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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Mösers Geburtshaus sollte eine Spielhalle werden
Zwischenüberschrift:
Pläne scheiterten am Widerstand der Stadt / Im Haus Markt 26/27 gibt es heute stattdessen Kaffee und Kuchen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Justus Möser wird bald 300. Am 14. Dezember 1720 stieß er in dem schlichten Bürgerhaus Markt 26/ 27 neben der Marienkirche seinen ersten Lebensschrei aus. Kaum 50 Meter davon entfernt liegt er begraben. Das deutet jedenfalls die kunstvoll beschriftete Grabplatte auf der Südseite des Chorumgangs von St. Marien an. Möser war schon zu seinen Lebzeiten ein prominenter Zeitgenosse.

Und erst recht danach. Wer könnte all die nach Möser benannten Orte und Institutionen vollständig aufzählen? Da ist die Möserstraße und das an ihr liegende Büro- und Geschäftshaus Möser-Carré. Es gibt die Möser-Realschule, das Möser-Denkmal und den Raum Justus Möser″ im Historischen Rathaus. Dazu immer mal wieder den Vorschlag, ihn zum Patron der bislang namenlosen″ Universität Osnabrück zu erheben.

Die Justus-Möser-Gesellschaft hütet und erforscht den Nachlass, mit der Möser-Medaille ehrt die Stadt Personen, die sich um die Stadt oder die Region verdient gemacht haben. Außen am Möserhaus″ Markt 26/ 27 weist eine Sandsteinplatte auf die historische Bedeutung des Ortes hin, und innen schneidet man im Café am Markt die Möser-Torte an. Aber die Bestrebungen, außer der Torte und der Gedenktafel im Innern des Geburtshauses eine Forschungsstelle und eine Dauerausstellung zu Leben und Werk des wohl bedeutendsten Osnabrückers des 18. Jahrhunderts einzurichten, blieben bislang ohne Erfolg.

24 Jahre hier gewohnt

Mösers Großvater wurde aus Hamburg zum Prediger an St. Marien berufen. Sein Vater, Kanzleidirektor Johann Zacharias Möser, kaufte 1710 das Haus neben der Marienkirche. Hier kamen Justus und seine acht Geschwister zur Welt.

Zur Taufe in der Marienkirche hatte er es nicht weit, zur Schule, dem Ratsgymnasium, auch nicht. Denn Osnabrücks zweitälteste Lateinschule, 1595 vom protestantisch geprägten Rat der Stadt gegründet, war damals in einem beengten kleinen Häuschen hinter der Marienkirche untergebracht, in jenem dumpfen Winkel, den die Sonne so recht nicht finden konnte″, wie es in einer zeitgenössischen Schilderung heißt. Den Umzug des Ratsgymnasiums 1817 in die vergleichsweise prächtige Von-Boeselagersche Kurie am Domhof (heute Standort des Theaters) hat Möser nicht mehr erlebt.

Möser verließ das Ratsgymnasium 1740 mit dem Abitur, um danach in Jena und von 1742 an in Göttingen zu studieren. Aber das Haus am Markt blieb sozusagen sein erster Wohnsitz, bis er 1746 Elisabeth Brouning heiratete. Mit ihr bezog er eine Wohnung in der Hasestraße. Das Haus Markt 26/ 27 blieb im Besitz der Familie. Als Mösers Vater 1768 starb, übernahm Schwager Friderici das Anwesen. Justus Möser selbst wohnte von 1776 bis zu seinem Tod 1794 in dem nach einer reichen Erbschaft prachtvoll errichteten Haus Hakenstraße 10/ 11.

Die stadtgeschichtliche Bedeutung des Hauses Markt 26/ 27 wurde erst fast hundert Jahre später (wieder-) entdeckt, als der Staatsarchivdirektor Dr. Philippi und der Laischaftsbuchhalter Lammers 1880 eindeutig nachweisen konnten, dass es sich um Mösers Geburtshaus handelte. Die Stadt brachte sich in den Besitz des Hauses und sorgte dafür, dass zum 100. Todestag 1894 eine Gedenktafel angebracht wurde.

Im Erdgeschoss fand ein Restaurant Platz, das ab 1890 unter Pächter Waldheim den Namen Möserhaus″ trug. 1895 machte Fritz Platt für seine Restauration + Billard″ im Möserhaus Reklame und pries das zum Ausschank gelangende Gütersloher Bier in Fässern und Flaschen″. 1912 war die gastronomische Nutzung vorerst beendet. Tischlermeister Friedrich Debusson richtete seine Bau- und Möbeltischlerei in dem Haus ein. Einige Räume waren an das Fensterreinigungsinstitut Zinn″ vermietet.

