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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück will die B 68 nicht mehr
 
B 68 soll nicht mehr durch die Stadt führen
Zwischenüberschrift:
Nach tödlichem Fahrradunfall wagt Osnabrück einen neuen Anlauf
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Mit makaberer Regelmäßigkeit kommt es in Osnabrück zu tödlichen Unfällen mit schweren Lastzügen, die auf der Bundesstraße 68 unterwegs sind, aber ein ganz anderes Ziel haben.

Zuletzt geriet eine 49-jährige Lehrerin am Schlosswall unter die Räder einer schweren Zugmaschine. Die Stadt Osnabrück setzt sich dafür ein, dass die Bundesstraße einen anderen Verlauf bekommt.

Es ist nicht der erste Versuch, die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Bisher fand der Osnabrücker Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bei der niedersächsischen Landesstraßenbehörde allerdings kein Gehör für das Anliegen. Jetzt aber hat er neue Argumente für den Vorstoß. Ob sie helfen, das Radfahren in der Stadt Osnabrück sicherer zu machen?

Osnabrück Nach dem tödlichen Fahrradunfall auf dem Schlosswall setzt sich die Stadt Osnabrück ein weiteres Mal dafür ein, den Durchgangsverkehr der Bundesstraße 68 aus der Innenstadt herauszunehmen. Bislang sind alle diese Vorstöße gescheitert. Aber es gibt neue Argumente.

Der 29-jährige Lkw-Fahrer wollte gar nicht nach Osnabrück, er war ortsfremd, hatte sich auf die Linksabbiegespur verirrt und bei Rot″ versucht, in den Geradeausverkehr zu wechseln. Die Radlerin, die er dabei übersah, hatte keine Chance. Sie geriet unter die Zugmaschine und starb an ihren schweren Verletzungen. Mit einer makaberen Regelmäßigkeit kommt es in Osnabrück zu tödlichen Unfällen mit schweren Lastzügen, die innerorts auf der Bundesstraße 68 unterwegs sind, aber ein ganz anderes Ziel haben als die Hasestadt.

Die überregionale Verbindung führt von Cloppenburg über Osnabrück nach Bielefeld, Paderborn und Warburg, im Stadtgebiet von Osnabrück über Bramscher Straße, Hasetorwall, Schlosswall, Johannistorwall und Iburger Straße. Auf den zentrumsnahen Abschnitten wurden in den vergangenen Jahren bis zu 40 000 Kraftfahrzeuge pro Tag gezählt, mit einem hohen Schwerlastanteil, der Lärm und Schadstoffe mit sich bringt. Vor allem aber auch ein höheres Unfallrisiko für Radfahrer und Fußgänger.

Umleitung über Autobahn

Nach Ansicht der Stadt Osnabrück sollte deshalb die B 68 zwischen Wallenhorst und Nahne auf die Autobahn umgeleitet werden. Seit 2014 hat sie sich deshalb in mehreren Anläufen an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr gewandt. Obwohl es jedes Mal Absagen gab, hat Stadtbaurat Frank Otte die Behörde jetzt erneut gebeten, die Bundesstraße in Osnabrück herabzustufen und den Verkehr über die Autobahnen A 1 und A 30 zu führen. Der Schwerverkehr mit dem Ziel Osnabrück könnte die bisherige Route trotzdem nutzen.

Warum ist die Stadt mit ihren Initiativen in Hannover immer wieder abgeblitzt? Die Bundesstraße habe eine herausragende Bedeutung innerhalb des Verkehrsnetzes″, und die Autobahn A 1 sei schon überlastet, lautete die Begründung. Dadurch komme es auch zu Unfällen. Im Fall einer Herabstufung der B 68 würde sich diese Situation noch verschärfen. Deshalb werde an der Linienführung der Bundesstraße festgehalten. Erst wenn die A 33-Nord realisiert sei, könne die Angelegenheit noch einmal geprüft werden. Denn damit werde die Nord-Süd-Achse deutlich entlastet.

Neue Route für Navis

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert sieht allerdings gute Gründe, nicht so lange zu warten. Die tragischen Ereignisse seien Anlass genug für eine Neubewertung. Außerdem ergebe sich mit der Anbindung der neuen Bundesstraße 51 in Belm eine andere Situation als noch vor wenigen Jahren, erklärte er gegenüber unserer Redaktion.

Eine Antwort der Landesverkehrsbehörde in Hannover liegt noch nicht vor. Frank Engelmann, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Osnabrück, sieht allerdings keinen Anlass für eine Neubewertung der Lage.

Wer den Verlauf einer so wichtigen Straße verändern wolle, müsse eine klare Umleitung anbieten können. Der Weg über das Lotter Kreuz sei problembehaftet. Anders sehe es mit der A 33-Nord aus: Da hätte man eine Alternative.″ Schon deshalb erscheine es ihm unverständlich, dass sich die Stadt Osnabrück nicht viel vehementer für den Lückenschluss einsetze.

Sollte die Stadt mit ihrer Forderung nach einer Umleitung der Bundesstraße doch noch Gehör finden, wären auf den Straßen von Osnabrück keine kurzfristigen Fortschritte zu erwarten. Oberbürgermeister Griesert und Stadtbaurat Otte bauen aber darauf, dass die Navigationsgeräte einen nicht unwesentlichen Teil des Schwerverkehrs um das Stadtzentrum herumlotsen würden. Schon dadurch, so lautet ihre Überlegung, könnte manche kritische Situation verhindert und manches Menschenleben gerettet werden.

Bildtext:
Jede Menge Durchgangsverkehr bringt die B68 in die Stadt. Darunter sind auch viele Lkw, für Radler eine potenzielle Gefahr.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Warum Osnabrück es mit der B 68 so schwer hat

Es ist unglaublich, welche Widerstände sich einer zeitgemäßen Umgestaltung des Verkehrssystems entgegenstellen. Eigentlich sollte die Zeit der autogerechten Stadt seit Langem überwunden sein. Fakt ist aber, dass der Straßenraum trotzdem weiter dem motorisierten Individualverkehr gehört und dass sich Fußgänger und Radler unterzuordnen haben oder unter die Räder kommen. Die tödlichen Unfälle mit Lkw-Beteiligung müssten doch Grund genug sein, den Verkehrsraum neu aufzuteilen. Aber selbst der Versuch, den überregionalen Lkw-Verkehr aus dem Stadtzentrum herauszuhalten, erstickt in der Bürokratie.

Es ist wenig wahrscheinlich, dass die Landesverkehrsbehörde oder das Bundesverkehrsministerium der Stadt den Gefallen tun, die B 68 umzuleiten. Im Gegenteil: Da sind Bürokraten am Werk, die die Notlage nutzen, um Druck zu machen für den Lückenschluss der A 33. Aber neue Straßen machen alles nur noch schlimmer. Verkehrsvermeidung wäre die intelligentere Lösung.

Wenn es darum geht, Radfahrer in Osnabrück besser zu schützen, ist die Verlegung der Bundesstraße 68 natürlich nur ein Schritt von vielen. Für die Stadt wäre es wünschenswert, dabei auf die Unterstützung von Land und Bund zählen zu können. Wo sich die Bürokratie in derart eingefahrenen Gleisen bewegt, kann vielleicht politischer Druck helfen. Und wenn nicht, schaffen es Bürger, Planer und Politiker in Osnabrück hoffentlich aus eigener Kraft, ihre Stadt sicherer zu machen. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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