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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Solar-Schwebebahn nimmt hohe Hürde
 
Sunglider nimmt große Hürde
Zwischenüberschrift:
Fahrerlose Solar-Schwebebahn für Osnabrück: Machbarkeit wird untersucht
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Es ist noch kein Jahr vergangen, seit Unternehmer um den Professor Dieter Otten die Revolution im öffentlichen Nahverkehr″ ankündigten: eine autonom fahrende Hochbahn mit Elementen aus dem 3-D-Drucker. Die Urheber tüfteln bereits an einem Modell.

Osnabrück Wird aus der Osnabrücker Sunglider-Vision tatsächlich Wirklichkeit? Mit viel Geld vom Land soll die Idee einer fahrerlosen Solar-Schwebebahn aus dem 3-D-Drucker jetzt genauer untersucht werden. Ihre Urheber tüfteln bereits an einem Modell.

Es ist noch kein Jahr vergangen, seit Osnabrücker Unternehmer um den Professor Dieter Otten die Revolution im öffentlichen Nahverkehr″ ankündigten: eine autonom fahrende Hochbahn, deren Züge zu großen Teilen aus dem 3-D-Drucker stammen. Angetrieben durch selbst erzeugten Solarstrom und entlang aufgestelzter Schienen über den Straßen schwebend, soll der sogenannte Sunglider (deutsch: Sonnengleiter) eines Tages sowohl Personen als auch Güter befördern. Einen ersten Entwurf für ein regionales Liniennetz gibt es bereits.

Jetzt kommt das visionäre Sunglider-Projekt in der Realität einen Schritt vorwärts. Unabhängige Spezialisten aus verschiedenen Bereichen sollen es am Beispiel von Osnabrück auf technische Machbarkeit abklopfen. Für die von den Stadtwerken Osnabrück koordinierte Untersuchung ist nach Recherchen unserer Redaktion knapp eine Million Euro veranschlagt. Die Hälfte der Kosten übernimmt das Land.

Niedersachsen hat sich dem Klimaschutz verschrieben und will die Energiewende voranbringen. Dazu ist es notwendig, dass auch im Verkehrssektor die Treibhausgas-Emissionen reduziert werden″, teilt das Umweltministerium in Hannover dazu auf Anfrage mit. Der solarbetriebene Sunglider zeichne sich durch umfassenden Einsatz von Fotovoltaik aus: Wo immer möglich, sollen Module zur Sonnenstrom-Gewinnung in Fahrzeuge und Fahrweg eingebaut werden. Hier sind Antworten darauf zu erwarten, was bei konsequenter Flächennutzung an Leistung realisiert werden kann. Diese Antworten sollten unabhängig von der Realisierung des Systems übertragbar und nutzbar sein.″

Darüber hinaus verspreche der Sunglider-Ansatz eine Lösung des Platzproblems in bestehenden Städten″, heißt es weiter. Die Nutzung der sogenannten Plus-eins-Ebene, womit der Raum über der Straße gemeint ist, lasse weniger Probleme erwarten als der aufwendige Bau von U-Bahnen″. Dass die autonom fahrende Solar-Schwebebahn den Planern zufolge am Boden um moderne elektrische Verkehrsmittel wie Minibusse und Sharing-Fahrzeuge (Stadtteilautos, Mieträder und E-Scooter) ergänzt werden soll, rechtfertigt aus Sicht des Ministeriums ebenfalls eine genauere Betrachtung. Hier lasse die Untersuchung Antworten erwarten, die auch verwertbar sind, wenn das Sunglider-System nicht wie angedacht realisiert wird″.

Vor diesem Hintergrund habe das Land bereits Ende 2019 einem Antrag der Stadtwerke Osnabrück auf finanzielle Förderung der technischen Machbarkeitsstudie zugestimmt. Niedersachsen erklärt sich demnach bereit, 50 Prozent der kalkulierten Gesamtkosten von 974 980 Euro zu tragen. Für die übrigen 487 490 Euro müssen Stadtwerke und die Osnabrücker Sunglider AG selbst aufkommen. Wie ist allerdings unklar.

