User Online: 5 | Timeout: 21:47Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Was geschieht in der Johannisstraße?
 
Johannisstraße: Ist die Rettung nah?
Zwischenüberschrift:
Was das Sofortprogramm bislang bewirkt hat
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Im September hat der Rat ein Sofortprogramm zur Rettung der Johannisstraße beschlossen. Sechs Monate später ließ sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt informieren, was inzwischen umgesetzt wurde. Leerstandsmonitoring und Zwischennutzungen, ein Quartiersmanagement und ein Kunstprojekt, Außengastronomie und konsequente Straßenreinigung stehen auf der Agenda, die Claas Beckord, Leiter des Projektmanagements Neumarkt, für die Johannisstraße abarbeitet. Als sichtbares Zeichen sind kürzlich Blumenkübel und Bänke aufgestellt worden. Aber was geschieht eigentlich auf längere Sicht?

Osnabrück Blumenkübel und Bänke als Zeichen des guten Willens das ist die erste sichtbare Maßnahme, die auf das Sofortprogramm Johannisstraße zurückgeht. Ob die von den Anliegern herbeigesehnte Neugestaltung der Straßenoberfläche noch in diesem Jahr beginnen kann, ist allerdings fraglich.

Leerstandsmonitoring und Zwischennutzungen, ein Quartiersmanagement und ein Kunstprojekt, Außengastronomie und konsequente Straßenreinigung stehen auf der Agenda, die Claas Beckord, Leiter des Projektmanagements Neumarkt, für die Johannisstraße abarbeitet. Sechs Monate sind vergangen, seit der Rat auf Antrag der Grünen das Sofortprogramm für die vom Abwärtssog bedrohte Einkaufsstraße beschlossen hat. Über den Sachstand ließ sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt jetzt von Beckord informieren, ohne allerdings eine längerfristige Perspektive in den Blick zu nehmen.

Wie soll die Straße demnächst aussehen? Nach den schlechten Erfahrungen mit verschiedenen Pflasterungen, die dem Gewicht der Busse nicht standhielten, soll eine andere Straßenoberfläche her: Die Johannisstraße soll auf dem nördlichen Abschnitt bis zur Süsterstraße ebenso wie der Neumarkt mit grauem Streifenbeton versehen werden. Eigentlich sollten diese großformatigen Platten zumindest teilweise schon verlegt sein. Die Arbeiten wurden aber kurzfristig gestoppt, weil Zweifel an der Tragfähigkeit der Betonelemente bestehen. Auf dem Rosenplatz, wo vor einigen Jahren erstmalig Streifenbeton verwendet wurde, haben sich Risse gezeigt. Solange deren Ursache nicht geklärt ist, wartet die Stadt ab. Schneller soll es mit der neuen Beleuchtung gehen. Die Johannisstraße bekommt nach dem Vorbild der Hasestraße an Stahlseilen befestigte LED-Leuchten. Nach Auskunft von Claas Beckord wurden schon erste Vereinbarungen mit Hauseigentümern getroffen, an deren Fassaden die Halterungen angebracht werden sollen.

Leerstände: Drei leer stehende Geschäftslokale zwischen Neumarkt und Johanniskirche das ist aus Sicht der Stadtplaner keineswegs bedrohlich, zumal nach Einschätzung von Projektkoordinator Beckord die Chance besteht, dass sich für zwei davon (ehemals Quick Schuh und der Bäcker bei Edeka) neue Nutzungen finden lassen. Schwieriger sei das beim ehemaligen griechischen Restaurant Samos-Grill. Bei mancher Immobilie stelle sich die Frage, ob das noch für den Einzelhandel trägt″, wie Beckord es formuliert.

Quartiersmanagement: Im Sofortprogramm wird angeregt, eine Instanz zu schaffen, die vor allem Anwohnern und Geschäftsleuten helfen kann, wenn es Fragen oder Probleme gibt. In Sanierungsgebieten hat die Stadt damit schon Erfahrung gemacht. Für die Johannisstraße ist eine halbe Stelle angedacht, eventuell ein Auftrag an einen externen Träger. Jetzt sollen Gespräche mit der Interessengemeinschaft Südliche Innenstadt geführt werden. Beschlossen ist aber noch nichts.

Kunst und Kultur: Für ein Kunstprojekt, das Anziehungskraft und Identität stiften könnte, stehen 10 000 Euro bereit. Konkrete Vorstellungen gibt es allerdings noch nicht, Claas Beckord schwebt ein Wettbewerb vor, an dem sich Künstler beteiligen können. An der Jury sollte dann die Interessengemeinschaft Johannisstraße beteiligt werden. Um die Straße zu beleben, soll sie möglicherweise auch in das Straßenmusikprogramm Osnabrücker Sommer″ einbezogen werden. Schon fest terminiert ist der Hollandmarkt am 5. April, der in diesem Jahr nach einjähriger Unterbrechung wieder stattfinden soll.

