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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Garten als Rückzugsort
 
„Siri, gieße meinen Rasen!″
Zwischenüberschrift:
Neue NOZ-Serie über des Deutschen liebstes Fleckchen Erde
 
„Smart Gardening″: Entspannen, während die Technik ungeliebte Arbeiten übernimmt / Was passiert mit den Nutzerdaten?
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Mit dem Frühlingsbeginn steigt auch die Gartenlaune: Rund 35 Millionen Gartenbesitzer gibt es in Deutschland, aber auch Balkonbesitzer stellen sich immer öfter Pflanzen vor die Tür. Das kurbelt die Geschäfte der Gartenbranche an.

Insgesamt sorgten die Ausgaben der Deutschen für Blumentopf bis Gartengestaltung 2019 für einen Umsatz von 18, 7 Milliarden Euro. Dabei beeinflussten die extremen Witterungsbedingungen das Geschäft: In einem heiter-milden Frühjahr investieren Grünflächenbesitzer verstärkt, beobachtet der Industrieverband Garten (IVG). Dagegen sorgt anhaltende Dürre nicht nur bei Landwirten, sondern auch bei Hobbygärtnern für Gartenfrust. Stärker nachgefragt waren im heißen Sommer 2019 laut IVG die Sortimente Wasser im Garten″ und Balkon- und Gartenmöbel″, während Gartengeräte und Pflanzenschutzmittel weniger Absatz fanden. Viele Produkte kosteten bis zu vier Prozent mehr als im Jahr davor.

Doch die Deutschen schätzen ihre grüne Oase als Rückzugsort. Etwa die Hälfte der Haushalte hat einen eigenen Garten, und zwei Drittel verfügen über eine Terrasse oder einen Balkon, hat das Institut für Handelsforschung Köln ermittelt.

Bildtext:
Grüne Oase: Drei von vier Haushalten verfügen über Garten oder Balkon.
Foto:
imago images/ Westend61

Osnabrück Intelligente Beleuchtungs-, Überwachungs- und Bewässerungssysteme sowie Mähroboter sind kein Trend mehr für die Gartenbranche ist das Smart Gardening″ längst ein Bereich mit ganz eigener Produktpalette. Dabei reichen die Angebote von Mährobotern über smarte Windmesser und Bodensensoren bis hin zur intelligenten Außensteckdose.

Gärtnern mithilfe von vernetzten und programmierbaren Geräten verspricht weniger monotone Arbeit, weniger Schweiß und mehr Füße-hoch im eigenen Grün. Was ist zu beachten und was passiert eigentlich mit den Nutzerdaten? Ein Überblick.

Worauf ist vor dem Kauf zu achten? Zunächst mal muss geklärt werden, was wirklich benötigt wird. Muss ein kleiner oder großer Garten versorgt werden, gibt es Steigungen? Diese Fragen sind etwa bei den Mährobotern ausschlaggebend.

Wer große Rasenflächen gepflegt haben will, sollte auf eine ausreichende Mähdauer pro Ladezyklus achten. Ansonsten kann der Mäher seine Arbeit nicht zuverlässig erledigen, da ihm vor Beendigung der Arbeit der Saft ausgeht und er zurück zur Ladestation fahren muss. Bei smarter Bewässerung gibt es ähnliche Kriterien zu beachten.

Der Hersteller Eve bietet mit Eve Aqua, ähnlich wie etwa bei Gardena, einen Kontrollcomputer, der an den Hahn angeschlossen und per Smartphone bedient wird allerdings sind Eve-Produkte bislang ausschließlich über Apple-Endgeräte nutzbar, also iPhone, iPad oder Apple Homekit. Wer sich also für eine Bewässerungssteuerung, Wetterstation, Bewegungsmelder oder LED-Lampe der deutschen Firma mit Sitz in München entscheidet, sollte überzeugter Apple-Kunde sein.

Die Kompatibilität der Systeme ist ebenfalls ein Aspekt, der vor dem Kauf beachtet werden muss. Denn der eigentliche Gedanke hinter der smarten″ Bewegung ist ja, mit möglichst wenig Aufwand, also Tippen auf dem Smartphone, möglichst effektiv den Garten zu versorgen. Im Idealfall hat der smarte Gärtner ein System eines Herstellers, welches mit einer einzigen App steuerbar ist. Hat der Hersteller der Wahl jedoch nur Mähroboter, aber kein Bewässerungssystem im Programm, muss vielleicht kombiniert werden. Das bedeutet dann im Umkehrschluss mehrere Apps, denn im Gegensatz zu Smart Home″-Angeboten werden im Outdoor-Bereich große Plattformen wie Google Assistent, Amazon Alexa, Apple Homekit oder Automatisierungsdienste wie IFTTT oder ZigBee nicht immer unterstützt.

