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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Feldbahn auf dem Piesberg wird länger
 
Aus Leidenschaft zur Schmalspurbahn
Zwischenüberschrift:
Trasse auf dem Piesberg wächst: Was die Osnabrücker Feldbahner antreibt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Seit März laufen die Bauarbeiten zur Verlängerung der beliebten Felbahn-Strecke auf dem Osnabrücker Piesberg. Normalerweise fährt das Bähnchen an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat, und die Feldbahner vom zugehörigen Verein transportieren Passagiere vom Bahnhof Haseschacht nahe dem Museum Industriekultur bis zum Endpunkt Südstieg″ am Fuße der Treppen, die hoch auf die Felsrippe führen. Wegen der Corona-Krise liegt der Bahnbetrieb momentan brach. Doch im kommenden Jahr wird die Strecke dafür dann gleich doppelt so lang sein. Sie wird für knapp 1, 7 Millionen Euro nach Norden bis zum Stüveschacht verlängert und einen Einblick sowohl in die Industriekultur als auch die Natur des Piesberges bieten. Jahrelang hatte das Ausbauprojekt auf der Kippe gestanden.

Osnabrück Es fing an mit einer Lok, die im Garten ihre Kreise drehte. Und jetzt kommen zu 1, 2 Kilometern Feldbahnstrecke auf dem Osnabrücker Piesberg weitere eineinhalb Kilometer dazu. Ein Besuch auf der Baustelle für die Verlängerung der beliebten Trasse und bei den Menschen, ohne die dort gar nichts fahren würde.

Seine erste Lok kaufte Jörg Sprengelmeyer mit Anfang 20. In Campemoor habe ich eine Nachkriegslok gesehen″, erzählt er. Die hat mich fasziniert, und dann habe ich sie gekauft.″ Einfach so. 1983 war das. Er lebte damals auf einem Hof in Glandorf, baute seiner Lok eine kleine Runde aus Schmalspurgleisen und ließ sie fahren. Parallel machte Dirk Boknecht etwas Ähnliches in Ostercappeln-Hitzhausen, erstand Ende der 1980er seine erste Lore so heißen die Transportwagen der Feldbahn –, und aus einer Privatinitiative gründete sich mit der Zeit ein Verein.

2008 bot die Stadt Osnabrück den Feldbahnern mit ihren Loks und Loren schließlich einen Vereinssitz auf dem Piesberg an und heute ist die Feldbahn vom Piesberg nicht mehr wegzudenken.

Seit 2010 können Besucher auf der bislang 1, 2 Kilometer kurzen Strecke zwischen Haseschacht und der Endstation Südstieg″ am Fuße der Treppen zur Aussichtsplattform einen Eindruck davon bekommen, mit welchen Fahrzeugen bis in die 1960er-Jahre hinein das Gestein aus dem Berg transportiert wurde. An jedem 1. und 3. Sonntag im Monat, vom Frühjahr bis in den Herbst, nimmt das nostalgische Bähnchen Passagiere mit, vorbei am Abfallwirtschaftszentrum der Stadt und durch einen kleinen Canyon. Dieses Jahr fuhr die Bahn allerdings noch nicht. Die Corona-Pandemie hat auch den Feldbahnbetrieb auf Eis gelegt.

Die knapp zehn aktiven ehrenamtlichen Feldbahner haben trotzdem gut zu tun mit den Vorbereitungen für die Verlängerung der Trasse, auf die sie und das Team um Detlef Gerdts vom städtischen Fachbereich Umwelt und Klimaschutz seit 2013 hingearbeitet hatten. Sie verschönern den Bahnhof Haseschacht, haben dort ein drittes Gleis verlegt, bauen Bänke und peppen die Grünpflanzungen auf alles ehrenamtlich.

Es sei das Zusammenspiel aus der Arbeit in der Natur und dem industriellen Erbe, das ihn antreibt, sagt Jörg Sprengelmeyer, der im Hauptberuf als Krankenpfleger arbeitet. 110 Kilometer Feldbahngleise waren einst auf dem Berg verbaut. Entlang der neuen Trasse sieht man noch ein paar alte Gleise aus dem Berg ragen, die seinerzeit einfach zugeschüttet wurden, als sie ausgedient hatten.

Die Feldbahner sind immer auf der Suche nach weiteren Zügen. Rund 30 Loks haben sie mittlerweile und mehr als hundert Feldbahnwagen. Vorigen Herbst erst konnten sie einen kompletten Grubenbahnmaterialzug von der stillgelegten Zeche Ibbenbüren übernehmen. Und auf dem Piesberg können sie ihren Zügen nicht nur Auslauf gewähren. Wir wollen den Besuchern das ganze Spektrum der Feldbahn näherbringen″, sagt Dirk Boknecht.

Aufgeschüttet beziehungsweise ausgegraben ist die Strecke bereits, auf der, so hoffen die Feldbahner, schon im Frühjahr 2021 erstmals Züge mit Fahrgästen fahren dürfen. Ist die Fahrt vom Haseschacht zum Südstieg bislang sehr schnell vorbei, wird sie künftig vom Stüveschacht bis zum Südstieg mehr als doppelt so lange dauern. Die Atmosphäre auf dem nordwestlichen Abschnitt ist eine ganz andere als auf dem südlichen.

Parallel zum Fürstenauer Weg geht es vom Haseschacht entlang eines steilen Abhangs in Richtung Wasserwerk Wallenhorst und spätestens ab da ist nichts mehr zu hören außer dem Zwitschern der Vögel und dem Quaken der Frösche aus einem der Teiche, die durch den Gesteinsabbau im Laufe der Jahre entstanden sind. Wer den acht Kilometer langen Rundwanderweg schon einmal gelaufen ist, kennt die Idylle.

Momentan ist der Wanderweg wegen der Bauarbeiten in diesem Bereich gesperrt; künftig wird er die neue Trasse mehrmals berühren. Im Bereich des Wasserwerks soll außerdem ein Weg hochführen zu einer neuen Aussichtsplattform. Ein Sichtfenster wiederum wird einen Blick in den heutigen Steinbruch freigeben.

1, 7 Millionen Euro kostet das Projekt. Rund 40 000 Tonnen Erdreich wurden für den Ausbau bewegt. Die Gleise fehlen noch. Sie wurden in China produziert. In Deutschland gibt es ja kein Walzwerk mehr, das diese Schmalspurschienen noch herstellt″, sagt Dirk Boknecht, der selbst gelernter Maschinenschlosser ist. Sie befinden sich momentan noch auf hoher See auf dem Weg von China nach Europa und sollten gestern im belgischen Antwerpen angekommen sein. Von dort sind es nur noch ein paar Kilometer bis Osnabrück.

Zwischenzeitlich hatten die Feldbahner kaum noch daran geglaubt. Eigentlich sollte die Trasse nicht nur bis zum Stüveschacht führen, sondern auf insgesamt 2, 8 Kilometern bis zum Grubenweg in Lechtingen. Erst tat sich die Stadt schwer, an Fördermittel zu kommen, dann explodierten die Kosten. Statt geplanter 1, 3 Millionen kostet das Gesamtprojekt nun fast 2, 3 Millionen Euro, und die Stadt beschloss, erst einmal nur den Abschnitt bis zum Stüveschacht zu realisieren. Der Eigenanteil Osnabrücks beträgt laut einer aktuellen Mitteilung der Stadt rund 700 000 Euro, die EU fördert das Vorhaben mit 673 000 Euro, das Land Niedersachsen ist mit 202 000 Euro dabei und der Geopark Terra-Vita mit 112 500 Euro.

Mitte März sind die Bauarbeiten gestartet. Sprengelmeyer, Boknecht und ihre Mitstreiter kennen jeden Meter der neuen Trasse in- und auswendig und schauen ständig nach, ob das beauftragte Tiefbauunternehmen alles richtig macht. Da, wo die Trasse ausgebaggert wurde, sieht man links und rechts, aus was der Berg besteht: Es ist Abraum aus früheren Zeiten, zu denen der Piesberg immer wieder umgegraben wurde, schätzungsweise aus den 1930er-Jahren. Sogar ein Hufeisen haben die Feldbahner während der Bauarbeiten schon gefunden. Ab dem Wasserwerk werden die Schienen so verlaufen wie früher. Nur im Bereich des Fürstenauer Wegs muss die Trasse von den historischen Wegen abweichen. Der Umweg ist nötig, da die Bahn nur drei Prozent Steigung schafft.

Oberhalb des frisch restaurierten Stüveschachtes wird vorläufig die Endstation sein.

Dann beginnt wieder das Hoffen, dass es sogar noch weiter geht. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) wird dazu in einer Mitteilung der Stadt so zitiert: Die Weichen sind mit der neuen Strecke gestellt, aber ein zukünftiger weiterer Ausbau ist nur umsetzbar, wenn es in erheblichem Maße Investitionszuschüsse gibt.″

Bildtexte:
Hier wächst etwas Großes: Die Verlängerung der Feldbahnstrecke auf dem Piesberg nimmt Formen an.
Echte Schmalspur-Fans: Die Feldbahner Jörg Sprengelmeyer (links) und Dirk Boknecht.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Tourismus mit Augenmaß

In der Verlängerung der Feldbahn-Linie auf dem Osnabrücker Piesberg steckt großes Potenzial für den Tourismus. Trotzdem ist es gut, nicht alle Optionen auszuschöpfen.

Die Feldbahn ist nicht nur eine Schmalspurbahn, mit der ein paar Enthusiasten ihre Modelleisenbahnträume im großen Stil verwirklichen. Sie bringt Besuchern sowohl die Industriekultur und Geschichte des Gesteinsabbaus am Piesberg näher als auch die einzigartige Natur, die sich dort entwickelt hat.

Wer den acht Kilometer langen Rundwanderweg zu Fuß läuft, erlebt himmlische Ruhe und stößt dabei gleichzeitig immer wieder auf die faszinierende industrielle Vergangenheit und Gegenwart des Berges, in dem immer noch Gestein abgebaut wird. Die verlängerte Feldbahntrasse macht diese Bereiche noch leichter zugänglich und wird mit Sicherheit künftig noch mehr Besucher auf den Berg locken.

Die Bahnstrecke ist stellenweise breit. Da, wo etwa der Haltepunkt Siebenbürgen″ geplant ist, wäre locker Platz für eine kleine Bar, die dann womöglich noch ganz andere Zielgruppen anlocken würde. Das Beispiel zeigt: Es ist ein schmaler Grat zwischen Kommerzialisierung und dem bisherigen Zauber des Kultur- und Landschaftsparks. Anfragen kommerzieller Anbieter kennen die Akteure auf dem Piesberg zu Genüge seien es die Dampflokfreunde, die Stadt, das Piesberger Gesellschaftshaus oder die Feldbahner. Die Anfragen reichen von Autokino bis hin zu Gleitschirmfliegen und wurden bislang meist abgewiesen.

Auch ohne zu kommerzielles Tamtam und gerade weil es fehlt ist der Piesberg mit dem Museum Industriekultur, mit Führungen, Fahrten und den kulturellen Angeboten des Gesellschaftshauses ein Anziehungspunkt, an dem Familien locker einen ganzen Samstag oder Sonntag verbringen können. Im November 2019 hat die Stadt den Piesberg als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Es ist gut, dass das so ist, und wichtig, dass der Berg auch in Zukunft seinen Zauber behält. s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


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