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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Plastikteilchen in Stichkanal geschwemmt
 
Plastik im Wasser: Das darf nicht sein
Zwischenüberschrift:
Behörden erhöhen Druck auf Recyclingfirma im Osnabrücker Hafen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Im Osnabrücker Hafen gibt es Probleme mit Plastikkleinteilen. Sie werden mit dem Regen vom Hof eines Recyclingunternehmens in den Stichkanal geschwemmt, obwohl es eine doppelte Sicherung durch Filter und Schwimmbarrieren gibt. Das Problem lasse sich nur durch den Einbau eines Abscheidesystems beheben, sagt das Umweltamt der Stadt. Das Unternehmen wäre zu dieser Investition bereit, liebäugelt aber auch mit einer Erweiterung auf ein Nachbargrundstück, das im Flächenutzungsplan als Industriegebiet ausgewiesen ist. Allerdings ist dort in den vergangenen zwanzig Jahren ein Feuchtwald enstanden, der Fledermäusen Schutz und Nahrung bietet, wie ein ökologisches Gutachten ergeben hat. Wird die Firma, die Verpackungsmüll aus der Region verarbeitet, aus Osnabrück vertrieben?

Osnabrück Vom Hof der Recyclingfirma Grannex im Osnabrücker Hafen schwemmt der Regen immer wieder Plastikschnipsel an allen Filtern vorbei in den Stichkanal. Das Problem ist nur mit viel Geld in den Griff zu bekommen und betrifft nicht nur Grannex sondern uns alle. Das Problem

Wo das Regenwasser vom Grannex-Betriebsgelände in den Stichkanal fließt, ist das Ufer bunt. Über Jahre haben sich die Plastikschnipsel hier abgelagert. Ralf Florian, der in einem selbst gebauten Haus am Kanal wohnt, gräbt mit einer Handschaufel den Boden eine Handbreit auf. Auch da: blaue, gelbe, rote Teilchen, manche fingernagelgroß, die Masse klein wie Brotkrümel. Unmittelbare Gefahren für Mensch und Tier gehen von dem Plastik nicht aus, wie das Umweltamt der Stadt sagt. Aber in die Umwelt gehört das Material natürlich nicht.

Das Problem ist seit Jahren bekannt. Mitte Februar spitzte es sich zu, als nach starken Niederschlägen größere Mengen vom bunten Treibgut im Kanal ankamen. Ralf Florian schlug medial Alarm.

Gewerbeaufsicht und Umweltamt der Stadt statteten dem Unternehmen einen Besuch ab. Die Ursache war schnell gefunden: Eines von zwei Sieben in einem Gully auf dem Betriebshof war verbogen. Der Defekt ist behoben, das Problem insgesamt nicht.Die Firma

Grannex ist ein Pionier auf dem Gebiet der Wiederverwertung. Es war nach eigenen Angaben 1992 das erste mittelständische Unternehmen in Deutschland, das gebrauchte Kunststoffteile aus Autos in großtechnischem Maßstab aufbereitete. Grannex verwertet vor allem Stoßfänger aus Kunststoff, die in der Werkshalle an der Dornierstraße geschreddert und als Rohstoff wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden.

Die Grannex Recycling-Technik GmbH und C. KG, einziger Kommanditist ist Klaus Hellmann, erlebte Höhen und Tiefen. Seit 2016 führt Markus Börger die Geschäfte von Grannex. Mit ihm erlebte der 16-Mann-Betrieb einen tief greifenden Wandel auf dem Recycling-Markt, der das eigene Geschäft enorm belebte, aber auch die Kapazitäten aufs Äußerste strapazierte: China stoppte 2018 den Import von Plastikmüll.

Bis dahin entsorgte Deutschland jährlich mehr als eine halbe Million Tonnen an Verpackungsmüll in China. Nach dem Importverbot suchten sich die Müllströme andere Wege. Zwar öffneten Indien und Malaysia ihre Tore für unseren Abfall, doch ein großer Teil bleibt jetzt in Deutschland und muss hier verwertet werden, unter anderem bei Grannex. Alle Recyclingkapazitäten werden seither ausgereizt.

Auch Grannex arbeitet unter Hochdruck. Die Lager auf dem Betriebsgelände, das sich der Entsorger mit dem Eisenbahnzulieferer Rawie teilt, sind randvoll mit Wertstoffen aus der gewerblichen und kommunalen Müllsammlung. Ballen mit Verpackungsmüll stapeln sich neben Bergen von alten Mülltonnen und Stoßfängern.

