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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Eduard Köhne provozierte die Nazis
Zwischenüberschrift:
1941 wurde der Osnabrücker in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Stuckateur Eduard Köhne gehörte zu den frühen Opfern der Nationalsozialisten. Acht Monate nach der Machtergreifung 1933 sperrten sie ihn ins Konzentrationslager Börgermoor. Sie ließen ihn wieder frei, doch als er die Machthaber später provozierte, wiesen sie ihn schließlich in die Heil- und Pflegeanstalt am Gertrudenberg ein. 1941 ermordeten sie ihn in Hadamar. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn.

Eduard Köhne war 27 Jahre alt, als die Gestapo eine Karteikarte über ihn anlegte und ihn als notorischen Faulenzer″ erfasste. Bald wurde er wegen Arbeitsverweigerung″ festgenommen. Im September 1933 sperrten Nationalsozialisten ihn in eines der ersten Konzentrationslager im emsländischen Börgermoor. Nach zwei Monaten entließen sie ihn wieder.
1937 fiel er der Gestapo erneut auf. Offenbar hatte er unberechtigt″ ein Parteiabzeichen getragen was die Nationalsozialisten provozierte. Sie verurteilten ihn zu sechs Monaten Haft. Im Jahr darauf schlüpfte er in die Rolle seiner Verfolger: Er gab sich seiner Hauswirtin gegenüber als Gestapo-Beamter, SA-Sturmführer und Ortsgruppenverwalter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) aus. Ein Sondergericht in Hannover verurteilte ihn daraufhin zu drei Monaten Gefängnis.
Doch durfte er anschließend nicht wieder nach Hause am früheren Grünen Brink 1 (heute Neumarkt 9). Stattdessen wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt am Gertrudenberg gebracht.
War Eduard Köhne tatsächlich psychisch krank oder geistig behindert? Diese Frage bleibt offen. Zumindest passte er nicht in die Ideologie der Nationalsozialisten, nach der er bald sogar in die Kategorie unwertes Leben″ geraten sollte.
Adolf Hitler richtete eine Verwaltung an der Tiergartenstraße 4 in Berlin ein, in der Beamte alle Anstaltspatienten erfassten. Der Diktator gab ihnen für die Aktion T4″ eine Tötungsermächtigung″ für psychisch Kranke und geistig Behinderte. Die Machthaber planten Massenmorde, die sie als Euthanasie (Sterbehilfe) beschönigten. Gleichzeitig sprachen sie von Rassenhygiene″.
Im April 1941 war Eduard Köhne einer von vielen unfreiwilligen Fahrgästen in einem Bus von Osnabrück zu einer Zwischenstation in Eichberg.
Sechs Wochen später brachte man die Patienten in die Tötungsanstalt Hadamar. Gleich nach ihrer Ankunft wurden sie mit Gas ermordet. Eduard Köhne war 35 Jahre alt, als er sterben musste.

Bildtext:
Neumarkt 9: So lautet heute die Adresse. Als Eduard Köhne hier lebte, befand sich hier das Haus Grüner Brink 1. Jetzt erinnert ein Stolperstein an den Osnabrücker, der 1941 von Nationalsozialisten in Hadamar ermordet wurde.
Fotos:
Jörn Martens

Stolpersteine
Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich europaweit etwa 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und in der Ukraine. Den Stolperstein für Eduard Köhne verlegten André Beste, Benjamin Cotie, René Oechel, Rico Reinhold und Carsten Ziegert, die die Berufsfachschule Bautechnik des Berufsschulzentrums am Westerberg besuchen. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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