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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Es droht neuer Rechtsstreit um den Neumarkt
 
Schmutz, Müll und Uringeruch
Zwischenüberschrift:
Der Neumarkt rutscht immer weiter ab
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Neugestaltung des Neumarktes verzögert sich möglicherweise weiter. Die Stadt prüft, ob sie gegen die mit der Planung beauftragten Büros vor Gericht zieht. Der Verwaltungsausschuss, das wichtigste Gremium nach dem Rat, will darüber am kommenden Dienstag entscheiden. Der Neumarkt soll mit einer gestreiften Betondecke versehen werden, die gut aussehen soll, aber auch den Druck der schweren Busse aushalten muss. Weil ähnlicher Beton am Rosenplatz Risse zeigt, hat die Stadt den Umbau gestoppt. Die Firmen halten den Beton für geeignet, das Bauamt hat Zweifel. Unterdessen werden neue Beschwerden über den desaströsen Zustand des Platzes laut. Ein Geschäftsinhaber beklagt Schmutz, Müll und Gestank und fordert Abhilfe vom Eigentümer der Bruchimmobilien.

Osnabrück Omar El-Zein ist es peinlich. Gäste, die zu Fuß sein Lokal aufsuchen, müssen an verdreckten Wänden vorbei und halten sich an manchen Ecken auch mal die Nase zu. Der Osnabrücker Neumarkt, so sagt er, sei eine Zumutung für Kunden und Geschäftsinhaber. Und nicht nur er fragt sich: Wie tief kann der Platz noch sinken?

Der Dortmunder betreibt zwei Geschäfte am Neumarkt, Wonderwaffel″ und gleich daneben Konzept Weiss″. Demnächst soll ein dritter Laden unter dem Namen Bubble Tea″ folgen, ebenfalls in der Zeile zwischen dem früheren Wöhrl-Kaufhaus und der Lyrastraße. El-Zein sagt, seine Kunden kommen aus einem Umkreis von bis zu 80 Kilometern. Sie erlebten Osnabrück als interessante und einladende Stadt bis sie zum Neumarkt kommen.

Die Gehwege dort verschmutzen zusehends, an den verklebten Schaufenstern hängen Papierfetzen herab, die einst optimistische Werbung für das Einkaufszentrum Oskar″ ist teils übermalt, beschmiert und angesichts der Tristesse drum herum in ihrer Wirkung ins Gegenteil umgeschlagen. Finstere Ecken werden in der Dunkelheit als Urinale missbraucht und verströmen an heißen Tagen unangenehmen Geruch. Die Eingänge seiner Geschäfte lässt El-Zein nachts von einer hellen Lampe beleuchten, damit sich hier niemand einen Schlafplatz einrichtet. Das wirkt. Kann die Stadt nicht für mehr Sauberkeit sorgen?″, fragt der Geschäftsmann.

Die Stadt ist nicht zuständig, sondern der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB). Aber auch dessen Arm reicht nur bis zur Straßenkante.

Die Verantwortung für Gehweg, Hauseingänge und Arkaden an der Johannisstraße liegt allein beim Eigentümer der Immobilien dem Centerkonzern Unibail-Rodamco-Westfield (URW). Dessen Sprecherin teilt auf Anfrage unserer Redaktion schriftlich mit: Für Unibail-Rodamco-Westfield Germany hat die Sicherheit aller Personen in oder in der Nähe unserer Immobilien und Bauprojekte höchste Priorität.

Das stellen wir selbstverständlich auch für die Immobilien am Osnabrücker Neumarkt sicher. Hinweisen über anderweitige Mängel gehen wir natürlich nach und werden uns auch zeitnah um deren Beseitigung kümmern, sofern dies in unseren Verantwortungsbereich fällt.″

Fast vier Jahre ist es her, dass der OSB am ehemaligen Wöhrl-Haus einmal gründlich aufräumen musste. Damals hatten Berge von Plakaten, die von den Schaufenstern abgerissen worden waren, den Gehweg blockiert.

Weil dadurch die Sicherheit der Fußgänger gefährdet war, konnte der OSB auf dem Gehweg tätig werden. Auch Unibail Rodamco reagierte fix auf die Berichterstattung unserer Redaktion und setzte den Hausmeister in Marsch, der im Auftrag des Center-Konzerns ein Auge auf die Schrottimmobilien hält.

Nach Intervention von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert begann URW danach, die Fensterfronten von Kachelhaus und Kaufhaus-Ruine mit besagter Werbung zu bekleben, die Lust auf das damals noch geplante Einkaufszentrum machen sollte.

Wann wird sich am desolaten Bild des Neumarktes etwas ändern? Eine Frage, die wohl alle Osnabrücker beschäftigt, derzeit aber nur URW beantworten könnte. Dem Unternehmen liegt inzwischen die Baugenehmigung für das Einkaufscenter vor, das gar nicht gebaut werden wird. Aber mit der Genehmigung setzt die Stadt URW unter Zeitdruck. Der Konzern muss spätestens nach sechs Monaten mit dem Bau beginnen, andernfalls kann die Stadt entschädigungsfrei aus dem Durchführungsvertrag aussteigen und die Planungen für das Centergebiet in eine andere Richtung lenken.

Die Erteilung der Baugenehmigung sei ein standardmäßiger Verfahrensschritt″, so die URW-Sprecherin weiter. Unibail-Rodamco-Westfield Germany stehe auch weiterhin in engem Austausch mit den Vertretern der Stadt, um nach wie vor gemeinsam alle denkbaren Optionen zu prüfen und eine gute Lösung für alle beteiligten Parteien zu finden″. Der Verkauf der Immobilien sei eine mögliche Option, allerdings gebe es derzeit keine Entscheidung diesbezüglich. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir hierzu keine Aussagen treffen werden.″

Die Stadt hat dem Konzern ein Kaufangebot vorgelegt. Zu ernsten Verhandlungen ist es bisher nicht gekommen, wie der Neumarkt-Koordinator im Rathaus, Claas Beckord, dem Rat schriftlich mitgeteilt hat.

Es droht ein Rechtsstreit

Mehr denn je in der Schwebe ist, wann mit dem Umbau des Platzes begonnen werden kann. Die Neugestaltung sollte bereits vor einem Jahr starten, wurde aber abrupt gestoppt, weil es Zweifel an der Festigkeit des geplanten Betonbodens gibt. Zwischen der Stadt und der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Neumarkt, bestehend aus dem Büro Lützow 7 (Berlin) und dem Ingenieurbüro bpr (Osnabrück), bahnt sich womöglich ein Rechtsstreit an. Die Arge hält daran fest, dass der Beton in der geplanten Bauweise die hohe Belastung durch den Busverkehr aushalten würde, das Bauamt und der von ihm beauftragte Gutachter haben Zweifel.

Der Verwaltungsausschuss soll am kommenden Dienstag entscheiden, ob die Stadt in einen Rechtsstreit geht. Möglich wäre auch, den Vertrag mit der Arge zu kündigen und neue Auftragnehmer zu suchen. Beide Wege würden Zeit und wahrscheinlich weiteres Geld kosten.

Kurzum: Auf dem Neumarkt ist keine schnelle Besserung in Sicht.

Bildtext:
Schmutz und Tristesse: Anlieger beschweren sich über Unrat am Neumarkt.
Ein Bild von 2016. Vor dem ehemaligen Wöhrl-Gebäude werden Plakatreste beseitigt
Fotos:
Michael Gründel, David Ebener
Autor:
Wilfried Hinrichs


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