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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Viel Wahrheit in wenigen Strichen
Zwischenüberschrift:
Vor zehn Jahren starb Fritz Wolf
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Am 23. Dezember 2001 starb in Bad Rothenfelde Fritz Wolf, der begnadete Karikaturist. Sein prägnanter (Zeichen-) Strich verlieh nicht nur der Neuen Osnabrücker Zeitung und den übrigen Zeitungen aus dem heutigen Medienhaus Neue OZ über Jahrzehnte einen ganz besonderen politischen Anstrich. Es war ein feiner, hintergründiger Humor, mit dem der am 7. Mai 1918 in Mülheim an der Ruhr geborene Grafiker das Weltgeschehen begleitete.

Er sticht mit der Feder, aber es fließt kein Blut″ lautete 2003 die prägnante Schlagzeile über eine Ausstellung des Künstlers im Haus der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin. Sie bringt seinen Wesenszug auf den Punkt: Verletzen wollte Fritz Wolf nie. Lächeln, Schmunzeln und amüsierte, leise Zustimmung über soviel Wahrheit in so wenigen Zeichenstrichen ja, das waren und sind in der Regel die Reaktionen auf seine Karikaturen, wie sich nicht nur die heute noch lebenden Weggefährten Fritz Wolfs gerne erinnern. Welche Attribute einen großen Künstler auszeichnen, darüber streiten sich die Geister.
Selbstironie, die Fähigkeit, über sich zu lächeln diese unverzichtbaren Attribute gehörten auch zum Markenzeichen des Karikaturisten. Bei seinen markanten, buschigen Augenbrauen war ihm das Augenzwinkern wohl im Laufe der Jahre wie selbstverständlich in Fleisch und Blut übergegangen...Auch zehn Jahre nach seinem Tod lebt das Erbe. Die Fritz-Wolf-Gesellschaft widmet ihm bis zum 29. Januar 2012 im Osnabrücker Stadthaus eine Gedächtnisausstellung (Schwerpunkt politische Karikaturen) und hat wieder einen neuen Jahreskalender aufgelegt.
Filmsequenzen, die selbst schon antiquarischen Charakter besitzen, fügt Miroslaw Rafinski auf der gerade erschienenen DVD Der Karikaturist″ zusammen. Der Fritz-Wolf-Platz im Herzen Osnabrücks unterstreicht den hohen Stellenwert des Künstlers, der 1983 mit der Justus-Möser-Medaille″ der höchsten Auszeichnung der Stadt Osnabrück schon zu Lebzeiten geehrt wurde. Eine Bronzebüste mit Schiebermütze und Schal auf einer steinernen Stele vermittelt einen Eindruck des Wahl-Osnabrückers″.
Allein diese Aufzählung macht deutlich: Auch heute noch hat Fritz Wolf etwas zusagen. Viele seiner Zeichnungen besitzen erhebliche Strahlkraft.Mit einigem Abstand betrachtet, entfalten die politischen Karikaturen als bewusste, komische Überzeichnungen von gesellschaftlichen Zuständen und Menschen oft nur in einem sehr engen zeitlichen Kontext Wirkung. Der Witz geht schnell verloren, wenn handelnde Personen oder Ereignisse nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar sind. Das ist das traurige Los gerade politischer Karikaturisten. Aus den Augen, aus dem Sinn!
Wolfs brillante Zeichnungen etwa zu deutschen Politik-Größen wie Franz Josef Strauß nur die Älteren verstehen die (Zeichen-) Botschaften. Wer mit dem 1988 verstorbenen bayerischen Politiker nichts (mehr) anzufangen weiß, dem helfen auch die entsprechenden politischen Karikaturen nicht weiter. Wolfs Werke befinden sich in der Nachwirkung weil er am Endes seines Schaffen seinen unendlichen Fundus an Köpfen und Ereignissen zu Papier gebracht hatte. Manches seiner″ Objekte steht noch immer im Rampenlicht.
Beispiel Oskar Lafontaine. Im März 1999 legte der Bundesfinanzminister alle politischen Ämter einschließlich seines SPD-Bundestagsmandats nieder und gefiel sich als Kritiker der rot-grünen Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder. Als Politiker mit markanten Gesichtszügen und Gesten war der Saarländer bei allen deutschen Karikaturisten beliebt. Wolf verpackte den Abtritt Lafontaines in eine spezielle Zeichnung: Mit Ihrem Rücktritt vermindern sich meine Einnahmen als Karikaturist dramatisch.″
Beispiel Christian Wulff. In einem kurzen Statement auf der neuen Wolf-DVD räumt der heutige Bundespräsident ein, dass ihm als Mensch ohne besondere Auffälligkeiten wie Pfeife, kurzer Hals oder Doppelkinn eigentlich genau das fehle, was ein Karikaturist an einem Politiker schätze. Nichts destotrotz nahm sich Wolf Wulff vor.
Mal war es die Wulff-Rolle als politischer Urenkel Konrad Adenauers, mal versohlte Überkanzler Helmut Kohl dem Niedersachsen Wulff den Allerwertesten Reaktion des Älteren auf die Kritik des jungen CDU-Rebellen.
In der Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung ranken sich viele Geschichten um denvor zehn Jahren verstorbenen Karikaturisten: Wenn der frühe Abend kam, stand Wolf unter Dauerstress. Der Chefredakteur wartete schließlich auf die Karikatur des Tages. Alle wussten, dass Wolfs Ehefrau Edith stets seine erste Kritikerin war eine Qualitätskontrolle der ganz familiären Art. Wolf stand auch für kollegiale Hilfe. Freunde, die ihn für private oder halbdienstliche Karikaturen ansprachen, sei es für den Presseball oder Sportpresse-Veranstaltungen, wussten um die Genießerqualitäten des Künstlers. Die Bezahlung erfolgte in Naturalien. Bevorzugt: guter Whiskey″, erinnert sich der heutige Neue OZ-Sportchef Harald Pistorius.

Bildtext:
Meister der Karikatur: Fritz Wolf 1918–2001
Foto:
Michael Hehmann
Mit Ihrem Rücktritt vermindern sich meine Einnahmen als Karikaturist dramatisch.″ Nach dem Rücktritt von Oskar Lafontaine im Jahr 1999 zeigte sich Fritz Wolf als Meister der Selbstironie.
Keine Gnade vor dem Meister: Selbst seine schreibenden Kollegen verschonte Fritz Wolf, jahrzehntelanger Hauskarikaturist der Neuen Osnabrücker Zeitung, nicht.
Krisenfestes Motiv: Zeitgemäßer Christbaumschmuck″
Korrekturbedürftig″: Die NPD-Debatte läuft immer noch.
Noch aktuell: Entwicklungshilfe für Griechenland″.
Dauerthema: Das Auf und Ab beim VfL Osnabrück
Christian Wulff mit Schrittmacher Konrad Adenauer im Hoffnungslauf.
Kanzler Kohl träumt: Lasst mich mal nach Hause kommen...″
Alle Karikaturen:
Fritz-Wolf-Gesellschaft
Autor:
Berthold Hamelmann


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