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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das war Mösers Handwerkszeug
Zwischenüberschrift:
Schreiben im Zeitalter der Aufklärung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Das 18. Jahrhundert gilt als die Epoche der Aufklärung. Diese ist in Osnabrück eng verbunden mit der politischen und publizistischen Tätigkeit Justus Mösers (1720–1794). Er stand in einer patriarchalisch-protestantischen Tradition des aufgeklärten Absolutismus.

1716 wählte das Domkapitel Ernst August II. (1674–1728), den jüngsten Sohn des hannoverschen Kurfürsten Ernst August I. (1629–1698), zum Nachfolger des verstorbenen Bischofs Karl von Lothringen 1680–1715). Der neue Herrscher pflegte einen gänzlich anderen Lebensstil als der Vater: Persönliche Bescheidenheit zeichnete ihn aus barockes Repräsentationsbedürfnis nebst Statuskonsum gingen ihm völlig ab. Im Zentrum seiner Regierungstätigkeit stand die gemeine Wohlfahrt″.
Ernst August II. war der letzte Osnabrücker Fürstbischof, der nach seiner Wahl in Osnabrück lebte und persönlich regierte. Er nahm niemals ein Don gratuit an, ohne zu erklären, daß er mit weniger vorlieb nehmen wollte, wenn es der Untertan nicht ertragen könnte″, würdigte ihn Möser posthum und veröffentlichte im Osnabrücker Intelligenzblatt Aufsätze über seine vorbildlichen wirtschaftspolitischen Aktivitäten.
Dazu gehörten ein Kohlebergwerk in Borgloh und die Saline in Rothenfelde. Eine Fayencefabrik in Osnabrück wurde gegründet und im Hüggel nach Silber gegraben. Was konnte er mehr gewinnen als den Vorteil, armen Untertanen Brot zu geben?″, kommentierte Möser. Nach zwölf Jahren endete mit dem Tod von Ernst August II. der Versuch, die beste aller Welten″ in Osnabrück zu verwirklichen. Nur wenig blieb etwa das Rothenfelder Salzwerk, dessen Konkurrenzfähigkeit Möser gegen preußische Dumpingpreise zu sichern wusste.
Hingegen war die Porzellanfabrique″ auch am Mangel verwertbarer Rohstoffe gescheitert. Der Hanauer Fayencemaler J. H. Auer war zum Direktor berufen worden, starb aber schon ein Jahr nach der Ankunft. Das Schreibzeug von 1727 ist das einzige erhaltene Produkt der Osnabrücker Fayencemanufaktur.
Möser knüpfte an Ernst Augusts II. merkantilistische Aktivitäten an. Doch sollte die Beförderung des gemeinen Besten nun auf breiter gesellschaftlicher Basis erfolgen. Das von Möser 1766 initiierte Intelligenzblatt diente diesem Anliegen mit Artikeln, die aktuelle Probleme zur Diskussion stellten und zu patriotischer Initiative anregen wollten. Zeitgenossen äußerten sich begeistert, und Johann Wolfgang von Goethe (1749–1833) spricht davon, dass man bei deren Lektüre zugleich den Geist, den Verstand, die Leichtigkeit, Gewandtheit, den Geschmack und Charakter des Schriftstellers bewundern muß″. Das erhaltene Handwerkszeug des Publizisten Möser stammte freilich nur zum Teil, wenn überhaupt, aus heimischer Produktion: Sein Tintenfass wurde vermutlich im Harz gefertigt, aber vielleicht ist ja sein Sandstreuer von echtem Osnabrücker Holz.

Bildtext:
So schrieb man im 18. Jahrhundert: In der Sammlung Stadtgeschichte ist das Tintenfass von Justus Möser zu sehen daneben der Sandstreuer, den man zum Löschen der schreibnassen Tinte verwendete.
Foto:
Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück
Autor:
Martin Siemsen


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