Gardena smart systems″ läuft nach Herstellerangaben mit IFTTT, Apple Homekit und Magenta Smarthome. Von unterwegs den Befehl geben Hey Siri, bitte bewässere meinen Garten!″ – das kann in der Theorie funktionieren. Vom Prinzip her möchten wir ein offenes System anbieten, das sich ganz im Sinne der Anwender mit möglichst vielen Lösungen des Smart Home kombinieren lässt″, erklärt Gardena-Sprecher Heribert Wettels gegenüber unserer Redaktion.

Aber der smarteste Mähroboter kann nicht arbeiten, wenn er keine Verbindung mit dem W-Lan aufbauen kann. So muss bei großen Grundstücken, die nicht quadratisch praktisch sind, über Repeater oder sogenannte Access Points nachgedacht werden, die das W-Lan-Signal verstärken und bis ans hintere Ende des Gartenzauns transportieren.

Was ist bei der Installation zu beachten? Ein Garten nach englischem Vorbild mit nur wenigen Fingertipps auf dem Smartphone? Ganz so einfach geht das natürlich nicht. Denn bevor es komfortabel und smart″ wird, muss das System installiert, verlegt und vernetzt werden. Und das bedeutet in den allermeisten Fällen zunächst einmal: buddeln.

Bewässerungssysteme müssen unterirdisch verlegt, Regensensoren in den Boden gesteckt werden. Und Mähroboter werden vom Begrenzungsdraht im Zaum gehalten, damit sie nicht beim Nachbarn fleißig weitermähen, in den Gartenteich plumpsen oder über die Einfahrt abhauen. Für etwaige Grabungsarbeiten muss der Hobby-Gärtner einige Stunden einplanen.

Die Hersteller Wiper und Zucchetti etwa setzen auf drahtlose Mähroboter-Navigation. Diese Roboter arbeiten mit Rasensensoren, die die zu schneidende Grünfläche vom angrenzenden Blumenbeet und Kiesweg unterscheiden soll.

Wenige Anbieter von smarten Mährobotern setzen dagegen auf GPS-Navigation, etwa Worx und Husqvarna. Dadurch werden Redundanzen beim Mähen vermieden: Arbeitet ein normaler″ smarter Mähroboter nach dem Chaosprinzip, erkennen Roboter mit GPS-Funktion, welche Rasenstellen länger nicht gemäht worden sind.

Ist alles mehr oder minder mühsam installiert und eingerichtet, können Routinen und Zeitpläne erstellt werden. Auch hier hat die smarte Technik ihre Grenzen: So können Sensoren die Bodenfeuchte messen und dementsprechend den Bewässerungsrhythmus anpassen. Dass die Systeme allerdings auf Wetterberichte für die kommenden drei Tage Rücksicht nehmen, ist meist nicht gegeben. Auch An- und Abwesenheitsfunktionen wie etwa bei den smarten Lampen von Philips Hue, sind derzeit nicht im Repertoire diverser Roboter und Sensoren. So wird der Rasensprenger also auch starten, wenn man mal auf der Gartenliege eingeschlafen ist.

Lagerung und Instandhaltung: Nicht alle Komponenten eines smarten Gartensystems sind frostsicher. So sollten etwa Mähroboter zum Überwintern ins Haus oder die Garage gebracht werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass smarte Geräte mit Software arbeiten, und diese benötigt dann und wann Updates und sind abhängig von Servern und Anbietern.

Das kann natürlich Nachteile mit sich bringen: Viratec beispielsweise, ein Unternehmen aus Österreich, ging im Jahr 2015 mit seinem Bewässerungssystem Miyo″an den Smart-garden-Markt. Im Dezember 2019 musste Miyo Insolvenz anmelden. Aktuell arbeiten wir an einer Lösung, die Ihnen einen Betrieb für die kommenden Saisons sichern kann. Alle Server sind derzeit noch online. Wir können für die Zukunft jedoch nichts versprechen″, schreibt Miyo in einer Stellungnahme. Sollte keine Lösung gefunden werden, sind die Miyos wohl nicht mehr nutzbar.

Und was ist mit Datenschutz? Smart-Garden-Systeme werden mit Daten gefüttert das sollte sich der Gartenfreund immer vor Augen halten.