Neubau nach dem Krieg

Im Zweiten Weltkrieg, am 13. September 1944, erhielt das Haus einen vernichtenden Bombentreffer. Nach dem Krieg erwarb die Schraubengroßhandlung von Fritz Fuchs und Heinrich Sanders das Grundstück. 1951 begann sie mit der Enttrümmerung und dem Wiederaufbau. 1954 war das Erdgeschoss für ein Ladengeschäft nutzbar und 1958 der Bau vollendet.

Das Osnabrücker Tageblatt″ lobte die Bauherren dafür, das mögliche Bauvolumen nicht voll ausgereizt zu haben, sondern sich dezent an die Proportionen und die äußere Gestalt des Vorgängerbaus angelehnt zu haben. Zwar sei im Vorderhaus ein weiteres Geschoss hinzugekommen, zwar seien anstelle der kleinen Sprossenfenster nun zwei Schaufenster zu beiden Seiten der Eingangstür getreten, aber diese Zugeständnisse an die neue Nutzung müsse man wohl machen. Trotzdem habe das Haus eine innere Identität″ mit dem Vorkriegshaus erhalten, weil es mit großer Liebe und wirklicher Achtung vor seiner stadtgeschichtlichen Bedeutung″ stil- und maßgerecht entstanden sei.

Spielhölle″ ins Heiligtum?

1979 wollten Fuchs & Sanders sich aus der Innenstadt zurückziehen, nachdem ihr Neubau in Atter bereits in Betrieb gegangen war. Ein Mieter für das Haus am Markt war bald gefunden. Als der aber seine Idee offenbarte, hier einen Spielsalon zu eröffnen, schritt die Stadtverwaltung ein. Eine derartige Nutzung sei mit der Historie des Hauses und überhaupt der weiteren Umgebung nicht vereinbar.

Auch Zeitungskolumnist Till″ und der Bürgerverein von 1880 wetterten dagegen. Statt Spielhölle ein Café″ das war die neue Marschrichtung, die allseitige Unterstützung fand. Die Stadt kaufte die Immobilie 1981 und konnte nun umso leichter die neue Nutzung bestimmen. Mit Elisabeth und Frank Jilg fand sie Pächter für das 1983 eröffnete Café am Markt″, das sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Eine Stadt braucht immer Geld. 1987 hatte sie die Idee, sich von der Immobilie am Markt zu trennen. Die Evangelischen Stiftungen standen als Käufer bereit. Sie wollten über und neben dem Café renovieren und höherwertige Wohnungen einrichten.

Stadt bereut Verkauf

Knapp ein Jahr nach der Eigentumsübertragung bereute die Stadt diesen Schritt. Sie erhielt einen Brief von Dr. William Sheldon, Vorstandsmitglied der Möser-Gesellschaft. Darin stand, die Stadt müsse den Umbau unbedingt verhindern. Jetzt sei die einmalige Chance gegeben, die Räume der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und hier eine Möser-Ausstellung einzurichten.

Oberstadtdirektor Dierk Meyer-Pries erklärte im Februar 1988, er lasse prüfen, ob der Verkauf rückgängig zu machen sei. Die Sicht der Stadt auf Möser und das Möserhaus habe sich verändert, nachdem im Dezember 1987 ein international besetztes Möser-Kolloquium sehr erfolgreich gewesen und die Gründung der Möser-Gesellschaft daraus hervorgegangen sei. Dabei sei deutlich geworden, dass die historische Gestalt Möser auch den heutigen Menschen sehr viel zu sagen habe. Das habe man beim Verkauf des Gebäudes an die Stiftungen so noch nicht auf dem Schirm gehabt, räumte Meyer-Pries ein. Der Rückkauf durch die Stadt kam nicht zustande, die Evangelischen Stiftungen sind Eigentümer geblieben.

Bis 2019 hatten sie im Haus Markt 26/ 27 ihre Geschäftsstelle eingerichtet. Aktueller Hauptmieter neben dem Café ist die Verwaltung der Kindertagesstätten des lutherischen Kirchenkreises.

Bildtexte:
Das Gebäude Markt 26/ 27 in Osnabrück ist das Geburtshaus von Justus Möser, das Fot zeigt, das Haus vermutlich in den 1930er- Jahren. Nach dem Bombenangriff vom 13. September 1944 waren nur noch Ruinen übrig, (rechts unten), seit 1983 ist das Café am Markt (rechts oben) Hauptmieter im (gelben) Vorderhaus.
Fotos:
Wilhelm Eggert, Hans Hasekamp, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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