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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker Stiftung erhöht Vermögen
Zwischenüberschrift:
Wie Stiftungen Geld trotz Niedrigzinsen und Krise sinnvoll managen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt schüttet pro Jahr zwischen 55 und 60 Millionen Euro aus. Damit das Stiftungskapital trotz Niedrigzinsen wächst, hat der Finanzchef die Anlagestrategie in den vergangenen Jahren verändert. Von den Ansätzen der Stiftungen können auch Privatanleger lernen.

Kindern eine gute Bildung ermöglichen, Kunst, Kultur oder Sport fördern in fast allen Bereichen geben Stiftungen Zuschüsse für Bewährtes oder schieben neue Ideen an. Rein gemeinnützige Zwecke unterstützen rund 93 Prozent der 23 000 Stiftungen bundesweit, so die Zahlen des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Während der Zweck von Stiftungen sehr unterschiedlich ist, haben sie eines gemeinsam: Das gestiftete Vermögen soll als Grundkapital erhalten bleiben und gewinnbringend angelegt werden am besten auch in Krisenzeiten. Denn: Die so erwirtschafteten Überschüsse werden für den gemeinnützigen Zweck ausgegeben″, sagt Katrin Kowark, Sprecherin des Bundesverbands.

Projekte im Bereich erneuerbare Energie, Artenvielfalt oder Klimaschutz fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), nach eigenen Angaben die größte Umweltstiftung Europas, mit Sitz in Osnabrück. Rund 55 bis 60 Millionen Euro schüttet die DBU pro Jahr aus. Und diese Fördersumme bleibt auch das erklärte Ziel für die nächsten drei Jahre trotz Corona-Krise und trotz Niedrigzinsen. Schließlich brauchten die Projektpartner weiter Geld, um Ideen umsetzen zu können, heißt es seitens der DBU.

Das gilt nicht nur für die Partner der DBU. Bei der Verwaltung von Stiftungsvermögen muss man sich bewusst sein, mit welch großer Verantwortung man unterwegs ist″, sagt Jörg Schuhmann, der als Vorstandsmitglied bei der Osnabrücker Attentium AG Stiftungen bei der Anlagestrategie berät und auch privat ehrenamtlich als Stiftungsvorstand tätig ist.

In der Zwickmühle

Manch eine Stiftung ist in Sachen Finanzen jedoch in einer Zwickmühle: Einerseits soll Geld für einen gemeinnützigen Zweck ausgegeben werden, aber andererseits die Höhe des Kapitals mindestens erhalten bleiben. Laut Zahlen des Bundesverbands deutscher Stiftungen haben es im vergangenen Jahr jedoch fast 30 Prozent der Stiftungen, die weniger als eine Million Euro Kapital haben, nicht geschafft, mit ihren Erträgen allein die Inflationsrate von 1, 4 Prozent auszugleichen. Das Geld wird also weniger. Wie schaffen es Stiftungen, ihr Kapital nicht zu verlieren oder sogar so zu vermehren, dass langfristig gefördert werden kann? Schuhmann sagt: Viele Stiftungen haben ihre Anlagestrategie noch nicht an das Umfeld der Niedrigzinsen angepasst.″ Die eigenen Anlagerichtlinien seien oft zu stark auf festverzinsliche Papiere wie zum Beispiel Staatsanleihen ausgerichtet. Mit Bedacht könne eine Stiftung aber auch einen Teil des Kapitals in Aktien investieren, da Stiftungsvermögen langfristig angelegt werde.

Einer, der offensichtlich erfolgreich Kapital verwalten kann, ist der Finanzchef der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Michael Dittrich managt mit einem neunköpfigen Team seit 2001 das Stiftungsvermögen und hat dieses schon um eine Milliarde Euro (als Zahl 1 000 000 000) erhöht. Das Startkapital von 1, 288 Milliarden Euro (damals: 2 519 123 500 DM), die 1989 aus dem Verkauf der bundeseigenen Salzgitter AG für die Umweltstiftung verwendet wurden, ist heute auf rund 2, 3 Milliarden Euro angewachsen.

Neue Strategie

Dabei steht die DBU, genau wie Privatanleger und andere Stiftungen, wegen des anhaltenden Niedrigzinsumfelds vor großen Herausforderungen. Die Stiftung hat deshalb mit den Jahren die Anlagestrategie verändert. Früher habe die DBU fast ausschließlich Anleihen wie Staatsanleihen gekauft, da es hier bis zu 10 Prozent Zinsen gegeben habe, sagt Dittrich. Doch die Zinsen sinken seit Jahren, und so lohnte sich dieses Konzept nicht mehr.

Der Finanzchef legt das Stiftungsvermögen heute anders an. Dittrich erklärt: Wo wir Risiken eingehen, da bekommen wir mehr Zinsen.″

Rund 28 Prozent des Stiftungskapitals investiert er in Aktien, sieben Prozent in Immobilien oder Sachanlagen. Und: Wir haben derzeit circa 80 Millionen Euro in Green Bonds, sogenannte grüne Anleihen, investiert und etwa 60 Millionen Euro in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Beide Segmente wachsen aktuell deutlich″, sagt Dittrich. Neben dem reinen Sachwert von Solar- und Windparks erwirtschaftet die Stiftung Einnahmen, indem der erzeugte Strom verkauft wird.

