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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rathaus demonstriert Selbstbewusstsein
Zwischenüberschrift:
Kolloquium des Arbeitskreises Stadtgeschichte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Im Jahr 1505 ist der mühselige Bau dieses neuen Rathauses endlich abgeschlossen″, so heißt es auf einer Tafel über dem Eingang zum Friedenssaal. Es war aber nur das Richtfest. Vollendet war das neue Rathaus in der Altstadt von Osnabrück erst 1512, weshalb die Stadt auch in diesem Sommer das Jubiläum feiern will.

Volle 25 Jahre hatte der mühselige Bau″ gedauert. Allein das Dach zu richten und mit Schiefer einzudecken, hatte 1445 Mark oder mehr als ein Drittel des damaligen Jahreshaushalts dieser Stadt mit vielleicht 10 000 Einwohnern gekostet. Und dennoch war das Geld gut angelegt. Denn das Rathaus und der darin regierende Rat hatten eine zentrale Funktion für das Selbstverständnis einer spätmittelalterlichen Kommune und haben sie selbstverständlich bis heute bewahrt.
Um städtisches Selbstbewusstsein und seine Repräsentation in Bauten und Ausstattung, um das Selbstverständnis der regierenden Bürgermeister und um den wechselvollen Umgang mit dem Baudenkmal″ Rathaus kreisten die verschiedenen Vorträge, die gestern beim Kolloquium des Arbeitskreises Stadtgeschichte gehalten wurden. Es war die siebte Veranstaltung dieses Arbeitskreises und das breit gefächerte und von Mal zu Malzahlreicher teilnehmende Publikum lässt darauf schließen, dass auch mittelalterliche Geschichte so fern nicht liegt, wenn sie nur einen Anknüpfungspunkt in der Gegenwart hat.
Welches Selbstverständnis eine spätmittelalterliche Stadt zusammengehalten hat, machte etwa die Referentin Sabine Reichert deutlich: Nach Brandkatastrophen oder Kriegszügen wurden Dank- und Bittprozessionen abgehalten. Die Menschen erflehten dabei den Schutz der Heiligen, indem sie deren Reliquien in ihrer Stadt herumtrugen und so eine zweite, eine geistliche Stadtmauer″ errichten.

Städtebauliches Konzept

Bemerkenswert dabei für die sakrale Dimension der Stadtgemeinde, dass die Ratsherren in diese Sakralgemeinschaft″ einbezogen wurden und es auch trotz der heraufziehenden Reformation blieben. Eine weltliche Parallele zog Prof. Dietrich W. Poeck (Münster) bei der Schilderung der Ratswahl nach der Sate, der Verfassung der Stadt Osnabrück, von 1348. Jedes Jahr am 2. Januar versammelte sich zum Auftakt der Wahl der alte Rat im Rathaus und ging von dort über den Markt in die Marienkirche zum Gottesdienst. Hier wurde der Ratskörper, die äußere Gestalt der Verfassung″ (Heinrich David Stüve), den Bürgern sichtbar vor Augen geführt, bevor sichin der Handgiften-Zeremonie die Schwurgemeinschaft der Stadtregierung für einweiteres Jahr erneuerte.
Vielleicht einzigartig in Deutschland″, so Karsten Igel in seinem Vortrag zum Rathausbau und der zeitgleichen Platzgestaltung auf dem Marktplatz, war mit dem Bau des neuen Rathauses zugleich ein groß angelegtes städtebauliches Konzept verknüpft. Zwischen 1487 und 1512 wurde ja nicht nur das Rathaus errichtet.
Um seine Schauseite überhaupt wirken lassen zu können, musste der Marien-Kirchhof auf die Nordseite verlegt und eine komplette Häuserzeile abgerissen werden. Erst der Platz ermöglichte die Fernsicht″, so betonte Igel. Und erst diese Fernsicht ließ auch den Ostchor von St. Marien so klar hervortreten, wie sie auch die Raumbeziehung von Domimmunität und städtischer Machtzentrale verdeutlicht. So wurde der Markt zum Repräsentationsraum″ der städtischen Selbstverwaltung und des städtischen Herrschaftsanspruchs gleichermaßen.
Autor:
Frank Henrichvark


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