Über die Höhe des jeweiligen Eigenanteils wird noch verhandelt″, sagt Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes. Ohnedies genieße das Projekt wegen der Corona-Krise zurzeit keine Priorität. Wahrscheinlich sei, dass erst in der zweiten Jahreshälfte mit der Sunglider-Untersuchung begonnen werden könne.

Unabhängige Prüfung

Nach Informationen unserer Redaktion ist vorgesehen, dass die Stadtwerke sich mit einer Vollzeitkraft um die Steuerung und Betreuung der Machbarkeitsstudie kümmern. Antworten auf alle technischen Fragen, die sich bei der neuartigen Solar-Schwebebahn stellen, sollen dann verschiedene Gewerke mit entsprechender Expertise liefern. Werner Linnenbrink, Leiter der Stadtwerke-Abteilung Mobilitätsangebot, versichert: Die Prüfung erfolgt unabhängig und neutral. Es gibt kein vorgefertigtes Ergebnis auch wenn wir als Stadtwerke den Sunglider in vielerlei Hinsicht für eine spannende Idee halten.″ Die Sunglider-Machbarkeitsstudie stelle zudem keine standardisierte Bewertung dar, die verlässliche Aussagen über das Verhältnis von Kosten und volkswirtschaftlichem Nutzen trifft.

Bei der Sunglider AG laufen indes trotz Corona-Krise die Arbeiten am Projekt weiter. Wir sind natürlich sehr enttäuscht, dass sich die Machbarkeitsstudie jetzt um viele Monate verzögert″, sagt Aufsichtsrat und Projektentwickler Ulrich Hartwig. Aber wir geben nicht auf.″ Seit wenigen Wochen verfüge das Unternehmen bereits über ein virtuelles 3-D-Modell des Zuges in verschiedenen Ausführungen. Demnächst soll es sogar eine Sunglider-Version zum Anfassen im Maßstab 1: 20 geben inklusive Trasse.

Bildtext:
So stellen sich die Erfinder des Sunglider ihre Solar-Schwebebahn in der Realität vor: Das Bild zeigt einen Passagierwaggon hoch über der Osnabrücker Martinistraße. Über das Aussehen der aufgestelzten Schienentrasse, an der die Züge hängen sollen, verrät es freilich noch nichts. Dazu sollen demnächst erste Entwürfe folgen.
Fotomontage:
Sunglider AG

Kommentar
No risk, no Sunglider

Der Plan, eine fahrerlose Solar-Schwebebahn für unsere Region zu entwickeln, macht Fortschritte. Binnen weniger Monate ist es den Sunglider-Erfindern aus Osnabrück gelungen, nicht nur die Stadtwerke für das vom Rat protegierte Megaprojekt zu begeistern, sondern auch das Land Niedersachsen. Beide Institutionen nehmen die ÖPNV-Vision ernst genug, um gemeinsam viel Zeit, Geld und Mühe in die Untersuchung der technischen Machbarkeit stecken zu wollen. Respekt für diesen Etappensieg! Zwar ist mit Ergebnissen der Studie, die unter normalen Umständen noch 2020 zu erwarten gewesen wären, wegen der Corona-Krise erst später zu rechnen. Doch ausbremsen lassen sich die Väter der Sunglider-Idee dadurch nicht. Sie wollen weiter an ihrem Vorhaben tüfteln: am Computer, wo mithilfe einer weltweiten Freiwilligenschar von Designern bereits tragfähig erscheinende Entwürfe für Schwebebahn-Fahrzeuge entstanden sind und wo nach demselben Prinzip bald dreidimensionale Zeichnungen einer auf Stelzen stehenden und mit Fotovoltaik-Anlagen überdachten Schienentrasse folgen sollen. Aber auch in Wirklichkeit wird weiter am Sunglider gefeilt, damit aus den virtuellen Modellen möglichst schnell auch solche werden, die man anfassen, vorführen und im kleinen Maßstab testen kann. Immer vorausgesetzt, dem Start-up geht unterwegs nicht finanziell die Puste aus. Weshalb es wohl jetzt mehr denn je darauf ankommt, dass die kleine Aktiengesellschaft genügend Investoren findet, die an das neuartige Verkehrsmittel made in Osnabrück glauben. Mag es von manchen Zeitgenossen auch weiterhin als Luftschloss abgetan werden: Die Devise lautet No risk, no Sunglider″.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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