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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Leben gegen Leben abwägen?
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Niederländer kratzen an Calmeyers Ruf″ und dem Kommentar von Sebastian Stricker Anklage steht auf tönernen Füßen″ (Ausgabe vom 15. April).

Sebastian Stricker weist die holländische Kritik an Calmeyers Tätigkeit für das NS-Regime in Den Haag mit dem Argument zurück, Calmeyer habe mehr als doppelt so viele Juden gerettet, wie er in die Konzentrationslager und damit in den Tod geschickt habe.

Auch Ärzte, die im nationalsozialistischen Euthanasieprogramm mitarbeiteten und nach dem Ende des NS-Regimes angeklagt wurden, bedienten sich dieses utilitaristischen Arguments, das glaubt, die Menge der getöteten Menschen mit den Geretteten verrechnen zu können.

Sie hätten, so verteidigten sich diese Ärzte, einen Teil ihrer Patienten in den Behindertenanstalten nur retten können, indem sie andere auf die Überführungslisten in die Tötungsanstalten setzten.

Von diesem Argument ließ sich der Bundesgerichtshof 1953 nicht beeindrucken. Er hob die Freisprüche unterer Instanzen wieder auf mit der Begründung: , Der herrschenden, von der christlichen Sittenlehre her bestimmten Kulturanschauung widerspricht es, den für die Erhaltung von Sachwerten angemessenen Grundsatz des kleineren Übels anzuwenden und den rechtlichen Unwert der Tat nach dem sozialen Gesamtergebnis abzuwägen, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen.′

Auch wenn die christliche Sittenlehre in der Rechtsprechung heute kaum noch eine Rolle spielt, […] so gelten doch nach wie vor Artikel 1 und Artikel 2 des Grundgesetzes. Die Würde des Menschen und das Recht auf Leben verbieten es, Menschenleben gegeneinander abzuwägen.

Nie darf ein unschuldiger Mensch absichtlich dem Tod preisgegeben werden, um ein anderes Leben zu retten. Insofern steht die holländische Kritik an Calmeyer nicht auf tönernen Füßen. […]″

Prof. Dr. Manfred Spieker
Georgsmarienhütte

Bildtext:
Eine ehemalige Gaskammer in der Gedenkstätte NS- Euthanasie″ in Bernburg. Dort wurden rund 14000 kranke, behinderte und sozial auffällige Menschen in den Jahren 1940 bis 1943 im Zusammenwirken von Ärzten, Juristen, Pflegepersonal und Verwaltungsangestellten durch Gas, Medikamente und Nahrungsentzug ermordet.
Foto:
dpa/ Jens Wolf
Autor:
Prof. Dr. Manfred Spieker


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