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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
1942 als Deserteur erschossen
Zwischenüberschrift:
Stolperstein für Heinz Hoischen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Zweite Weltkrieg hatte erst vor wenigen Monaten begonnen, als sich Heinz Anton Hoischen freiwillig beim Wehrbezirkskommando meldete. Offenbar wollte er von sich aus Soldat werden. Im Januar 1940 kam er zur Luftwaffe. Zwei Jahre später verurteilte ihn die Militärjustiz zum Tode. Der Osnabrücker war 19 Jahre alt, als er wegen Fahnenflucht und Diebstahls im Wehrmachtsgefängnis Torgau in Sachsen hingerichtet wurde.

Heinz Hoischen war Sohn einer Kaufmannsfamilie, erwohnte in der Krahnstraße und arbeitete als Gartenbautechniker.
Bei den Recherchen für die Stolpersteinverlegung fand sich niemand, der mehr über ihn hätte erzählen können, als in den Akten vermerkt ist. So ist aus seinem zivilen Leben außerdem nur bekannt, dass er ledig und katholisch war.
Über sein Leben als Soldat findet sich ebenfalls nur Offizielles. Er diente in der vierten Kompanie des Flieger-Ausbildungsregiments 33 in Königsberg/ Preußen. Zwischen September 1940 und Juli 1941 musste er mehrmals wegen Diebstahls und Betrugs ins Gefängnis. Details der angeblichen oder tatsächlichen Taten sind nicht überliefert.
Anfang Dezember 1941 fiel das letzte Urteil über Heinz Hoischen. Das Feldgericht verurteilte ihn wegen Fahnenflucht und Diebstahls gleichzeitig zum Tod und einer einjährigen Gefängnisstrafe. Außerdem wurde ihm die Wehrwürdigkeit″ aberkannt. Nach dem Urteil wurde der Osnabrücker in das Wehrmachtsgefängnis Torgau in Sachsen gebracht. Dort wurde er im Januar 1942 hingerichtet.
In Torgau wurden im Zweiten Weltkrieg mehr als 1300 Soldaten erschossen, enthauptet und erhängt, in ganz Deutschland verhängten Wehrmachtsgerichte etwa 30 000 Todesurteile, von denen sie 23 500 vollstreckten. Die Militärjustiz verbreitete Schrecken ganz im Sinne Adolf Hitlers, der gefordert hatte: Der Soldat kann sterben, der Deserteur muss sterben.″ Für Anklagen reichten geringe Anlässe. Brutalität ging vor Recht.
Zum Vergleich: Im Ersten Weltkrieg wurden 50 deutsche Soldaten Opfer der Militärjustiz. Im Zweiten Weltkrieg verurteilten die Amerikaner nur einen ihrer Soldaten zum Tode, die Briten einige wenige.
Bei der Verlegung des Stolpersteins für Heinz Hoischen trug Friederike Erdmann-Meggers ein Gedicht von Wolfgang Borchert vor: Dann gibt es nur eins! Darin geht es um Zivilcourage und die Antwort auf Unrecht: Sag Nein.″

Bildtext:
An der Krahnstraße 38/ 39 wohnte Heinz Anton Hoischen, bis er Wehrmachtssoldat wurde. Die Militärjustiz verurteilte ihn 1941 zum Tod.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine
Die Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor ihren letzten freiwilligen Wohn- oder Wirkungsstätten. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben. Den Stolperstein für Heinz Anton Hoischen verlegten André Beste, Benjamin Cotie, René Oechel, Rico Reinhold und Carsten Ziegert, die die Berufsfachschule Bautechnik des Berufsschulzentrums am Westerberg besuchen. Patin für den Gedenkstein ist Friederike Erdmann-Meggers.
Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen unter Telefon 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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