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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum die Arndtstraße krumm ist
Zwischenüberschrift:
Buch erzählt Geschichten über das Katharinenviertel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Das Katharinenviertel gehört zu den beliebtesten Wohngegenden Osnabrücks. Einst sollte hier sogar ein feudales Lustschloss entstehen. Später fand sich an einer Gartenmauer das Grab eines Hingerichteten. Und 1938 brannte die Synagoge. Von all dem und vielem mehr erzählt ein Buch, das der Bürgerverein Katharinenviertel nun herausgegeben hat. Das Katharinenviertel hat eine bewegte Geschichte″, sagt Manfred Haubrock, Vorsitzender des Bürgervereins Katharinenviertel. 1989 gegründet, hat dieser aktuell 90 Mitglieder. Aber, so Vorstandsmitglied Fred Siemer, teile auch er das Schicksal vieler anderer Vereine: Überalterung. Dabei ist das Viertel beliebt bei seinen Bewohnern und Besuchern ob alt oder jung. Wir wollen als Verein den Zusammenhalt im Viertel stärken″, sagt Siemer.

Deshalb und weil der 30. Geburtstag des Vereins anstand kam 2019 die Idee zu einem Buch über das Viertel auf: Am Anfang waren wir skeptisch, aber je mehr Zeit verging, desto mehr fingen von uns Feuer″, sagt Siemer. Nun ist das Buch , Das Katharinenviertel Vom Gartenland zum Wohnquartier' erschienen, das die Geschichte und Eigenheiten des Viertels von vielen Seiten beleuchten will.

Beispielsweise die Eigenheit der Arndtstraße. Diese verläuft krumm und eben nicht gerade wie die tatsächlich auf grüner Wiese geplanten weiteren Straßen. Doch der Straßenverlauf der Arndtstraße entspricht dem des Fillergang genannten Fußweges. Dieser führte einst vom Heger Tor zur Papiermühle des Fabrikanten Quirll, wo sich heute das Moskaubad befindet. Der Rest der Straßen entstand dann nach Plan auf dem Gebiet, das früher als außerhalb der Stadtmauer gelegenes Gartengebiet diente.

Doch zurück zum Fillerweg, der grausige Geschichte geschrieben hat, wie in dem Kapitel der Historikerin Gabriele Voßgröne zu erfahren ist: Am 30. Mai 1813 wurde hier der Advokat Karl Kamps entlanggeführt. Angeblich hatte er Napoleon und seine Osnabrücker Vertreter die Stadt war seit 1807 von den Franzosen okkupiert beleidigt und wurde dafür zum Tod verurteilt. Sein Hinrichtungsplatz befand sich am heutigen Arndtplatz. Und es wird noch morbider: Als 1879 ein Fabrikant auf Höhe der Arndtraße 15 eine Villa für sich bauen ließ, fand sich an einer alten Mauer ein Grab, von dem bis heute angenommen wird, dass es die letzte Ruhestätte von Kamps war.

Über hundert Jahre zuvor plante Ernst August II, Fürstbischof von Osnabrück, an der Stelle, an der heute etwa der Katharinenspielplatz ist, ein Lustschloss. Gartenland wurde erworben, und die Bauarbeiten waren in vollem Gange, als der Fürstbischof 1728 plötzlich starb. Die Materialien der Bauruine dienten den Bürgern noch über lange Zeit als mehr oder minder legale Quelle für Baumaterial.

Das Lustschloss blieb ein Luftschloss, dafür bauten viele wohlhabende Osnabrücker später im Viertel ihre Villen. So wie die jüdischen Brüder und Unternehmer Flatauer an der Herderstraße 3 und 22. Ihre Häuser, aufgrund der Bauhausarchitektur anfangs oft kritisiert, haben mittlerweile Stadtgeschichte geschrieben.

Wir sind sehr glücklich, dass wir viele verschiedene Autoren gefunden haben, die über Aspekte des Viertels geschrieben haben″, sagt Haubrock. So wie Martina Sellmeyer, die über das jüdische Leben des Viertels und den Brand der Synagoge in der Rolandstraße in der Reichspogromnacht 1938 schreibt oder eben Vereinsmitglied Hartmut Böhm, der sich als direkter Nachbar mit der Geschichte des Hauses Herderstraße 22 auseinandersetzt.

Haubrock hingegen hat sich der Verkehrspolitik gewidmet, denn heute mag man es gar nicht glauben einst galt die Kreuzung Herderstraße/ Katharinenstraße bundesweit als Unfallschwerpunkt Nummer eins. Entstanden sind letztendlich elf Kapitel über das Katharinenviertel. Auch die Themen Wohnungsnot und Gentrifizierung kleine Geschäfte und Werkstätten gibt es im Viertel immer weniger kommen vor. Umso zufriedener sei man seitens des Vereins, dass das Restaurant Fricke Blöcks″ wieder geöffnet hat. Eine bodenständige Kiez-Kneipe hat hier wirklich gefehlt″, sagt Siemer.

500 Exemplare des Buches hat der Verein drucken lassen. Mit einer dritten Auflage würden wir eventuell Gewinn machen″, sagt Hartmut Böhm und lacht. Doch das sei gar nicht der Plan: Das Buch soll den Bewohnern zeigen, warum das Katharinenviertel so ist, wie es ist und kann sie vielleicht dazu animieren, sich selbst zu engagieren″, sagt Manfred Haubrock.

Bildtext:
Das Buch über das Katharinenviertel, erstellt vom Bürgerverein, ist da und die Mitglieder Heinrich Boßmann, Manfred Haubrock, Fred Siemer und Hartmut Böhm (von links) sind stolz.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Corinna Berghahn


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