Gardena betont auf Nachfrage, dass ihnen Datenschutz beim Thema , Internet der Dinge′ ein wichtiges Anliegen ist.″ Man erhebe und speichere so wenig Daten wie möglich. Dazu gehören etwa E-Mail-Adresse und Name des Nutzers. Die verwendeten Geräte sind außerdem durch eine eindeutige Identifikationsnummer zuordnenbar. Der Anwender hat in der App aber die Wahl, seine Einwilligung der Datenfreigabe zu treffen und auch jederzeit zu ändern″, so Sprecher Wettels in Bezug auf Direktmarketing oder Qualitätsmanagement.

Eve Aqua, das Apple-kompatible System, betont, dass die Geräte ausschließlich über das HomeKit kommunizieren. So würden keinerlei persönliche Daten erfasst, in keiner Cloud gespeichert, weitergegeben oder verkauft. Das System funktioniere ohne Tracking, ohne Registrierung und ohne Account. Kompromissloser Datenschutz und maximale Sicherheit sind für Eve selbstverständlich″, heißt es von Eve.

Wer sich nicht allein auf die Angaben der Hersteller verlassen möchte: Der Tüv Rheinland testet und zertifiziert Smart Gardening″-Systeme in Sachen Datensicherheit.

Wohin führt Smart Garden″? Was gibt es Neues? Fliegt bald ein drohnenbasierter Hochentaster an Nachbars Hecke entlang? Das wohl nicht. Neben effizienter Bewässerung steht die kontinuierliche Weiterentwicklung der bestehenden Systeme im Vordergrund. Wie bei allen Software-abhängigen Geräten ist die Aktualisierung und Verbesserung ein fortlaufender Prozess. Größere Reichweite durch längere Akkulaufzeit, Steigungen, Einsatz bei Regen, GPS das sind Gebiete, die bei Rasenmährobotern im Fokus liegen.

Gardena plant die Verbesserung ihrer smart garden″-App. So sollen sich geplante Zeiten für Bewässerung und Rasenpflege mit neuen Funktionen besser steuern lassen: nach Sonnenstand, mit automatischen Anpassungen je nach Jahreszeit, über Sensorwerte sowie demnächst auch über die Wettervorhersage.″

Auch auf die Kritik zahlreicher Tierschützer hat Gardena nach eigenen Angaben reagiert: Die App soll den Nutzer darauf hinweisen, dass Mähzeiten in der Dämmerung und zu Nachtzeiten Tieren wie Igeln gefährlich werden können. Die Funktion Mähen bei Tageslicht″ sorgt dafür, dass Mähpläne die ganze Saison über entsprechend angepasst werden und der Roboter weder vor der Morgen- noch nach der Abenddämmerung auf Tour geht.

Hersteller Worx bewirbt seine neuesten Mäher mit einem integrierten Anti-Kollisionssystem: Die Landroid-Mähroboter umfahren Hindernisse mithilfe einer Autopilot-Funktion auf Basis von Ultraschallsensoren.

Das Thema Bewässerung wird in Zeiten von extremer Trockenheit an Bedeutung gewinnen. In den Dürresommern 2018 und 2019 litten nicht nur die landwirtschaftlichen Nutzflächen. Auch die Gärten der Deutschen ächzten unter Wassermangel. Einige Kommunen verhängten gar ein Rasensprengverbot″. Bei Gardena heißt smartes Bewässern″, dass die wertvolle Ressource Wasser dank Steuerung, Sensorik und effizienter Ausbringung als Tropfbewässerung optimal genutzt wird″.

Was früher vielleicht Gärtner Pötschkes Gartenbuch war, ist heute die App: Neben der Steuerung der smarten Geräte erweitern die Anbieter ihre Apps um Wissenswertes rund um die Pflanzenwelt, inklusive Bestimmungsmöglichkeiten, Pflanzenbibliothek und Bildergalerien.

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Etwas weniger Arbeit und mehr Zeit zum Entspannen im Garten: Die Technologien des Smart Gardenings″ können das ermöglichen und etwa Rasenmähen oder Gießen von der Aufgabenliste streichen.
Gardena Smart System: Per App kann sich der Gartenbesitzer jederzeit darüber informieren, was zu Hause gerade geschieht.
Wann steht das nächste Mähen an? Die Bosch Smart Gardening″-App zeigt es.
Fotos:
dpa/ Christin Klose, dpa/ GardenaDeutschland, dpa/ Wolfram Kastl
Autor:
Lorena Dreusicke, Annalena Klein


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