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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Am Ledenhof hat die Altenfürsorge eine lange Tradition
Zwischenüberschrift:
Wieso jetzt eine wichtige Weichenstellung bevorsteht
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Evangelischen Stiftungen Osnabrück (ESO) sind ihrem Leitbild Menschlichkeit″ verpflichtet. Es bedeutet für sie, hilfsbedürftigen Menschen, darunter besonders Alten, Armen und Kranken, zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen. Doch wie soll sich dieses Leitbild am Osnabrücker Ledenhof auswirken? Ein neues Haus für Senioren, die sich noch selbst versorgen können? Oder eine neue Einrichtung für alle Stufen der Pflegebedürftigkeit?

Die ESO sind Eigentümer des Hauses Ledenhof, eines evangelischen Senioren- und Pflegeheims mit 92 Betten der stationären Pflege, Kurzzeitpflegeplätzen und einem Wohnbereich, der auf die Pflege und Betreuung von Menschen mit schwerer Demenz spezialisiert ist. Betreiber des Hauses ist die Diakonie Osnabrück Stadt und Land.

Nach durchgreifenden Erweiterungen und Sanierungen 1967, 1979 und 1991 ist das vor 64 Jahren eröffnete Haus jetzt an einem Punkt, wo eine abermalige Modernisierung nicht wirtschaftlich ist. ESO und Diakonie wollen das Haus abreißen lassen und durch einen zeitgemäßen Neubau für Senioren-Wohnen mitten im Stadtzentrum″ ersetzen. Solche neuen Wohnformen seien stark nachgefragt, weil sie dem Lebensgefühl der neuen Generation älterer Menschen″ entsprächen. Sie ermöglichen rüstigen Senioren, noch viele Jahre lang ein selbstbestimmtes Leben zu führen, bevor vielleicht ein Umzug in eine stationäre Einrichtung notwendig wird.

Die ESO verschließen sich nicht der Notwendigkeit, auch Ersatz für die am Ledenhof entfallenden Pflegeplätze zu schaffen. Dafür planen sie in Voxtrup an der Meller Landstraße das Projekt Grüner Garten″ eine stationäre Altenhilfeeinrichtung mit 100 Plätzen sowie 79 Wohnungen mit sozialer Durchmischung.

Das ist die Beschlusslage des zwölfköpfigen Verwaltungsrats der ESO. Er ist zur Hälfte mit Vertretern aus Rat und Verwaltung der Stadt und zur anderen Hälfte mit Vertretern der evangelischen Kirche besetzt. Diese Stimmverhältnisse leiten sich aus der Geschichte der ESO ab, die eine Bündelung verschiedener kirchlicher und weltlicher Stiftungen sowie Einzelvermächtnisse darstellt.

Ihren Ursprung sehen die ESO in dem 1250 eingerichteten Hospital zum Heiligen Geist in der Turmstraße (heute Haus der Kirche″ und Altstadtgarage), das im Mittelalter zu einem wichtigen Zufluchtsort für arme, kranke und alte Menschen wurde. Wenig später gründete der Rat der Stadt das Siechenhaus zur Süntelbeke, wo Leprakranke untergebracht waren. Es folgten weitere Hospitäler, Armen- und Waisenhäuser, die von ihren Stiftern in der Regel mit ausreichend Ländereien zur Selbstversorgung ausgestattet wurden, sodass sogar Überschüsse erwirtschaftet und der Besitz vermehrt werden konnte.

Hier liegt der Grundstock für den Immobilienbesitz der 1931 zu den Evangelischen Stiftungen Osnabrück″ zusammengeschlossenen Stiftungswerke. Die ESO verfügen derzeit über ein Stiftungskapital von 30 Millionen Euro, das unter anderem in 150 Mietwohnungen, zahlreichen karitativ-sozial genutzten Objekten, 600 Erbpachtgrundstücken und 450 Hektar Wald besteht. Ihre Geschäftsstelle befindet sich seit Ende des vergangenen Jahres in der sogenannten Poggenburg in Nachbarschaft der Katharinen- kirche.

Der Plan, die stationäre Pflege nach Voxtrup auszulagern und am Ledenhof nur noch eigenständiges Seniorenwohnen anzubieten, stößt allerdings auch auf Kritik, die pikanterweise unter anderem aus dem Umfeld der evangelischen Kirche kommt. So äußern sich Wilfried Windmöller, ehemaliger Geschäftsführer der Heilpädagogischen Hilfe, aber auch der frühere Direktor des Diakonischen Werks der Landeskirche, Eckhard Pfannkuche, und die langjährige St.-Marien-Kirchenvorstandsvorsitzende Sigrid Pees-Ulsmann dahingehend, dass alte Menschen das Recht hätten, bis zum Ende ihres Lebens am öffentlichen Leben teilzuhaben. Diese selten gewordene Chance zur Inklusion″ dürfe nicht verloren gehen. Es sei unsozial, sie aus kommerziellen Gründen aus der Stadtmitte zu verdrängen, um dort eine Immobilie für reiche Senioren″ zu errichten.

Davon kann überhaupt keine Rede sein, denn die Wohnungen werden zu der ortsüblichen Miete angeboten″, entgegnet ESO-Vorstand Johannes Andrews. Außerdem werde ein Teil der Wohnungen ausdrücklich für Wohnscheinberechtigte zur Verfügung gestellt. Ein Gutachter habe bestätigt, dass der Standort Ledenhof für Menschen mit hohem Bewegungsdrang und Demenz nicht geeignet sei.

