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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Haltestellen hochgeklappt″
Zwischenüberschrift:
Netzwerk Nachhaltige Mobilität übt Kritik am ÖPNV in Osnabrück und Umgebung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Um die Zahl der Autos auf den Straßen in und um Osnabrück zu verringern, müsse der öffentliche Nahverkehr auch jenseits der Stadtgrenze besser werden. Darauf drängt das neu gegründete, regionale Netzwerk Nachhaltige Mobilität. Leider denken die Räte und der Kreistag nur um ihren jeweiligen Kirchturm herum.″

Laut einer aktuellen Studie (SrV 2018) beträgt der Anteil des ÖPNV am Verkehrsmix in Osnabrück neun Prozent, in den Nachbargemeinden sechs Prozent. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) macht dagegen in der Stadt fast die Hälfte (45 Prozent) aus, in der Umgebung sogar knapp zwei Drittel (65 Prozent).

Einen Grund für dieses Missverhältnis sehen Experten im unzureichenden Busangebot insbesondere auf dem Land. Solange in den Orten rund um Osnabrück zu bestimmten Zeiten die Haltestellen hochgeklappt werden, sind die Menschen dort auf ein Auto oder sogar einen Zweitwagen angewiesen″, sagt Thomas Polewsky vom Netzwerk Nachhaltige Mobilität. Dies gefährde die regionalen Klimaschutz-Ziele. Stadt und Landkreis Osnabrück hätten sich gemeinsam mit Rheine und dem Kreis Steinfurt dazu verpflichtet, bis 2050 etwa den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) um 95 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu verringern. Der Verkehr mache dabei knapp ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen aus.

Ein Ausbau des ÖPNV im Raum Osnabrück über den jetzigen, zum Teil dürftigen Standard hinaus″ sei deshalb zwingend erforderlich, erklärt Polewsky. Dazu brauche es statt Kirchturmdenken regionale Planung aus einem Guss″, denn Verkehrspolitik höre nicht an der Ortsgrenze auf. Zum Netzwerk Nachhaltige Mobilität, das in dieser Form seit Januar 2020 besteht, gehören unter anderem der Bürgerdialog Verkehrswende und die Klimaallianz Osnabrück, die Lokale Agenda Osnabrück und der Verein Verkehr für Menschen″ in Georgsmarienhütte, außerdem die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften Osnabrück sowie der für die Wirtschaftsregion Osnabrück zuständige Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA).

Das Interesse, einen öffentlichen Nahverkehr bereitzustellen, der auch abends und am Wochenende ein Angebot vorhält, ist in den Gemeinden unterschiedlich ausgeprägt″, stellt Polewsky fest. Auch die problematische Verkehrsdichte in Osnabrück kümmere die Kommunen ringsum kaum trotz der gut 56 000 Ein- und 26 000 Auspendler, wie sie die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Pendleratlas für Osnabrück ermittelt hat (Stand Juni 2019). Gleichwohl werde im Speckgürtel gern geklagt über , die Stadt′, die dem motorisierten Individualverkehr angeblich nicht genug Platz einräumt″.

Für das Netzwerk Nachhaltige Mobilität haben ÖPNV, Rad- und Fußwege künftig Priorität und müssen bei der Neuaufteilung des Verkehrsraums ihren bislang verwehrten Anteil bekommen″ so steht es im Ende Juni verschickten Rundbrief der Gruppierung, der ihre zehn wichtigsten Ziele zusammenfasst. Und würden die Osnabrücker Kragengemeinden zum Oberzentrum gehören, dürfte laut Polewsky davon ausgegangen werden, dass es dort ein ÖPNV-Angebot wie in der Kernstadt″ gäbe: dichter getaktet und mit mehr Fahrten auch außerhalb der Hauptverkehrszeit. Lange Wartezeiten

Wer aber heute vor den Toren Osnabrücks wohne und zugunsten des ÖPNV auf das eigene Auto verzichten wolle, für den stellten bestimmte Tage und Randzeiten erhebliche Schmerzgrenzen″ dar. Eine Auswertung der gültigen Fahrpläne von Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) und Regionalverkehr Münsterland (RVM) verdeutliche, wie schwach das unmittelbare Umland teilweise an Osnabrück angebunden sei: In etlichen Vororten gebe es werktags einen 60-Minuten-Takt, der mitunter lange Wartezeiten insbesondere für Pendler bedeute. Je später der Abend, desto schlechter komme man mit dem Bus aus der Großstadt zurück aufs Land. Und an Sonntagen sei das ÖPNV-Angebot dermaßen dünn, dass Reisende aus der Osnabrücker Umgebung, die zum Beispiel ab dem Hauptbahnhof mit dem Zug weiterfahren wollen, oft erst am späten Vor- oder frühen Nachmittag in die Stadt″ gelangen würden. Polewsky schlussfolgert: Das , ÖPNV-Angebot mit Lücken′, wie es in vielen Orten besteht, zwingt dazu, ein eigenes Auto vorzuhalten, um in den Zeiten ohne Busverkehr mobil zu sein.″

Gehöre aber ein Auto zum Haushalt, sei die Hemmschwelle niedriger, es auch zu benutzen, und die Hürde höher, zusätzlich eine ÖPNV-Zeitkarte zu erwerben erst recht, wenn das Busangebot zu klein sei. Mit anderen Worten: Wer ein Auto hat, fährt in der Regel auch damit. Und gibt nur ungern extra Geld aus für wenig hilfreiche öffentliche Verkehrsmittel.

Bildtext:
Auf dem Land lassen die Busverbindungen von und nach Osnabrück oft zu wünschen übrig. Das Netzwerk Nachhaltige Mobilität fordert deshalb eine regionale Verkehrsplanung aus einem Guss.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Sebastian Stricker


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