User Online: 1 | Timeout: 20:10Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Fauna der Hase nach Brand tot
 
Die Hase ist tot
Zwischenüberschrift:
Osnabrücks Umweltchef: Frühestens in zwei Jahren wieder Fische im Fluss
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Nach dem Brand zweier Unternehmen im Osnabrücker Stadtteil Fledder am Montag ist die Fauna eines kilometerlange Abschnitts der Hase tot. Das sagte der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz auf Anfrage unserer Redaktion. Im Zuge der Löscharbeiten waren mit Chemikalien verunreinigtes Löschwasser sowie Löschschaum in den Fluss gelangt. Am Dienstag war auf der Hase ein Schaumteppich zu sehen, viele tote Fische trieben im Wasser. Es dauere Jahre, bis sich der Bestand erholt habe, sagte der Fachbereichsleiter. Die Stadt zapft nun einen See sowie den Stichkanal an, um dem Fluss frisches Wasser zuzuführen. Die Polizei ermittelt weiter zur Brandursache. Das Video einer Überwachungskamera werde bei der Aufklärung helfen, sagte ein Polizeisprecher.

Osnabrück Bei dem Großbrand am Montag in Osnabrück-Fledder wurden ein Autohaus und ein Chemieunternehmen zerstört. Kontaminiertes Löschwasser und Löschschaum gelangten in die Hase am Dienstag folgte ein Fischsterben. Osnabrücks Umweltchef sagt: Alle Fische in der Hase sind tot. Die Stadt zapft nun einen See und Kanal an für Frischwasser.

Der gesamte Fischbestand ist tot″, zudem alle Kleinstlebewesen und auch wohl Teile der Flora, sagt Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, auf Anfrage unserer Redaktion. Die Aussage betreffe den Bereich von der Eintrittsstelle im Stadtteil Fledder bis zur Römereschstraße im Stadtteil Hafen mindestens, so Gerdts. Das entspreche einer Strecke von circa zwölf Kilometern.

Zwei Dinge waren und sind tödlich für die Fische: Im Zuge der Löscharbeiten waren toxische Chemikalien der Firma Belkola sowie der Löschschaum der Feuerwehr in den Fluss gelangt. Die Chemikalien seien für die Fische giftig, so Gerdts; zudem hätten sie dem Wasser den Sauerstoff entzogen. Im Bereich der Römereschbrücke sei der Sauerstoffgehalt 90 Prozent unter der Norm, berichtet er. Das ist nicht nur tödlich für die Fische, sondern auch für alle Lebewesen, von denen sie sich ernähren.″

Unternehmen zerstört

Am Montag war zuerst ein Autohaus an der Gesmolder Straße in Flammen aufgegangen, die auf das direkt angrenzende Unternehmen Belkola übergriffen. Beide Betriebe wurden zerstört. Belkola produziert nach eigenen Angaben unter anderem chemische Reinigungsmittel. Auch auf das Büro der Unternehmensberatung Worstbrock sollen die Flammen übergegriffen haben, schreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Uns war klar, dass wir sehr viel Wasser brauchen werden″, sagte Dietrich Bettenbrock von der Feuerwehr Osnabrück mit Blick auf die Brände am Mittwochabend auf einer von der Stadt Osnabrück einberufenen Pressekonferenz. In Absprache zwischen Stadt und Feuerwehr sei dann geschaut worden, wo das Wasser aufgefangen werden könne, damit es nicht in die Hase gelangen würde. Dazu wurde das Regenklärbecken an der Ackerstraße herangezogen, in dem normalerweise verunreinigtes Wasser aus dem Gewerbegebiet Fledder vorgespült werde. Von dort aus brachten Tankwagen verunreinigtes Wasser zur Bramscher Entsorgungsfirma Remondis. Dabei wurden circa 200 000 Liter aufgefangen, so Gerdts.

Aus dem Klärbecken war dennoch mit Chemikalien kontaminiertes Löschwasser in die Hase gelangt. Die Stadt hatte versucht, das Klärbecken abzudichten: vergeblich. Durch einen technischen Defekt habe es ein Leck in der Abdichtung gegeben, teilte die Stadt am Dienstag mit. Wir waren der Meinung, durch das Abpumpen des Wassers zu verhindern, dass Löschwasser in die Hase gelangt sei″, betonte Gerdts auf der Pressekonferenz.

