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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Immerhin: Die Luft wird sauberer
Zwischenüberschrift:
Corona-Krise: Maßnahmen führen zu weniger Verkehr auf Osnabrücks Straßen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Aufgrund der Coronakrise sind in Osnabrück deutlich weniger Autos und Busse unterwegs. Ist die Luftqualität damit automatisch besser? Am 1. März hatte es in Osnabrück den ersten Quarantänefall gegeben. Mitte März wurde das öffentliche Leben in Stadt und Landkreis weitgehend heruntergefahren. Die meisten Geschäfte sind seither dicht, Schulen und Kitas geschlossen, weniger Busse fahren, VW fuhr die Produktion herunter.

Und tatsächlich: Bis Mitte März sank die Stickstoffdioxidbelastung an der Messstation am Schlosswall deutlich. Am 16. März waren dort noch 52 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft (µg/ m³) im Tagesmittel gemessen worden. Bis zum 22. März sank der Wert auf 9 Mikrogramm. Die EU begrenzt den Jahresmittelwert auf 40 µg/ m³.

Aber: Obgleich dort weniger Autos unterwegs sind Busse fahren am Schlosswall nicht –, stieg die Belastung bis zum 30. März wieder auf 41 und bis zum 6. April auf 44 Mikrogramm. Wie ist das zu erklären?

Dass sich die Coronakrise positiv auf Klima und Luftqualität auswirke, liege auf der Hand, erklärt Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Klimaschutz und Umwelt. Eine Auswirkung ist sicher vorhanden.″ Aber nicht nur der Verkehr fließt in die Messung ein; auch wetterbedingte Faktoren wie Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Temperatur beeinflussen die Schadstoffkonzentration. Alles müsse gleichzeitig interpretiert werden und das sei derzeit noch kaum möglich. Dazu ist ein längerer Betrachtungszeitraum nötig″, sagt Gerdts.

Zudem bleibe der Autoverkehr derzeit ja nicht gänzlich aus. Betrachtet man den 30. März mit 41 Mikrogramm im Tagesmittel, zeigt sich: Im morgendlichen Berufsverkehr war die NO2-Belastung am Schlosswall am besagten Tag hoch: 70 Mikrogramm um 8 Uhr, 68 um 9 Uhr. Bis 14 Uhr sank sie auf 29 Mikrogramm.

Inwieweit der deutlich verminderte Verkehr seit Einführung der Verschärfungen zur Senkung der NO2-Werte geführt hat, wird sich in Mikrogramm erst in einigen Monaten sicher sagen lassen, weil sich dann die kurzfristig wirkenden Wetterfaktoren ausgleichen″, erklärt Gerdts.

Inwieweit sich der reduzierte Verkehr auf die Belastung am Neumarkt auswirkt, ist unklar. Messdaten liegen nur bis Anfang März vor, als das Leben in Osnabrück noch seinen gewohnten Gang nahm.

Allerdings gibt es am Neumarkt seit Anfang des Jahres einen zweiten Passivsammler, der die NO2-Belastung misst. Bisher wurde dort nur direkt an der Busspur gemessen. Der zweite und neue misst näher am Gebäude dort, wo sich Menschen aufhalten. Direkt an der Straße ist die NO2-Konzentration im Januar und Februar zwischen 1, 2 und 4, 9 Mikrogramm höher gewesen als in Gebäudenähe.

In Osnabrück wird der NO2-Grenzwert von 40 Mikrogramm im Jahresmittel seit Jahren verfehlt. Am Neumarkt waren es 2019 44 Mikrogramm. Am Schlosswall wurde der Wert hingegen das erste Mal seit Beginn der Messung mit 38 µg/ eingehalten. Allerdings muss der Wert überall eingehalten werden.

Trotz dieser positiven Entwicklung hatte die Deutsche Umwelthilfe gerade erst ihre Drohung wahr gemacht und beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg Klage gegen Osnabrück eingereicht. Ihr genügt nicht, was die Stadt zur Verbesserung der Luftqualität tut, der geltende Luftreinhalteplan müsse verbessert werden. Weiterhin fordert die Umwelthilfe ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge auf stark belasteten Straßen. Allerdings war die DUH noch vom vorläufigen Wert von knapp 46 Mikrogramm ausgegangen statt der derweil offiziellen 44 Mikrogramm. Die Osnabrücker SPD kritisiert in einer Mitteilung, die Stadt könne durch ein schnelleres und konsequenteres Handeln in Sachen Luftreinhaltung und Verkehrswende schon viel weiter sein″.

Ich glaube, dass der Grenzwert in diesem Jahr eingehalten wird″, sagt Gerdts zuversichtlich. Alte Dieselbusse der Stadtwerke wurden nachgerüstet, die E-Bus-Flotte wird ausgebaut. Die geplante umweltsensitive Ampelsteuerung soll die Belastung ebenfalls verringern. Radwege werden ausgebaut, Lastenräder nun gefördert.

Wie deutlich das Herunterfahren des öffentlichen Lebens und Ausgangssperren das Klima beeinflussen können, hatten Satellitenbilder aus China gezeigt: Ein Rückgang des Stickstoffdioxid-Ausstoßes war deutlich erkennbar.

Doch auch hier ein Aber: Denn in diesem Zeitraum rund um das chinesische Neujahrsfest ist dieser Effekt alljährlich zu beobachten. Diesmal hielt er allerdings deutlich länger an.

Bildtext:
In Osnabrück sind in der Corona-Krise weniger Autos auf den Straßen unterwegs wie hier auf dem Wall.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Jörg Sanders


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