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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Tausenden Windrädern droht das Aus
Zwischenüberschrift:
Lies: Viele Anlagen verlieren Förderanspruch / Neue Auflagen erschweren Ersatz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) warnt davor, dass bundesweit Tausenden Windrädern der ersatzlose Rückbau droht und Deutschland dadurch seine Klimaziele verfehlen könnte. Der SPD-Politiker verwies auf Anfrage unserer Redaktion darauf, dass in den kommenden Jahren ein großer Teil der Windkraftanlagen den Förderanspruch nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz″ (EEG) verliert. Der wirtschaftliche Weiterbetreib sei damit fraglich, so Lies. Er sagte: Allein in Niedersachsen erreichen bis Ende 2025 etwa 3500 Windenergieanlagen mit 4, 3 Gigawatt Leistung ihr Förderende.″ Das entspreche etwa fünf Kohlekraftwerken, so der Minister.

Für Schleswig-Holstein nennt eine Auswertung der Fachagentur Wind an Land eine Leistung von 408 Megawatt, für die bis Ende 2020 die Förderung ausläuft, bis Ende 2025 sind es sogar gut 1, 2 Gigawatt. In Mecklenburg Vorpommern beläuft sich die Leistung auf 340 Megawatt in diesem Jahr und insgesamt 953 bis Ende 2025.

Lies geht davon aus, dass ein großer Teil der Anlagen ersatzlos zurückgebaut wird. Er verweist auf ein Gutachten, das sein Ministerium in Kürze veröffentlichen will. Unserer Redaktion liegt der vorläufige Endbericht vor. Die Gutachter haben untersucht, welches Potenzial die Windrad-Standorte für ein sogenanntes Repowering haben also ein Ersatz der Windräder durch neue und leistungsstärkere Anlagen. Bei etwa der Hälfte der Standorte lohne sich das Repowering grundsätzlich nicht. Diesen Anlagen drohe der Rückbau, würden sie nicht weiter gefördert.

Etwa 1700 Standorte in Niedersachsen wiesen zwar grundsätzlich Repowering-Potenzial auf. Allerdings könnten Auflagen den Neubau hier in zahlreichen Fällen verhindern. So gebe es an 600 Standorten eine Höhenbegrenzung für Neubauten, die einen wirtschaftlichen Betrieb neuer Anlagen zweifelhaft erscheinen lasse. An 20 Prozent der Standorte könnten Belange der Flugsicherung einem Neubau im Wege stehen. Hinzu kämen Arten- und Lärmschutz. Als weiteren Unsicherheitsfaktor bezeichnet das Gutachten die Tatsache, dass derzeit die Mehrheit der Raumordnungsprogramme in Niedersachsen neu aufgestellt werde. Darin werden noch einmal regionale Vorgaben für den Betrieb von Windparks gemacht etwa ein größerer Abstand zu Wohnhäusern.

Lies spricht von einer Katastrophe″, die sich im Windkraftsektor anbahne. In nächster Zukunft werden absehbar mehr ältere Windanlagen und mehr Leistung aus der Förderung herausfallen, als neue Windanlagen gebaut werden″, sagte der Umweltpolitiker. Damit gerieten die Klimaziele der Bundesregierung zur Utopie. Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) endlich einen klaren Auftrag geben, sich intensiver um die erneuerbaren Energien zu kümmern und den drohenden Einbruch bei der Windenergie zu verhindern″, forderte der SPD-Politiker. Deutschland brauche einen Beauftragten für die Energiewende, der seine Aufgabe ernst nehmme.

Bildtext:
Allein in Niedersachsen läuft laut Umweltminister Olaf Lies bei 3500 Anlagen die Förderung aus.
Foto:
dpa/ Patrick Pleul

Kommentar
Energiewende beginnt vor der Haustür

Wenn es darum geht, die Windkraft in Deutschland auszubauen oder zumindest die aktuelle Leistung zu erhalten, kommt vielerorts eine etwas schizophrene Herangehensweise durch: Energiewende ja bitte, aber nicht vor meiner Haustür. Ein Zielkonflikt, in dem ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Bürgern und Windparkbetreibern längst überfällig ist.

Natürlich stimmt die Kritik der Windkraftgegner, dass der Strombedarf in Deutschland allein von Erneuerbaren nicht gedeckt werden kann. Aber sehenden Auges bestehende Potenziale ungenutzt zu lassen ist fahrlässig. Doch genau das wird passieren, wenn für den wirtschaftlichen Weiterbetrieb älterer Anlagen kein Kompromiss gefunden wird beziehungsweise wenn dem Repowering also dem Ersatzbau für alte Anlagen Felsbrocken in den Weg gelegt werden. Ein Beispiel sind die Umweltauflagen: Hat sich in der Zeit, in der das Windrad munter Strom lieferte, ein Rotmilan angesiedelt, ist ein Repowering fast unmöglich. Doch zeigt das nicht, dass es die Tiere trotz Windparks an den Standort gezogen hat? Damit der Schulterschluss zwischen Bürgern, Politik und Windparkbetreibern gelingt, ist der Vorschlag sinnvoll, Gemeinde und betroffene Anwohner am Ertrag der Windräder vor ihrer Haustür zu beteiligen. So hat jeder auch finanziell etwas davon, die Windenergie auszubauen und die Klimaziele voranzutreiben.

n.kallmeier@ noz.de
Autor:
Dirk Fisser, Nina Kallmeier


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