Zwischennutzungen: Die meisten Gebäude von Unibail Rodamco Westfield, die nach der inzwischen aufgegebenen Planung einem Einkaufscenter weichen sollten, stehen für eine vorübergehende Nutzung nicht zur Verfügung. Lediglich die ehemalige Ihr-Platz″-Immobilie am Eingang der Seminarstraße sei von der Größe her bespielbar″, sagt Claas Beckord. Konkrete Überlegungen dazu gebe es aber nicht. Skeptisch bewertet der Projektmanager eine Wiederinbetriebnahme des ehemaligen Wöhrl-Parkhauses. Es gebe viele offene Fragen zum Brandschutz, zur Zufahrt und zur Sicherheit der Treppenhäuser. Das sei voraussichtlich mit hohen Investitionen verbunden. Zur Frage der Machbarkeit würden aber Gespräche geführt.

Das äußere Bild: Mit Blumenkübeln und Bänken hat die Stadt einen ersten Akzent gesetzt, um der Trostlosigkeit der provisorischen Straßenoberfläche etwas entgegenzusetzen. Die Stadt möchte auch Außengastronomie ermöglichen, sieht aber bislang wenig Interesse von Betreibern der Restaurants. Weil es schon häufig Klagen über den Zustand der Arkaden unter den Gebäuden von Unibail Rodamco Westfield gab, wurde der Konzern angesprochen mit dem Ergebnis, dass dort Leuchten installiert werden. Beim Anblick der beklebten Wände wird es aber voraussichtlich bleiben.

Die Sauberkeit: Vom Osnabrücker Service-Betrieb (OSB) werde der öffentliche Raum der Johannisstraße täglich gereinigt, versichert Beckord. Klagen gibt es allerdings über die Vermüllung der Randbereiche, auch auf der Fläche vor dem ehemaligen Parkhaus.

Was sagen die Politiker? Die Diskussion im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt drehte sich zunächst um den ästhetischen Wert der Blumenkübel und die Frage, ob sich mit Sofortmaßnahmen überhaupt etwas zum Besseren bewegen lasse. Der Antrag der Grünen sei eine Luftnummer″ gewesen, kritisierte FDP-Ratsherr Oliver Hasskamp. Er habe lediglich Erwartungen geschürt, die nicht eingehalten werden könnten. Es war doch klar, dass die Johannisstraße damit nicht zum Wohlfühlquartier wird″, entgegnete Jens Meier von den Grünen. Heiko Panzer (SPD) begrüßte den im Sofortprogramm verfolgten Ansatz, mahnte aber an, auch den Center-Investor in die Pflicht zu nehmen. Für die CDU machte Markus Keite deutlich, dass mehr getan werden müsse, um die Straße wieder attraktiver zu machen.

Bildtext:
Ein bescheidener Anfang: In der Johannisstraße wurden Blumenkübel und Bänke aufgestellt.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Stadtentwicklung oder Blumenkübel?

Ist ja in Ordnung, dass im Stadtentwicklungsausschuss die Meinungen über das Sofortprogramm für die Johannisstraße auseinandergehen. Schade nur, dass sich der Ausschuss nicht die Zeit nimmt, über die Zukunft dieser vom Niedergang bedrohten Straße zu reden.

Wie ein Flickenteppich sieht die Fahrbahn aus, nachdem die Stadtwerke ihre Leitungen verlegt haben. Mit dem Provisorium müssen alle Beteiligten leben, bis die offenen Fragen zum Streifenbeton geklärt sind, der die Johannisstraße wieder zu einer vorzeigbaren Fußgängerzone machen soll. Aber wer glaubt denn, dass damit die Probleme gelöst wären?

Dass der brach liegende Center-Komplex rund um das ehemalige Wöhrl-Gebäude einen dunklen Schatten auf die Neustadt wirft, belastet das Geschäftsklima in der Johannisstraße. Ebenso, dass die Einkaufsmeile der Stadt Osnabrück eigentlich zu lang ist. Und dass immer mehr Menschen online einkaufen, schwächt den gesamten City-Handel aber in besonderer Weise die Randlagen, zu denen die Johannisstraße zu rechnen ist.

Es ist unwahrscheinlich, dass diese Straße wieder so wird, wie sie einmal war. Der Strukturwandel hört ja nicht auf, wenn Sinnleffers durch ein Hotel ersetzt ist. Wo soll es hingehen mehr Wohnungen vielleicht und weniger Geschäfte? Es könnte nicht schaden, wenn sich der Rat mit solchen Fragen befassen würde, statt sich über das Aussehen von Blumenkübeln zu mokieren. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste