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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Provisorische Radwege für Osnabrück?
 
Breites Bündnis für Pop-up-Radwege
Zwischenüberschrift:
Radverkehr hat in Corona-Krise zugelegt / Vereine und Verbände sehen Berlin als Vorbild
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück In Osnabrück wird die Forderung nach provisorischen Pop-up-Radwegen laut. Berlin und mittlerweile auch einige andere Städte wie etwa Stuttgart haben in der Corona-Krise teilweise Autospuren zu Radwegen umfunktioniert und mit gelben Markierungen sowie Warnbaken abgesperrt. Ziel der Aktionen ist es, in Zeiten der Pandemie mehr Menschen aufs Rad zu locken. In Osnabrück haben nun 14 Vereine und Verbände aus den Bereichen Mobilität , Umwelt und Klima die Stadtverwaltung und den Rat aufgefordert, es diesen Städten gleichzutun. Die Stadtverwaltung prüfe die Frage von Pop-up-Radwegen, sagte Stadtbaurat Frank Otte unserer Redaktion auf Anfrage. Die Initiative hat bereits einen konkreten Vorschlag für eine Straße, die aus ihrer Sicht geeignet wäre für den Vorstoß.

Osnabrück Seit Ende März wurden in Berlin aus einzelnen Autospuren quasi über Nacht Fahrradwege, abgesperrt mit Baustellenpollern und gelben Markierungen. 15 Kilometer umfasst das provisorische Radwegenetz in Berlin bislang. Andere Städte wie etwa Stuttgart folgten diesem Beispiel bereits.

Eine Initiative fordert für Osnabrück nun dasselbe: mehr Platz und Sicherheit für den Radverkehr auf den Straßen der Stadt. Hinter der Forderung, die sich an Stadtverwaltung und Ratspolitiker richtet, stehen unter anderem der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club), Fridays for Future, der VCD (ökologischer Verkehrsclub Deutschland), das Netzwerk nachhaltige Mobilität und viele andere.

Sie weisen in einer gemeinsamen Pressemitteilung auf eine veränderte Verkehrsmittelnutzung seit der Corona-Krise und eine Zunahme des Radverkehrs hin. Es sei an der Zeit, unverzüglich auf diese aktuelle Änderung des Verkehrsverhaltens zu reagieren und kurzfristig und zunächst provisorisch den Verkehrsraum zugunsten des Radverkehrs umzuverteilen″.

Der umwelt- und menschenfreundliche Radverkehr braucht jetzt mehr Platz, deshalb schnell provisorische Radspuren für mehr Sicherheit und Abstand einrichten″, wird etwa Wolfgang Driehaus vom ADFC in dem Appell zitiert. Wann, wenn nicht jetzt handeln und mehr Platz für Radler schaffen?″, fragt Josephine Dai von Fridays for Future″. Gerd Nichtenberg vom VCD findet: Auch ohne Corona brauchen wir mehr Sicherheit für Radler.″ Und Reinhard Stolle vom Aktionszentrum Dritte Welt sagt: Warum soll in Osnabrück nicht möglich sein, was im großen Berlin schon seit Wochen geht?

Stolte, der täglich Fahrrad fährt und kritisiert, wie gefährlich dies in Osnabrück sei, hat die Initiative angestoßen. Thomas Polewsky, der sich seit Jahren zu Verkehrsthemen äußert, hat dann die Organisation des Aufrufes übernommen. Doch warum erst jetzt, wo ihr Vorbild Berlin doch bereits Ende März aktiv wurde? Ich erwarte eigentlich, dass die Politik etwas tut″, sagte Polewsky unserer Redaktion. Mein Eindruck ist aber, dass wegen Corona alles zum Erliegen gekommen ist.″

Als konkreten Vorschlag für einen Pop-up-Radweg nennt Initiator Reinhard Stolle die vierspurige Pagenstecherstraße.

Nach dem tragischen Unfalltod einer 18-jährigen Radfahrerin im Januar plant die Stadt dort bereits, breitere Radwege zu bauen, und ist bereit, dafür Bäume und Parkplätze zu opfern. Vor dem Frühjahr 2021 sei mit einer Umsetzung aber nicht zu rechnen, sagte Stadtbaurat Frank Otte unserer Redaktion im Mai. Ihr könnt gerne planen, wir wollen aber nicht so lange warten″, findet Reinhard Stolle. Da ist Handlungsbedarf.″ Die Voraussetzungen für einen Pop-up-Radweg sind in der Pagenstecherstraße aus seiner Sicht gegeben: zwei Fahrspuren auf jeder Seite und Parkstreifen. Da kann man provisorisch absperren″, findet er.

Das Thema Pop-up-Radwege hatten übrigens auch die Osnabrücker Grünen schon angesprochen, als sie sich zuletzt enttäuscht über die Ergebnisse des aktuellen Klimaschutzberichtes geäußert hatten. Der Bericht hat aufgezeigt, dass die Stadt ihrem selbst gesteckten Ziel, bis 2050 nahezu klimaneutral zu sein, weit hinterherhinkt.

Ein Jahr ist es nun her, dass der Osnabrücker Rat in überraschender Einigkeit ein Maßnahmenpaket verabschiedet hat, um den Radverkehr in der Stadt zu stärken. Das Ziel ist ambitioniert: Osnabrück soll bis 2030 unter die Top Fünf der radverkehrsfreundlichsten Städte Deutschlands vorstoßen und dort bleiben. Basis der Planungen ist der 2017 beschlossene Radverkehrsplan 2030 mit dem Ziel, jeden dritten Osnabrücker aufs Rad zu bekommen. 2018 stockte der Rat das Budget für den Radwegebau auf rund eine Million Euro jährlich auf.

Bildtext:
Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die für September geplante Einrichtung dieses Radstreifens auf dem Kottbusser Damm in Berlin beschleunigt, um den Bürgern einen Anreiz zu geben, auf das Fahrrad umzusteigen.
Foto:
Jörg Carstensen/ dpa

Kommentar
Radfahrer brauchen dauerhaft gute Radwege

Osnabrück will bis 2030 zu den radverkehrsfreundlichsten Städten Deutschlands gehören. Das bedarf einer dauerhaft guten Infrastruktur für Radler und keiner Pop-up-Radwege.

Zumal die Forderung nach diesen provisorischen Radwegen zu spät kommt. Anders als noch im April hat sich das Verkehrsaufkommen in Osnabrück infolge der Corona-Lockerungen fast schon wieder normalisiert. Besser wäre es, solche Straßen dauerhaft umzubauen, damit Autofahrer dort zumindest den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern beim Überholen von Radlern einhalten können.

Allerdings lässt sich eine Stadt wie Osnabrück, die jahrzehntelang ausdrücklich autogerecht sein wollte, nicht über Nacht zu einer fahrradfreundlichen umbauen. Dafür braucht es Zeit und Geld und den Willen zur Veränderung. Vor allem aber kostet es Platz. Da dieser nun einmal begrenzt ist, muss er dem motorisierten Verkehr weggenommen werden, wie es unter anderen der grüne Stadtbaurat Frank Otte seit Langem fordert.

Wer es mit der Verkehrswende ernst meint, muss mehr tun, als gelegentlich den ökologischen Zeitgeist mit ein wenig unverbindlicher Symbolpolitik zu streicheln. Er muss im Rat Entscheidungen treffen, die ihm so mancher Autofahrer sicherlich nicht so schnell verzeihen wird. Ob zum Beispiel die Osnabrücker CDU, die zuletzt bisweilen den Eindruck erweckte, grüner sein zu wollen als die Grünen, dazu tatsächlich bereit sein wird? Das muss sich erst noch zeigen.

j.sanders@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn, Jörg Sander


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