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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Mal was Neues: Maiwoche im September?
Zwischenüberschrift:
Verbot der Landesregierung macht Veranstalter erfinderisch
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Das Generalverbot großer Veranstaltungen reizt die Kreativität Osnabrücker Veranstalter. Christoph Sierp, einer der Macher der Maiwoche, schlägt eine Verschiebung in den Spätsommer vor. Septemberwoche statt Maiwoche? Man mag darüber schmunzeln, aber den Veranstaltern ist zurzeit überhaupt nicht nach Lachen zumute.

Über allen Großveranstaltungen standen bis Mittwochmittag große Fragezeichen, jetzt sind sie weg: Sozialministerin Carola Reimann hat wegen der Corona-Krise alles verboten, was mehr als 1000 Besucher anlockt. Das betrifft auch Maiwoche, Schlossgarten-Open-Air, Jahrmarkt und Konzerte in der Osnabrück-Halle. Nach den Buchstaben des Ministererlasses gibt es für die beliebten Events wohl kein Entrinnen mehr. Dennoch prüften die Rechtsämter von Stadt und Landkreis am Mittwochabend lange jedes Wort in dem Erlass darauf, ob noch was zu retten ist.

Die Entwicklung an der Corona-Front änderte sich gestern fast stündlich. Maiwochen-Unternehmer Christoph Sierp hatte am Vormittag eine leise Ahnung, was auf die Branche zukommen kann. Die Corona-Krise bestimme alle Gespräche, sagte er unserer Redaktion. Die Sorge sei groß, dass die gesamte Festival-Saison dem Virus zum Opfer fallen könnte. Die Planungen für die Maiwoche treibe er aber wie gewohnt voran. Das Risiko bleibe, Absicherungen könne er nicht einbauen.

Im Laufe des Nachmittags nahmen seine Planungen dann eine neue Richtung. Nach dem Verbot aus Hannover brachte Sierp im Kollegenkreis und bei der Stadt den Gedanken ins Spiel, die Maiwoche in den September zu verschieben. Das wäre die kostengünstigste Lösung″, sagte Sierp. Die Diskussion ist eröffnet.

Und der Jahrmarkt?

Darf der Jahrmarkt in Osnabrück stattfinden? Wir hoffen es sehr!″, sagte Bernhard Kracke, der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Weser-Ems. Unter den Schaustellern mache sich schon Verzweiflung breit, weil in den vergangenen Tagen viele Volksfeste in Nordrhein-Westfalen abgesagt wurden. Jetzt zieht Niedersachsen nach, und die Kirmes-Profis fürchten um ihre Existenz.

Outdoor-Veranstaltungen sind anders zu bewerten als Indoor-Veranstaltungen″, meint Kracke, die Besucher seien an der frischen Luft, hielten mehr Abstand zueinander, sie kämen aus der Region und nicht aus Krisengebieten. Für den Osnabrücker Jahrmarkt, der nach den Schätzungen der Schausteller bisher von 120 000 bis 150 000 Besuchern aufgesucht wurde, seien wegen der Corona-Krise allenfalls 70 000 Besucher zu erwarten, kalkuliert der Vorsitzende. Das sei immer noch besser als eine Absage.

Noch nie habe er eine so schlechte Stimmung unter den Schaustellern wahrgenommen, sagte Kracke. Gestandene Männer, die große Karussells aufbauen könnten, hätten Angst um ihre Existenz. Schließlich müssten sie ihre Fixkosten wie Darlehn und Krankenversicherungen ja weiterzahlen.

Ticketverkauf bricht ein

Was jetzt passiere, sei ein gewaltiger Schlag″ für die ganze Branche. Es gehe nicht um Umsatzrückgänge, sondern um einen Totalausfall. Seine Kollegen, so Kracke, hätten seit den Weihnachtsmärkten keine Einnahmen mehr erzielt. Wenn das so weitergehe, sei das der Ruin für viele Schaustellerbetriebe. Nicht zu vergessen sei aber auch, dass Volksfeste zugleich Umsatzbringer für andere Branchen wie Gastronomie und Einzelhandel seien.

Eng wird es auch für Konzertveranstalter. Christoph Hengholt, Geschäftsführer der Goldrush Productions GmbH und der Rosenhof GmbH, sowie Guido Remmert, einer der Geschäftsführer der Zukunftsmusik GbR, bestätigten, dass der Kartenvorverkauf eingebrochen ist. Hengholt: Es kommen sogar weniger Besucher zu den Veranstaltungen, obwohl Tickets verkauft wurden.″

Hengholt sagte, er finde es schwierig, über Veranstaltungen zu sprechen, die erst Ende August stattfinden. Das von Goldrush veranstaltete Schlossgarten Open Air ist für den 28. und 29. August terminiert. Aktuell gibt es keine Absagen. Das gilt auch Stand Mittwochabend, 19 Uhr für die Konzerte von Max Giesinger am 28. März und Juju am 4. April. Beide Konzerte finden in der Osnabrück-Halle statt. Dort werden jeweils mehr als 1000 Menschen erwartet. Im Hintergrund laufen Gespräche über eine mögliche Verlegung in den Herbst. Die Osnabrück-Halle hat auf ihrer Internetseite alle Veranstaltungen gekennzeichnet, die von einer Verlegung oder Absage betroffen sein können.

Unklare Vorgaben

Zehn bis zwölf Veranstaltungen müsse die Agentur von Guido Remmert in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen absagen, berichtete er. Remmert zeigte sich wie viele andere Veranstalter genervt. Der Stand der Dinge ändere sich täglich. Man hängt in der Luft, was total unbefriedigend ist.″ Auch der Popsalon, der vom 16. bis 18. April stattfindet, steht auf der Kippe. Bei dem Festival spielen an verschiedenen Orten in Osnabrück Bands aus Deutschland, Großbritannien, Österreich, den USA und Island. Und die Besucher kämen aus Corona-Hotspots″ in NRW, wie Remmert sagte. Er kritisierte die Behörden scharf. In dem Erlass der Ministerin habe es bis auf Weiteres″ geheißen. Damit kann ich nicht arbeiten″, sagte er. Eventuell ist auch der Auftritt von Gerburg Jahnke am 7. Mai in der Osnabrück-Halle betroffen.

Schon früh hatte der Verein Venner Folk Frühling e. V. die Reißleine gezogen. Anfang der Woche wurde das Festival im Mai abgesagt, um finanzielle Risiken zu vermeiden.

Bildtext:
Die Maiwoche wird nicht im Mai stattfinden. Fällt sie aus, oder wird sie verschoben?
Archivfoto:
Jörn Martens
Autor:
Wilfried Hinrichs, Thomas Wübker


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