Eine massive Schaumbildung und ein Fischsterben waren die Folgen. Deprimierend″, nennt Gerdts den Anblick der vielen toten Fische und Aale. Zwei bis drei Jahre werde es dauern, bis der betroffene Bereich wieder mit Fischen und Kleinstlebewesen besiedelt ist. Diese würden sich über die Jahre wieder aus Nebenbächen und dem Hasezulauf ansiedeln.

Erholung dauert Jahre

Momentan sei der ausbleibende Regen ein großes Problem. Er würde das Wasser der Hase verdünnen und den Fluss mit Sauerstoff versorgen. Weil kein Regen in Aussicht ist, muss die Stadt nun den Regen ersetzen.

Seit Dienstag pumpt die Feuerwehr Frischwasser aus dem Schönungsbecken des Klärwerks Eversburg in enormen Mengen in die Hase immerhin acht Kubikmeter pro Minute. Vom Landkreis habe die Stadt nun die Genehmigung bekommen, zusätzlich den Natberger See bei Bissendorf anzuzapfen, sagt Gerdts. Auch der Eigentümer habe eingewilligt. 500 000 Liter pro Stunde können vom See in die Hase gepumpt werden.

Zusätzlich bekam die Stadt nun die Genehmigung vom Landkreis, Wasser aus dem Stichkanal in Eversburg in die Hase umzupumpen. Hier sollen es 600 000 Liter pro Stunde sein. Behilflich ist das Technische Hilfswerk aus Lingen, das über entsprechende Hochleistungspumpen verfügt. Die Frischwasserzufuhr erfolge zunächst über einen Zeitraum von 24 Stunden, hieß es auf der Pressekonferenz. Danach werde geschaut, ob sich der Sauerstoffgehalt verbessert habe. Erste Proben seien bereits genommen worden.

Zudem kommt nun ein Belüftungsgerät zum Einsatz, um der Hase Sauerstoff zuzuführen, damit es nicht erneut zu einer massiven Schaumbildung kommt. Ziel der Verdünnung und Belüftung des Wassers sei es, die Schäden möglichst gering zu halten. Mehr können wir nicht tun″, so Gerdts.

Die Gemeinde Wallenhorst und die Stadt Bramsche sowie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft Küsten- und Naturschutz (NLWKN) seien alarmiert und würden regelmäßig den Gewässerzustand überprüfen. Sollte sich das Fischsterben in der Region Bramsche fortsetzen, so könnte nach Rücksprache mit der Wasserschifffahrtsverwaltung mit einer weiteren Einspeisung von Wasser aus dem Mittellandkanal reagiert werden, so der Landkreis. In diesem Fall würde der Zufluss zum Alfsee vollständig geschlossen werden.

Der zuständige Unterhaltungsverband Nr. 96 Hase Bever″ werde sich in den kommenden Tagen darum kümmern, die toten Lebewesen aus der Hase zu fischen, die dann in Belm-Icker entsorgt werden sollen, hieß es auf der Pressekonferenz. Unterstützung bekommt der Unterhaltungsverband von der Feuerwehr, die entsprechende Boote zu Verfügung stelle. Wir waren selbst erstaunt, wie viele Fische und auch Aale tatsächlich in der Hase gelebt haben″, sagte Gerdts. Wer mehrere verendete Fische in der Hase entdecke, sollte dies über die Rettungsleitstelle an die Untere Wasserbehörde melden, so der Landkreis.

Für den Menschen sei die Verunreinigung der Hase ungefährlich. Allerdings sollte Kontakt mit dem Schaum vermieden werden, auch vom Baden in dem kleinen Fluss rät Gerdts ab. Tiere sollten aktuell ebenfalls nicht aus der Hase trinken. Auf das Trinkwasser habe die Verunreinigung keine Auswirkungen. Es ist zu 100 Prozent sauber″, so Gerdts.

Bildtext:
Schaum auf dem Wasser, tote Fische: Der Großbrand blieb für die Hase nicht folgenlos.
Fotos:
David Ebener, Michael Gründel
Autor:
Jörg Sanders, André Pottebaum


Anfang der Liste Ende der Liste