Andrews äußert Verständnis für das Anliegen, möglichst weiterhin eine Altenpflegeeinrichtung in der Innenstadt zu behalten. Lange hätten die Stiftungen in der Innenstadt nach einem geeigneten Grundstück gesucht, aber keins gefunden. Deshalb das Ausweichen nach Voxtrup. Im Moment geht es in der Sache nicht weiter, weil für das Neubaugebiet Grüner Garten″ in Voxtrup noch kein Baurecht geschaffen ist, der Abriss am Ledenhof aber erst nach der Fertigstellung des neuen Pflegeheims in Voxtrup erfolgen kann.

1956 eröffnet

Das Areal zwischen Ledenhof und Alter Münze steht seit mehr als 550 Jahren im Eigentum der Evangelischen Stiftungen. In den Armenhäusern″ wurden alleinstehende alte Frauen betreut. Später bezogen die Diakonissen von St. Katharinen und eine Kleinkinder-Bewahranstalt hier Unterkunft. Beim Bombenangriff vom 12. Oktober 1944 wurde die Häuserzeile ausgelöscht. 1947 fasste der ESO-Stiftungsvorstand den Beschluss, die historische Zweckbestimmung wieder aufzunehmen und ein Altenheim zu errichten. Das Projekt verzögerte sich durch die Währungsreform, es fehlte an neuem Geld. Erst mit dem Verkauf eines Schulgebäudes am Schölerberg 1954 wurde der finanzielle Grundstock gelegt, sodass 1955 mit dem Bau begonnen und er 1956 eingeweiht werden konnte.

Die Geschichte des Hauses ist die Geschichte steten Wandels in den Betreuungskonzepten und der Anpassung an die demografische Entwicklung. Bei der Einweihung 1956 standen 90 Betten überwiegend in Zwei- und Dreibettzimmern zur Verfügung. In der Stadt herrschte ein eklatanter Mangel an Heimplätzen für Senioren, der schnell gemildert werden musste. Im Altersheim der Evangelischen Stiftungen″, wie man es zunächst nannte, konnten nur Altersschwache, nicht aber Pflegebedürftige aufgenommen werden. Eine weitere Bedingung war das Bekenntnis zum evangelisch-lutherischen Glauben. 30 Betten waren für Sozialrentner reserviert, die den Heimaufenthalt nicht selbst bezahlen konnten. Die Ausstattung des Hauses galt damals als modern, erscheint aus heutiger Sicht allerdings eher dürftig: Gemeinschaftstoiletten befanden sich auf dem Flur, Badeeinrichtungen im Keller. Das Eintrittsalter lag bei durchschnittlich 65 Jahren.

Der Stadtverband der Inneren Mission, der später im Diakonischen Werk aufging, bekam vom Eigentümer ESO die Bewirtschaftung des Hauses übertragen. Heimleiter Diakon Reinberger stattete vor der Eröffnung im Juli 1956 allen Bewerbern um einen Heimplatz einen Hausbesuch ab. Dadurch wollte er sicherstellen, dass sich keine Pflegefälle ins Heim mogelten, denn dafür war es nicht ausgestattet.

Hohe Nachfrage

Das Haus war stark nachgefragt und sehr beliebt. Dies nicht zuletzt wegen seiner zentralen Lage, die den Alten eine Teilnahme am städtischen Leben ermöglichte, auch wenn sie nicht mehr gut zu Fuß waren. Der Wochenmarkt spielte sich direkt vor der Tür ab, Katharinenkirche, Schloss und Schlossgarten lagen in unmittelbarer Nähe. Die Warteliste der Heimbewerber wurde lang und länger. So beschloss man 1967 einen Erweiterungsbau, der Platz für 25 weitere Betten bot. Der Anbau folgte dem Knick der Straße Am Ledenhof und verlängerte das Gebäude in Richtung St. Katharinen. Erstmals erhielt das Haus auch eine Pflegestation.

Weitere Umbauten und Modernisierungen folgten 1979 und 1991/ 1994, wobei letztere mit einem Volumen von elf Millionen DM die eingreifenderen waren. Es gab nur noch Einzelzimmer. Alle wurden so eingerichtet, dass die Bewohner auch im Pflegefall darin wohnen bleiben können. Bei der Neueinweihung sprach Superintendent Joachim Maßner von der Pflege bis zur letzten Minute im eigenen Zimmer″. Damit war dem demografischen Wandel Rechnung getragen das Durchschnittsalter war auf 85 Jahre angestiegen. In den Folgejahren kamen Tagespflegeplätze für demenziell Erkrankte hinzu. Das Heim stellte sich immer mehr auf die Bedürfnisse Demenzkranker ein. Nun sind 26 Jahre seit der letzten Modernisierung vergangen ein Zeitraum, in dem Pflegekonzepte und - technik große Sprünge gemacht haben. Aus diesem Grund erscheint den ESO ein Neubau in absehbarer Zeit unausweichlich.

Bildtexte:
Die Armenhäuser″, später auch als Diakonissen-Wohnungen und als Kleinkinder-Bewahranstalt genutzt, standen bis zur Kriegszerstörung an der Stelle des heutigen Altenheims. Das undatierte Foto aus dem Archiv Peter Berning entstand vermutlich vor dem Ersten Weltkrieg.
Kurz vor der Eröffnung 1956 präsentierte sich der Neubau des Altenheims zum Ledenhof hin mit einer ruhigen, soliden und sachlichen Fassade″.
Etwas krampfhaft modernisiert wirkt der Vorbau aus der großen Umgestaltung 1979. Im Hintergrund der Neorenaissance-Giebel der Provinzial-Taubstummenanstalt an der Alten Münze.
Der Erweiterungsbau von 1967 in der linken Bildhälfte vergrößerte das Angebot um 25 Zimmer.
Fotos:
Peter Berning, Emil Harms, Joachim Dierks, Lisel Städing
Autor:
Joachim Dierks


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