User Online: 3 | Timeout: 00:18Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bund muss Gertrudenberger Höhlen nicht sichern
Zwischenüberschrift:
Landgericht weist Klage eines Osnabrücker Eigentümers von Luxusimmobilie ab
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht verpflichtet, die Gertrudenberger Höhlen von Einbauten aus dem Zweiten Weltkrieg zu befreien oder sie mit Beton zu sichern. Ein Osnabrücker Zahnarzt, der dies mit einer Klage durchsetzen wollte, ist vor dem Landgericht gescheitert. Auf einem Grundstück am Rande des Bürgerparks hat sich der Kläger vor sieben Jahren ein exklusives Wohnhaus mit Swimmingpool errichten lassen. Ihm war bekannt, dass der Baugrund unterhöhlt war. Als die Fundamente gelegt wurden, musste sogar auf ein Entlüftungsrohr aus dem darunter liegenden Gangsystem Rücksicht genommen werden. Die Stadt Osnabrück, die die Baugenehmigung erteilte, wusste von der Höhle im Untergrund. Zweifel an der Tragfähigkeit des Gesteins gebe es jedoch nicht, lautete damals die Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion.

Seit Jahren ist das Anwesen nun schon bewohnt, aber den Zahnarzt quält offenbar die Vorstellung, dass seine Immobilie Schaden nehmen könnte, falls es in der Tiefe zu Deckenabbrüchen kommt. Das Höhlensystem hat zwar schon weit mehr als 700 Jahre überdauert, nachdem es als unterirdischer Kalksteinbruch entstanden war. So erwies es sich im Zweiten Weltkrieg als sicherer Schutzraum für 4000 Menschen, während oben die Fliegerbomben explodierten.

Wegen dieser damaligen Bunkernutzung hat sich die Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reichs noch jahrzehntelang für die Sicherheit des Gangsystems verantwortlich gefühlt und zeitweise sogar eine Verfüllung sämtlicher Hohlräume geplant. Dieses Vorhaben stieß in Osnabrück allerdings auf allgemeine Ablehnung, weil damit ein bedeutendes Kulturdenkmal unwiederbringlich zerstört worden wäre.

Die Zweifel an der Standfestigkeit der Höhlen sind aber verflogen, seit das renommierte Gutachterbüro Taberg im Auftrag der Stadt die Statik untersucht hat. Fazit: Es lasse sich nicht ausschließen, dass sich an manchen Stellen Material von der Decke löse, aber die Gefahr eines Durchbruchs bestehe nicht. Daraufhin hat die zuständige Bundesanstalt für Immobilien (Bima) ihre kostspieligen Pläne aufgegeben, die Hohlräume mit einer Betonschlämme zu verfüllen.

Der Zahnarzt, der jetzt über dem Höhlensystem wohnt, will den Bund zu einer weitergehenden Sicherung verpflichten. Mit dem Hinweis auf das Allgemeine Kriegsfolgengesetz fordert er den Rückbau von Mauern, die 1943 eingezogen wurden, um das Höhlensystem als Schutzraum zu nutzen. Mit den Wänden aus Ziegelstein wurden Räume im Gangsystem aufgeteilt, außerdem entstanden abgemauerte Toiletten.

Die Bima vertritt den Standpunkt, dass die Standfestigkeit des Höhlensystems durch die Kriegseinbauten nicht beeinträchtigt worden ist. Außerdem macht sie geltend, dass die Ausschlussfristen nach dem Kriegsfolgengesetz längst abgelaufen seien. Somit sei der Bund nicht mehr für die Sicherheit des Gangsystems verantwortlich.

Der Einzelrichter, der die 4. Zivilkammer des Landgerichts vertritt, hat sich dieser Rechtsauffassung angeschlossen und die Klage abgewiesen. In der Entscheidung, die er am Montag verkündete, ist festgelegt, dass der Kläger die Kosten des Verfahrens tragen muss. Es gilt jedoch als sicher, dass der Zahnarzt das Urteil des Landgerichts nicht akzeptieren wird. Am ersten Verhandlungstag hatte sein Anwalt schon darauf hingewiesen, dass er das Verfahren in die nächsten Instanzen bringen werde mit ausdrücklicher Rückendeckung der Rechtsschutzversicherung.

Bildtexte:
Diese unterirdischen Mauern stammen aus dem Zweiten Weltkrieg. Damals diente das unterirdische Gangsystem als Schutzraum bei Bombenangriffen.
Unter dem Gertrudenberg befindet sich ein weit verzweigtes Höhlensystem. Das wusste der Zahnarzt, als er vor sieben Jahren sein Wohnhaus am Rande des Bürgerparks errichtete.
Eine Toilette aus der Zeit, als die Gertrudenberger Höhlen als Bunker genutzt wurden.
Fotos:
Andreas Stoltenberg, Geodaten Osnabrück
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste