Heute hat das Haus 217 Betten, wobei diese Zahl in den letzten Jahren um über 60 Betten reduziert wurde im Gegenzug förderte das Land Niedersachsen den Neubau der Strahlenklinik mit 27 Millionen Euro. Schwerpunkte sind neben der Strahlentherapie die Neurochirurgie und die Innere Medizin, HNO und Urologie. Die Gründung von zwei medizinischen Versorgungszentren ermöglicht auch weiterhin den Übergang vom stationären zum ambulanten Bereich.

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Stationär und ambulant in der Paracelsus-Klinik.

Franziskus-HospitalHarderberg

1966 wurde das Franziskus-Hospital eröffnet, nach mehrals 40 Jahren steht nun eine Anpassung an gestiegene Erwartungen an: Für rund 35 Millionen Euro wird an- und umgebaut, auch die Patienten bekommen größere Zimmer mit mehr Komfort. Aktuell hat das Krankenhaus 287 Betten und versorgt im Jahr 13 000 stationäre und 30 000 ambulante Patienten. Schwerpunkte sind die Onkologie (Brustzentrum, Darmzentrum), Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Geburtshilfe und Gynäkologie. Auch das von den Thuiner Schwestern gegründete Franziskus-Hospital (und die ebenfalls dort entstandene private Magdalenen-Klinik) sind im Niels-Stensen-Verbund integriert.

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Das Krankenhaus am Rande der Stadt.

St. Raphael Ostercappeln

In Ostercappeln haben 1898 die Thuiner Franziskanerinnen zunächst mit ambulanter Krankenpflege begonnen. Mehr als 100 Jahre später ist daraus ein spezialisiertes Krankenhaus innerhalb des Niels-Stensen-Verbundes geworden: 174 Betten verteilen sich vornehmlich auf die Chirurgie und Innere Medizin, wobei das Schwergewicht wiederum auf der Thoraxchirurgie (Lungenzentrum) sowie einer Palliativstation (Spes-Viva-Initiative) liegt. Im Gegenzug wurde die Frauenheilkunde und Geburtshilfe weitgehend reduziert. Das Land Niedersachsen förderte diese Umstrukturierung in den letzten Jahren mit fast 12 Millionen Euro für einen neuen OP und die Pflegeerweiterung.

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Das Krankenhaus Ostercappeln hat sich spezialisiert.

Christliches Klinikum Melle

Besser gemeinsam stark sein dieser Gedanke führte 1999 zur Fusion zweier traditionsreicher Krankenhäuser und Gründung eines ökumenischen Christlichen Klinikums in Melle. Rechtsträger sind eine evangelische und eine katholische Kirchengemeinde, das Haus ist mittlerweile dem katholischen Niels-Stensen-Verbund angeschlossen. 2008 wurde der Neubau am Engelgarten mit 182 Planbetten bezogen, heute versorgen dort 460 Mitarbeiter an die 8000 Patienten( plus 14 000 in der Ambulanz). Neben der Grund- und Regelversorgung (Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie) gibt es im Klinikum in Melle einen ausgewiesenen orthopädischen Schwerpunkt.

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In Melle entstand 2008 ein Neubau.

Krankenhäuser Ankum/ Bramsche

Es muss nicht jeder alles machen: Nach diesem Grundsatz haben die beiden Krankenhäuser im Nordkreis schon vor Jahren kooperiert, auch wenn es damals zwei unterschiedliche kirchliche Träger gab. Die Geburtshilfe ging nach Ankum, die Orthopädie nach Bramsche. Heute gehören beide Häuser zum Niels-Stensen-Verbund. Das Marienhospital hat 115 Betten (Chirurgie und Innere, Geburtshilfe als Belegabteilung) und das Niels-Stensen-Klinikum Bramsche 100 Betten. Neben der medizinischen Grundversorgung für die Region sind in Bramsche aktuell Schwerpunkte mit der Altersmedizin, Unfallchirurgie und dem qualifizierten Entzug bei Suchtkrankheiten entstanden.

Bildtext:
Das Krankenhaus Bramsche im Niels-Stensen-Verbund.
Autor:
Frank Henrichvark


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