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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Papierfabriken steigen aus Kohle aus
Zwischenüberschrift:
Kämmerer und Schoeller wollen jährlich 100000 Tonnen weniger CO2 ausstoßen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück In Osnabrück soll sich der Ausstoß von Kohlendioxid schon bald um mehr als 100 000 Tonnen pro Jahr verringern, weil die Papierfabriken Schoeller und Kämmerer schrittweise aus der Kohleverfeuerung aussteigen. Maßgeblich dafür ist vor allem die angekündigte Verteuerung der CO2-Zertifikate.

Schoeller setzt auf Erdgas, Kämmerer auf Altholz. Beide Unternehmen investieren Millionenbeträge in die Modernisierung ihrer Kraftwerke. Aus demografischen, ökologischen und ökonomischen Gründen wollen wir schrittweise aus der Kohle aussteigen″, kündigt Kai Middeldorf, Werkleiter bei der Felix Schoeller Group, an. In Gretesch werden zurzeit 80 Prozent Kohle und 20 Prozent Gas eingesetzt, um den Dampf- und Strombedarf der Produktionsbereiche zu decken, wie Achim Pape, der Leiter des Versorgungsbetriebes, erklärt. Dieses Verhältnis solle demnächst umgedreht werden.

Die Umstellung sei schon deshalb sinnvoll, weil bei Schoeller heute überwiegend dünnere Papiere produziert würden als in den vergangenen Jahrzehnten. In der Folge bedarf es weniger Energie. Die 30 Jahre alten, mit Kohle und Gas betriebenen Kessel sind nach den Worten von Pape für die heutigen Produktionsbedingungen überdimensioniert und lassen sich im Teillastbereich wirtschaftlich nicht günstig betreiben. Mit einem neuen Gaskessel soll das Kraftwerk an den heutigen Bedarf angepasst werden.

Hohe Investitionen

Einen zweistelligen Millionenbetrag hat das Unternehmen für die mehrstufige Umstellung der Energieversorgung in den nächsten Jahren kalkuliert. Noch in diesem Jahr soll im ersten Schritt ein zusätzlicher, vergleichsweise kleiner Großwasserraumkessel installiert werden, der einschließlich Rohrleitungen, Equipment und Tüv-Abnahme rund 2 Millionen Euro kosten dürfte. Von ihm wird ein deutlich höherer Wirkungsgrad erwartet als vom Kohlekessel, zugleich eine schnellere Reaktion auf Laständerungen. Middeldorf und Pape hoffen, dass die Corona-Krise nicht dazwischenfunkt und die Anlage im Oktober in Betrieb gehen kann. Sie rechnen mit einer direkten CO2-Einsparung von mehr als 30 Prozent.

Nach der Umstellung wird der alte Kohlekessel nur noch für Ausnahmesituationen bereitgehalten. In weiteren Schritten soll die Technik ganz auf Gasbetrieb umgestellt werden. Das ist auch deshalb vorgesehen, weil auf Dauer altersbedingt kein Personal mit einer Ausbildung zum Betrieb des Kohlekessels zur Verfügung stehen wird. Und der große Schornstein von 1987 wird dann nicht mehr notwendig sein. Über seine Zukunft ist zwar noch nicht entschieden, auf Dauer könnte er aber wohl von der Bildfläche verschwinden.

Bei Kämmerer sieht es ähnlich aus. Die Planer erwarten sogar eine CO2-Reduzierung um bis zu 60 Prozent, genauer gesagt, von 130 000 auf 60 000 Tonnen. Bislang wurden die Kessel überwiegend mit Steinkohle und Braunkohle befeuert, zu einem Viertel kamen Ersatzbrennstoffe wie Holzabfälle, Stanzreste und Folien mit in die Wirbelschichtkammer.

In enger Abstimmung mit einem Beratungsunternehmen und dem Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt wurde das Experiment gewagt, den Kessel mit 85 Prozent Kohle und 15 Prozent Ersatzbrennstoffen zu beschicken. Das Ergebnis war noch besser, als wir zu hoffen gewagt haben″, sagt Matthias Pieper, Leiter Technik bei Kämmerer. Sämtliche Auflagen seien erfüllt und alle Grenzwerte, auch für Stickoxide und Staub, deutlich unterschritten worden.

Druck durch Zertifikate

Für den Einsatz von Altholz sei die Anlage aber noch umzurüsten, vermerkt Pieper. Das soll im Laufe dieses Jahres geschehen. Zu diesem Zweck muss der Boden des Kessels umgebaut werden, damit die Düsen nicht verstopfen. Auch die Zuführung des Brennmaterials vom Silo bis zum Kessel erfordert Umbauten. Das Altholz ausrangierte Paletten, geschredderter Sperrmüll und nachweislich unbehandelte Hölzer wird in streichholzschachtelgroßen Bruchstücken angeliefert. Der Technik-Chef betont, dass der Betrieb für einen Übergangszeitraum nicht auf die Steinkohle verzichten könne, um den Verbrennungsprozess in der 15 Meter hohen Kammer steuern zu können.

Auf 4 Millionen Euro beziffert Pieper die Kosten für die Umstellung der Energieversorgung bei Kämmerer. Die Wärmeerzeugung für eine Papierfabrik sei kein Selbstzweck, sondern folge wirtschaftlichen Überlegungen. Ausschlaggebend für die Investition sei die politisch gewollte Verteuerung der CO2-Zertifikate. Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, den CO2-Preis ab Januar 2021 auf zunächst 25 Euro pro Tonne festzulegen. Anschließend soll der Preis schrittweise ansteigen.

Durch den schrittweisen Kohleausstieg bei Kämmerer und Schoeller wird der CO2-Ausstoß in Osnabrück voraussichtlich um etwa 110 000 Tonnen pro Jahr sinken. Nach der Berechnung von Detlef Gerdts, dem Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück, entspricht das ungefähr der zehnfachen Menge, die durch den Betrieb aller Fotovoltaikanlagen im Stadtgebiet eingespart wird.

Die Stadt Osnabrück, die sich zur Reduzierung der Treibhausgase verpflichtet hat, kann sich die CO2-Minderung von Schoeller und Kämmerer allerdings nicht auf ihr Konto verbuchen lassen, denn die Emissionen solcher Industriebetriebe werden deutschlandweit angerechnet.

Bildtext:
Für 4 Millionen Euro will Kämmerer das Kraftwerk umbauen. Statt Kohle soll Altholz verbrannt werden.
Foto:
David Ebener

NOZ vom 17.4.2020

Sorry

Falsche Zahlen: Dass die beiden Osnabrücker Papierfabriken Schoeller und Kämmerer schrittweise aus der Kohleverfeuerung aussteigen, war in unserer gestrigen Ausgabe nachzulesen. Leider waren in unserem Bericht zwei Zahlen vertauscht, die das genaue Gegenteil nahelegten. Richtig muss es heißen, dass bei Kämmerer in einem erfolgreichen Versuch eine Mischung aus 85 Prozent Altholz und 15 Prozent Kohle verbrannt wurde. Das Unternehmen investiert 4 Millionen Euro in eine Energieversorgung mit geringerem CO2-Ausstoß
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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