Markus Börger führt bereitwillig über das Gelände und durch die Werkshalle: Wir haben nichts zu verbergen″, sagt er. Ihm ist ein Faktum wichtig: Grannex verarbeitet aus der gelben Tonne nur lebensmitteltaugliche Kunststoffe. Das Material werde vorsortiert angeliefert. Es enthalte keine Lösungsmittel oder Weichmacher, die eine Gefahr für die Umwelt darstellen könnten, sagt Börger. Sie können drauf herumkauen, da passiert nichts.″ Wenn Fehlwürfe auftauchten etwa Behälter für Reinigungsmittel –, würden sie aussortiert und zurückgeschickt.

Als das Sieb neulich kaputtging, entschied der Grannex-Chef, den Betrieb für eine Woche stillzulegen. Wir wollen absolute Sicherheit, das schreibt auch unser eigenes Qualitätsmanagement vor.″ Mit der Gewerbeaufsicht und dem Umweltamt der Stadt wurde beraten, was zu tun ist. Auch der Umweltausschuss der Stadt beschäftigte sich auf Antrag der Grünen mit dem Thema. Als Soforthilfe installierten die Stadtwerke am Ablauf zum Stichkanal eine Schwimmbarriere aus Säcken, die etwaiges Treibgut aufhalten soll.Die Lösung

Doch Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Stadt, sagt: Es hilft auf Dauer nur der Einbau eines Regenwasserfiltersystems, das nach dem Prinzip eines Ölabscheiders arbeitet. Das Oberflächenwasser wird dabei in einem Becken gesammelt, das Plastik-Mahlgut abgefangen.

Grannex wäre zu dieser Investition bereit. Doch damit stellt sich auch die Standortfrage″, sagt Börger. Der Platz ist heute äußerst knapp, alles ist beengt. Grannex hat ein Auge auf eine benachbarte Fläche geworfen, die als Industriegebiet ausgewiesen ist. Eine Erweiterung böte auch die Chance, die Betriebsabläufe endlich zu optimieren. Das Problem: Die Nachbarfläche hat sich über die Jahre in ein Biotop verwandelt.

Nun liegt, ganz frisch, ein ökologisches Gutachten vor. Die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass eine Bebauung des knapp zwei Hektar großen Feuchtwaldes aus artenschutzrechtlicher Sicht unzulässig″ ist. Damit würde der Lebensraum unter anderem der besonders geschützten Zwergfledermaus zerstört. Wertvollen Baumbestand gibt es dort nicht. Möglich wäre eine Bebauung aber trotzdem, wenn zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses″ dafür sprächen. Dazu müsste die Stadt beim Land einen Ausnahmeantrag stellen.

Klappt die Erweiterung nicht, will Grannex umziehen, vielleicht Osnabrück verlassen. Börger würde das bedauern, denn rund um den Hafen hat sich eine Recycling-Wirtschaft der kurzen Wege entwickelt. Plastikabfall aus der Region wird hier in verschiedenen Unternehmen gesammelt, sortiert, gewaschen, zerkleinert und in Rohstoff für Neues verwandelt. Das ist doch das, was unsere Gesellschaft will″, sagt Börger.

Bildtexte:
Am Ufer sammeln sich die Plastikkleinteile, die der Regen von Hof eines Recyclingunternehmens in den Stichkanal geschwemmt hat.
Um Transparenz bemüht: Grannex-Chef Markus Börger.
Ralf Florian.
Fotos:
David Ebener

Kommentar
Ein hoher Preis

Es war ein bequemer Ausweg, den Abfall aus der gelben Tonne nach China zu verschiffen. Egal, ob er dort verbrannt oder deponiert wurde, nach deutschem Recht galt der Verpackungsmüll als verwertet. Nun macht China das Spiel nicht mehr mit, und das Problem kehrt heim. Da wir nicht auf Plastikverpackungen verzichten wollen und können, wäre ein regionaler Stoffkreislauf das Sinnvollste. Da hat der Grannex-Chef völlig recht. In Osnabrück arbeiten Recyclingfirmen Hand in Hand. Doch bei aller Sympathie für den Kreislauf der kurzen Wege: Die Umweltstandards müssen eingehalten werden. Grannex ist darum zwar sehr bemüht, doch das Bemühen reicht nicht. Es bedarf massiver Investitionen in neue Filtertechnik oder in einen neuen Standort. Eine kleine Firma, die eine gesellschaftlich gewollte Aufgabe erfüllt, steht damit vor einer existenziellen Entscheidung. Die Stadt könnte ihr die Entscheidung erleichtern, indem sie den Feuchtwald nebenan zur Bebauung freigäbe. Ein hoher Preis, vielleicht zu hoch? Gewiss ist derzeit nur dies: Eine Lösung muss her. w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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