User Online: 1 | Timeout: 09:24Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Dreimal mehr Bäume tot als vor zwei Jahren
 
So schlecht geht es den Stadtbäumen
Zwischenüberschrift:
Der Dauerregen kam zu spät: Trockenheit und Schädlinge fordern ihren Tribut
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Trockenheit und Schädlinge haben den Osnabrücker Stadtbäumen zugesetzt, und dazu gibt es nun auch Zahlen: Rund 600 Exemplare haben die Mitarbeiter des Osnabrücker Servicebetriebes (OSB) bei ihrer Baumbeschau im Herbst 2019 als absterbend bis tot″ verzeichnet mehr als dreimal so viele wie noch 2017. Es handelt sich sowohl um Bäume in Parkanlagen und auf Friedhöfen als auch um die Bäume, die die Osnabrücker Straßen säumen. Gerade bei den Straßenbäumen sind die Klimaschäden besonders groß: Dort sind fünfmal so viele Exemplare betroffen wie noch vor zwei Jahren. Die Baumpfleger des OSB sind derzeit mit der Säge im Dauereinsatz, obwohl im März die Schonzeit begonnen hat. Eine Baumart könnte sogar ganz aus der Stadt verschwinden, fürchtet der fürs Stadtgrün zuständige Abteilungsleiter.

Osnabrück Wenn es um die Zukunft der Kastanie geht, ist Thomas Maag, Abteilungsleiter Stadtgrün beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB), nicht sehr optimistisch. Kastanien werden uns eines Tages verlassen haben″, vermutet der gelernte Gartenbau-Ingenieur. Sie sterben nicht wegen der Trockenheit der beiden vergangenen Sommer, sondern an der sogenannten Komplexkrankheit, die durch Bakterien hervorgerufen wird.

Die Krankheit ist eingeschleppt worden aufgrund des Klimawandels″, sagt Maag, der seit 33 Jahren bei der Stadt arbeitet. Die kannte ich zu Beginn meiner Laufbahn noch nicht.″ An der Lerchenstraße und am Pappelgraben haben seine Kollegen Kastanien fällen müssen.

Derzeit regnet es gefühlt endlos, doch für Hunderte Bäume kommt das zu spät. Sichtbar sind derzeit vor allem Schäden aus dem Dürrejahr 2018, erläutert Maag. Die Schäden von 2019 würden sich erst im Frühjahr zeigen, wenn die Bäume frisch austrieben oder eben nicht. Das ist ein dynamischer Prozess″, sagt Maag. Das hört nicht auf.″

Im Herbst hatten die OSB-Mitarbeiter jedem der 20 000 Straßenbäume und 40 000 Bäume in Grünanlagen und auf Friedhöfen einen Besuch abgestattet. 2017 verzeichneten sie bei der jährlichen Kontrolle noch 174 Bäume als absterbend bis tot″. 2019 sprang die Zahl auf 600.

Maag ist bemüht, diese Zahlen einzuordnen: Nicht alle der 600 kaputten Stadtbäume hatte der OSB in den Vorjahren gefällt, sodass sich die Schäden zum Teil angehäuft haben. Auch seien nicht alles Trockenheitsschäden, betont Maag, manche Schäden seien auch Krankheiten geschuldet so wie eben bei der Kastanie. Trotzdem ist die Tendenz eindeutig.

230 bis 250 der abgestorbenen Stadtbäume sind Straßenbäume. Das sind fünfmal so viele wie 2017, da waren nur 50 in einem desolaten Zustand. Kein Wunder: Der Straßenstandort an sich ist ja schon halb trocken und per se wie ein Steppenstandort″, so Maag. Es könnte sein, dass wir weitere Trockenjahre haben. So schnell kann ich gar nicht nachpflanzen.″Sägen trotz Schonzeit

Neun Baumpfleger sind seit dem Herbst mit der Säge im Dauereinsatz. Obwohl am 1. März die Schonzeit für Gehölze begonnen hat, fällen sie immer noch Bäume in der Stadt oder sägen abgestorbene Äste ab. Sie dürfen das, wenn es sich um unaufschiebbare Verkehrssicherungsmaßnahmen″ handelt, wie es im Beamtendeutsch heißt, kurz: wenn ein abgestorbener Baum umzufallen oder Äste abzuwerfen droht.

In Wahrheit sind die Schäden noch größer, denn die Bäume in den städtischen Wäldern sind nicht im Stadtbaumkataster erfasst. Mehr als 100 verdurstete Buchen hat die Stadt vorigen Herbst auf dem Schölerberg gefällt und rund 50 auf dem Schinkelberg. Eine gute Nachricht: Die Bäume im Natruper Holz wiesen fast gar keine Schäden durch Trockenheit auf.

Bei den 60 000 im Baumkataster erfassten Bäumen ist die Birke am stärksten betroffen, gefolgt von Buche, Hainbuche, Eiche und Linde. Nicht alle werden sofort gefällt, das entscheidet der OSB je nachdem, ob von dem abgestorbenen Baum eine Gefahr für Straßenverkehr und Spaziergänger ausgeht oder nicht.