Auch Jörg Schuhmann, der bei Attentium das Stiftungsmanagement ausbaut, empfiehlt, das Kapital nach Möglichkeit breit zu streuen. Attentium bietet das sogenannte Pooling an, bei dem mehrere Stiftungen sich zusammentun, um gemeinsam in größere Projekte zu investieren. Neben Investments in Fonds oder Aktien könnten Stiftungen in Immobilienanlagen investieren und so regelmäßige Mieteinnahmen erzielen. Mit Fotovoltaikanlagen oder Kitas könnten zudem gleichzeitig ökologische und soziale Ziele verfolgt werden.

Doch wie gehen Stiftungen mit der Gefahr um, sich zu verspekulieren und viel Geld zu verlieren, das eigentlich einem guten Zweck zugutekommen soll? Gerade mit Aktienkäufen wird das Risiko schließlich erhöht, wie die durch die Corona-Krise ausgelösten Turbulenzen an den Börsen noch einmal gezeigt haben. Wir können die Gefahr nicht ausschließen. Bei einzelnen Anlagen passiert es auch, dass wir Verluste machen″, sagt Dittrich von der DBU, aber: Die Verluste können über Diversifikation ausgeglichen werden.″ Das Stiftungsvermögen sei in einer Vielzahl von Aktien, Anleihen oder Fondsanteile und mit verschiedenen Laufzeiten angelegt. Dass alle Firmen insolvent gehen oder alle Werte stark einstürzen, ist ziemlich unwahrscheinlich.″ Wenn in zehn Firmen investiert werde, eine pleitegehe, aber die anderen neun im Kurs stiegen, dann bekomme man mehr, als das Risiko wert sei.

Auch deshalb habe die Stiftung trotz der Corona-Krise und des Einbruchs des Dax und anderer Aktienindizes an der Anlagestrategie derzeit nichts verändert. Die Krise sei eine temporäre Veränderung. Dittrich meint: Wir würden an der Anlagestrategie etwas ändern, wenn die Krise langfristig etwas verändert, aber davon gehen wir Stand heute nicht aus.″

Sowohl Dittrich als auch Schuhmann von Attentium raten zu einer ruhigen Hand″, wenn Stiftungsvermögen gesteuert wird. Dies gelte insbesondere bei Vermögensanlagen in Wertpapieren. Schuhmann sagt: Wenn Kurse wie in der Corona-Krise stark fallen, sollte man nicht in Panik verkaufen, sondern ruhig bleiben und besonnen reagieren.″ Dabei helfe Attentium den Stiftungen.

Eine Stiftung sei ein langfristiger Investor, weil diese für die Ewigkeit gegründet sei, ergänzt auch Dittrich. Für uns wäre es okay, wenn die Kurse in fünf Jahren wieder da sind, wo sie vor der Corona-Krise waren″, so der DBU-Finanzchef weiter. Die Stiftung hat bereits vor mehr als 20 Jahren die ersten Aktien gekauft. Deren Wert sei zwischenzeitlich zwar gesunken, aber insgesamt sei er heute viel höher als damals. Dies sei ein Grund, warum die DBU mit Kursschwankungen recht gut zurechtkomme. Einzelne Aktien kauft die Stiftung dabei nicht nur von den großen Unternehmen im Dax oder Stoxx Europe 600, sondern auch von mittleren und kleineren Unternehmen aus dem M-Dax oder S-Dax. Aber sie investiere nicht in hochspekulative Werte wie Bitcoins, betont Dittrich.

Stabilität als Ziel

Auch Schuhmann bevorzugt ein konservatives Aktienportfolio. Statt spekulativer Werte setze er eher auf die Investition in Global Player, die überdurchschnittliche Dividendenrenditen abwerfen und sich seit vielen Jahren durch stetig steigendes Ertragswachstum auszeichnen würden. Eine konservative Strategie sei auf einen längeren Zeithorizont ausgerichtet und passe deshalb zu einer Stiftung, die langfristig anlege.

Dittrich, der schon die Finanzkrisen 2001/ 02 und 2008/ 09 mitgemacht hat, ist überzeugt, dass die Stiftung gut durch die Krise kommt. Nach vielen guten Jahren komme auch mal ein schlechtes. Es seien genügend Rücklagen gebildet worden, sodass auch weiterhin die Projekte finanziert werden könnten. Der Finanzchef der DBU sagt: Wir wollen die Fördersumme möglichst stabil halten, um in guten wie in Krisenjahren eine konstante Ausschüttung zu erreichen.″

Bildtexte:
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück schüttet pro Jahr zwischen 55 und 60 Millionen Euro aus.
Finazchef Michael Dittrich legt Milliarden an.
Fotos:
David Ebener, Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Autor:
Jana Derksen


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