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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Weltweit ältester Farn bei Grabungen in Osnabrück entdeckt
Zwischenüberschrift:
Sensationeller Fund am Piesberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Einen sensationellen Fund haben Geologen in dieser Woche im Osnabrücker Museum am Schölerberg vorgestellt: Einen 308 Millionen Jahre alten Samenfarn, der als der weltweit älteste Nachweis dieser ausgestorbenen Art gilt. Der Fund soll auch Aufschluss über den Klimawandel geben.

Die Geologin Angelika Leipner und Michael Sowiak, Mitglied der AG Geologie des Naturwissenschaftlichen Vereins Osnabrück, graben seit 20 Jahren auf dem Piesberg. Als Sowiak das Artefakt am Piesberg fand, sei es ihnen zwar unbekannt, aber bewusst gewesen, dass es ungewöhnlich war, sagte Leipner jetzt vor Journalisten im Museum am Schölerberg, wo der 308 Millionen Jahre alte Samenfarn mit dem wissenschaftlichen Namen Dichophyllum moorei″ nun lagert.

Sie schickte ein Foto des Farns an Professor Hans Kerp, der einen Lehrstuhl für Paläobotanik an der Universität Münster innehat. Er erkannte die Pflanze zwar, stellte aber fest, dass sie fünf Millionen Jahre älter ist als die bisherigen Funde. Das Fossil fand am Piesberg die besten Voraussetzungen zum Altern. Das Gebiet sei vor über 300 Millionen Jahren von einer Wasserfläche bedeckt gewesen, die so groß war wie der Bodensee, so Kerp. Normalerweise stammt diese Art von Farnen aus Sumpfgebieten, die entlang der Kohleabbauflächen in NRW oder im Saarland gefunden wurden.

Der Osnabrücker Farn habe so lange überlebt, da es auf dem Grund des besagten bodenseegroßen Süßwassersees lag. Dort hätte es keine Mikroben gegeben, die ihn hätten zersetzen können, wie Patrick Chellouche, Kurator für Geologie und Paläontologie im Museum am Schölerberg, erklärte. Er sah darin auch ein Zeichen des Klimawandels beim Übergang von der Karbon- auf die Perm-Zeit. Es war ein Wechsel von einem feuchten zu einem warmen Klima.″ Sumpfwälder seien kollabiert, und die Farne hätten diese Flächen erobert, so Chellouche.

Dichophyllum moorei″ ist längst ausgestorben, wie Kerp sagte. Aber die Pflanze sei heute eine wissenschaftliche Sensation. Dies bestätigte ihm auch ein Kollege aus der international renommierten Forschungseinrichtung Smithsonian in Washington, DC. Dorthin hatte der Münsteraner Professor das Foto des Fossils weitergeleitet. Er berichtet auch, dass man angesichts der ergiebigen Funde aus den USA neidvoll auf den Piesberg schaue. Kerp sagte angesichts der neuerlichen Entdeckung, man schaue der Evolution über die Schulter″. An dem Farn sei zu erkennen, wie neue Arten entstehen. Er erwartet weitere aufschlussreiche Funde bei den nächsten Grabungen.

Zutage getreten ist das Fundstück übrigens wegen eines besonderen Fahrstuhleffekts am Piesberg. Durch die plattentektonischen Eigenheiten des Geländes werden die dortigen Gesteinsschichten nach oben geschoben.

Bildtext:
Stolzer Finder: Michael Sowiak, Mitglied der AG Geologie des Naturwissenschaftlichen Vereins Osnabrück, zeigt den Samenfarn Dichophyllum moorei″, den er am Piesberg entdeckt hat. Er präsentierte den sensationellen Fund am Donnerstag mit Angelika Leipner, geologische Präparatorin im Museum am Schölerberg und ehrenamtliche Grabungsleitung am Piesberg, Professor Hans Kerp, Lehrstuhl für Paläobotanik der Universität Münster, Patrick Chellouche, Kurator für Geologie und Paläontologie im Museum am Schölerberg.
Fotos:
Jörn Martens
Autor:
Thomas Wübker


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