Apropos Gefahr: Noch ist unklar, wie sehr der Eichenprozessionsspinner den OSB in diesem Jahr wieder beschäftigen wird. Der Februar war sehr feucht. Bleibt es so, sieht es gut aus. Ein feuchtes kaltes Frühjahr mögen die nicht″, erläutert Maag. Den Bäumen hingegen, die nicht schon zu stark geschädigt waren, hat der Regen geholfen. Aber gerade für die Jungbäume bedeutet das keine Sicherheit″, warnt der Experte. Deren Wurzeln ragen noch nicht so tief in den Boden.″ Sie sind es, auf die der OSB bei extremer Trockenheit den Fokus beim Wässern legt. Ältere Bäume müssen selbst klarkommen.

Muss ein Baum gefällt werden, gibt es Ersatz. Auch wenn die Kastanie derzeit sehr empfindlich ist, schließt Maag nicht aus, neue Exemplare zu pflanzen, wenn es zum Beispiel um einzelne Bäume in einer ganzen Reihe geht. Schließlich gehe es auch um die Optik. Wenn ich eine Eichenallee habe, macht es wenig Sinn, da eine Birke hinzupflanzen.″ In der Lerchenstraße, wo der OSB Ende Januar elf Kastanien gefällt hat, haben die Baumpfleger Esskastanien nachgepflanzt. Die sehen, obwohl sie eine völlig andere Art sind, ähnlich aus, gelten aber als robuster.

Es gibt Listen mit empfohlenen Baumarten, die die Gartenamtsleiterkonferenz beim deutschen Städtetag entwickelt und regelmäßig herausgibt. Daran orientieren sich Maag und seine Kollegen. Bei jedem Standort entscheiden sie aber individuell, welcher Baum am besten passt. Maag: Artenvielfalt ist immer noch das A und O.″

Bildtexte:
Das war einmal eine stattliche Mehlbeere in der Osnabrücker Schlossstraße. Am Mittwoch wurde sie gefällt.
Unter anderem in der Lerchenstraße hat der OSB Ende Januar mehrere Kastanien fällen müssen. Inzwischen wurde Ersatz gepflanzt.
Fotos:
Jörn Martens, Archiv/ Westdörp

Kommentar
Radwege oder Straßenbäume?

Wann immer in Osnabrück stattliche Bäume gefällt werden, ist der Aufschrei groß. Bei den Exemplaren, die in den vergangenen beiden Jahren vertrocknet und abgestorben sind, hat die Stadt keine Wahl. Doch so langsam deutet sich auch ein generelles Umdenken im Rat an.

An der Pagenstecherstraße sind sogar die Grünen bereit, Bäume zugunsten von besseren Radwegen zu opfern. Zusammen mit der CDU/ BOB-Fraktion haben sie vorgeschlagen, die Pagenstecherstraße nach dem tödlichen Unfall einer Schülerin zur Vorzeigeroute für Radfahrer zu machen.

In eine ähnliche Richtung geht ein weiterer Antrag der Grünen: Wenn schon Straßenbäume wegen Klimaschäden gefällt werden müssen, dann soll sich die Stadt genau überlegen, ob es Sinn macht, Ersatz an genau derselben Stelle zu pflanzen, und ob es nicht sinnvoller wäre, stattdessen lieber Radwege zu verbreitern. Die neuen Bäumchen die es auf jeden Fall geben soll könnten ja auch etwas versetzt gepflanzt werden, argumentieren die Grünen.

Der Vorschlag ist grundsätzlich sinnvoll. Wichtig ist aber vor allem, dass es auch weiterhin im Straßenraum Ersatz gibt. Es darf nicht unterschätzt werden, wie wichtig die Bäume als Schattenspender und auch rein optisch sind mal ganz abgesehen davon, dass sie Insekten und Vögeln einen Lebensraum bieten.

Das sollte sich übrigens jeder vor Augen halten, der meckert, wenn ihm ein Baum vor die Tür gesetzt wird, der nach seinem Geschmack zu viel Laub, Pollen oder Früchte abwirft. Die 600 abgestorbenen Stadtbäume sind Opfer des Klimawandels und um diesem entgegenzuwirken, sind wiederum Bäume unverzichtbar. Gerade auch vor der eigenen Haustür.

s.dorn@ noz.de

Die häufigsten Stadtbäume

Bäume an Straßen:

21 % Eiche

19 % Linde

12 % Ahorn

8 % Hainbuche

8 % Platane

33 % andere

Bäume in Grünanlagen:

17 % Eiche

13 % Ahorn

10 % Hainbuche

7 % Birke

7 % Linde

6 % Erle

6 % Weide

6 % Kirsche

35 % andere

Stand: Dezember 2006, Quelle: Osnabrücker Servicebetrieb (OSB)
Autor:
Sandra Dorn


Anfang der Liste Ende der Liste