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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Einfach nur traurig″
Zwischenüberschrift:
So erleben Kunden und Angestellte den letzten Tag im Real-Markt im Fledder
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der OneRepublic-Song Apologize″ (Entschuldigung) schallt den Kunden an diesem Samstag beim Betreten des Marktes entgegen. Der Real-Markt in der Carl-Fischer-Straße hat heute zum letzten Mal seine Türen geöffnet. Um 18 Uhr ist Schluss für immer.

Die meisten Warengondeln sind abgebaut. Farbige Produktlogos, die bis vor Kurzem noch für Orientierung zwischen den Gängen sorgten, braucht es nicht mehr. Die gut 5000 Quadratmeter sind fast zu einer einzig großen leeren Fläche verschmolzen. Nur hier und da steht einsam ein Regal, eine Palette oder ein ausgeräumtes, abgeschaltetes Tiefkühlregal. Und dennoch schieben Besucher ihren Einkaufswagen vor sich her, greifen zu den letzten Restposten von Baby-Hartwaren, Gewürzen, Nudeln oder probieren schnell noch ein paar Schuhe an. Alles reduziert um 50 Prozent.

Emotionaler Tag

Christian Steinkamp steht vor einem Regal mit einer pfeffrig-würzigen Schaschliksauce. Er reduziert und etikettiert die Flaschen ein letztes Mal mit einem neonorangefarbenen Etikett. Heute ist für viele ein emotionaler Tag″, sagt er. Und tatsächlich sind viele Mitarbeiter bedrückt und schwanken zwischen einem Gefühl von Wehmut und Endgültigkeit.

Zwar erfuhren sie bereits am 15. November des vergangenen Jahres, dass der Markt geschlossen werden sollte. Aber nach über 30 Jahren Arbeit hier ist man heute einfach traurig″, sagt eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Wie es für sie jetzt weitergeht, wisse sie noch nicht.

So wir ihr geht es vielen: dem Abseits″-Verkäufer, der seit einem Jahr regelmäßig auf einem Stuhl sitzen und seine Zeitung verkaufen darf. Sino Belid, der seit 15 Jahren mit seinem lecker, lecker″-Ausruf Passanten auf die griechischen Spezialitäten aufmerksam macht. Oder den Mitarbeitern, die im Lotto- und Zigarettenladen die letzten Kisten packen. Nicht nur wir sind wahnsinnig traurig, auch unsere Kunden. Denn eine Lotto-Annahme oder eine Postannahmestelle gibt es hier weit und breit nicht.″

Währenddessen nehmen viele Stammkunden Abschied. Stammkunde Akija Boshati wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft, kommt schnell noch einmal vorbei, um Tschüss″ zu sagen. Und Hobbyfotograf Laurenz Klecker kauft noch die letzten Schnäppchen und nimmt nebenbei mit seiner Handykamera die leeren Kühltheken auf, sagt: Es sind freudlose Schnappschüsse.″

Vier Registrierkassen sind noch besetzt, auf den Warenbändern liegen Hülsenfrüchte in durchsichtigen Cellophanbeuteln, Konservendosen oder eben Schuhe. Große Schlangen und Wartezeiten gibt es nicht.

Während die Mitarbeiter des Real-Marktes an zwei Tagen noch hinter verschlossenen Türen die nicht verkauften Waren umlagern und kommenden Samstag ihr Abschiedsfest feiern werden, weiß Lennart Linzen nicht, wie es für ihn weitergeht.

Auf dem Parkplatz steht seine Imbiss-Bude, an der er und seine Mitarbeiterin seit Jahren Bratwurstspezialitäten verkaufen. Wir wurden in der Schwebe gehalten. In einer Woche muss hier alles geräumt sein, und wir müssen woanders etwas suchen″, sagt er und gibt zu verstehen, wie existenziell dieser Umstand für ihn ist.

Seinen Stand wird er erst einmal in einer Halle zwischenlagern müssen, und seine Stammkundschaft von den nahen Firmen, die bei ihm ihren Mittagstisch einnahmen, wird er vermissen. Mal schauen″, sagt er und ergänzt: Was hier passiert, weiß keiner so genau. Von einem Amazon-Lager bis hin zum Zoogeschäft wurde alles schon gehandelt. Zurzeit hält sich hier hartnäckig die Vermutung, dass sich ein Decathlon-Markt ansiedeln werde″, berichtet Linzen von den aktuellen Gerüchten. Vielleicht kann er sich dann wieder ansiedeln- und den Kunden seine deutsche Bratwurst verkaufen.

Bildtexte:
Der finale Ausverkauf: Die letzten Kunden schlendern durch den zum Großteil bereits geleerten Real-Markt. Die Mitarbeiter verabschieden sich. Und auch Lennart Linzen und seine Angestellte Birgül Korkut müssen sich für ihren Imbiss eine neue Stätte suchen.
Eine Woche bleibt ihnen noch. Dann müssen auch Lennart Linzen und seine Angestellte Birgül Korkut für ihren Imbiss eine neue Stätte suchen.
Ein letztes Mal reduziert.
Letzter Tag - die Mitarbeiter sind traurig.
Leere Regale.
Die letzten Schnäppchen landen im Einkaufswagen.
Fotos:
Monika Vollmer
Autor:
Monika Vollmer


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