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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie steuert sich ein Brummi auf dem Wall?
Zwischenüberschrift:
Stadt- und Verkehrsplaner erleben den Osnabrücker Straßenring aus Sicht der Lkw-Fahrer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Beim zweiten Truck Meets Bike″-Treffen war am Donnerstag wieder ein Perspektivwechsel angesagt. Nachdem beim letzten Mal Logistiker auf Fahrrädern den Wall umrundeten, waren dieses Mal Verkehrsplaner und Fahrradaktivisten in Lkw-Kabinen zu Gast.

Eigentlich müsste man alle zweispurigen Straßen einspurig machen″, meinte Stadtbaurat Frank Otte nach der Stadtrundfahrt. Auf vielen Straßen war bei zwei Fahrzeugen auf den Fahrspuren kaum noch Platz, um Radfahrer auf den Radstreifen oder Schutzstreifen ordnungsgemäß zu überholen. Unsere Städte sind zu voll″, meinte Otte. Wir haben in den Siebzigern die letzten größeren Straßenbaumaßnahmen durchgeführt. Seitdem hat sich jedoch der Verkehr um 30 bis 40 Prozent vermehrt. Mit einem Lkw auf einer normalen drei Meter breiten Fahrspur sind die anderthalb Meter Abstand beim Überholen nicht einhaltbar. Ein Überholvorgang sollte immer einen Fahrbahnwechsel bedeuten.″

Logistiker auf dem Rad

Wie Otte lernten nun auch weitere Vertreter der Verwaltung sowie Mitglieder des ADFC die Perspektive aus Sicht der Lastwagenfahrer kennen. Beim vorangegangenen Bike Day″ hatten Logistiker eine Runde auf dem Rad um den Wall gedreht. Die Fahrt im normalen Verkehr war für die Logistiker damals beeindruckend beängstigend. Einig waren sich die Mitglieder des Kompetenznetzwerks Individuallogistik, Stadtplaner und ADFC-Mitglieder nun: Wir müssen insgesamt ruhiger werden″ so einfach könnte sich der Verkehr in Osnabrück entzerren lassen, zumindest in einer perfekten Welt.

Um den Straßenverkehr sicherer zu machen, setzen die Logistiker mittlerweile eine Vielzahl von Systemen ein. Spiegel oder Radaranlagen sollen auch in schwierigen Situationen für Übersicht sorgen. Das funktioniert in der Theorie grundsätzlich auch sehr gut. Im Stand gibt es durch diese Hilfsmittel nahezu keine toten Winkel″ mehr. Während der Rundfahrt konnten die Passagiere jedoch direkt erleben, wie viele Informationen die Fahrer zu verarbeiten haben. Dazu kommen noch regelmäßige Fehlalarme, bei denen das Radar Schatten oder andere Objekte als Radfahrer erkennt. Dennoch setzen die Logistiker neben gut ausgebildeten Fahrern auf neue Assistenzsysteme. Das Notbremssystem beispielsweise habe sich mittlerweile durchgesetzt. Die Unternehmen seien auch Ideen wie den Blinkeranlagen an den Seiten gegenüber offen. Die seien allerdings immer noch nicht im Rahmen der europäischen Zulassungsverfahren erlaubt.

Städtebaulich versucht die Verwaltung, Radfahrer und Verkehr wann immer möglich zu trennen. Wir wollen , Protected Bike Lanes′ rund um den Wall einrichten″, sagte Otte. Grundsätzlich müsste aber so viel Verkehr wie möglich aus Osnabrück herausgehalten werden.″ Die Osnabrücker Logistiker fahren schon jetzt so wenig wie möglich durch die Stadt, allein schon wegen des Zeitverlustes in den Staus. Fahrer aus anderen Regionen werden aber regelmäßig über ihre Navigationssysteme in die Stadt geleitet. Vorteile bei der Maut gebe die Abkürzung durch die City nicht, waren sich die Logistiker einig, jedoch leite vor allem Google Fahrer im Falle einer Sperrung der Autobahnen durch die Stadt. Offiziell ist in Osnabrück übrigens nur noch eine einzige Umleitung über die Iburger Straße und die Hannoversche ausgewiesen, alle anderen Routen führen durch den Landkreis.

Parallelstrecken nutzen

Andere Stadtplanungskonzepte seien schwierig umzusetzen, so Ulla Bauer, Radverkehrsbeauftragte der Stadt Osnabrück. Viele bauliche Maßnahmen seien entweder nicht umsetzbar oder finanziell nicht möglich. So werden beispielsweise die Schutzstreifen auf der Straße sehr unterschiedlich bewertet. Während der ADFC die markierten Bereiche als unbrauchbar ablehnt, sieht Bauer eine positive Wirkung für die Sicherheit. Ideen wie Geschwindigkeitsbegrenzungen auf gefährdeten Straßen wie etwa der Lotter Straße seien derzeit nicht möglich. Hierfür müsse erst die grundsätzliche rechtliche Lage geändert werden. In manchen Fällen sei es daher sinnvoll, Fahrradfahrer auf sicherere Parallelstrecken umzuleiten.

Bildtext:
Alles anders: Für Stadtbaurat Frank Otte und Wolfgang Driehaus vom ADFC war der Blick aus dem Lkw eine neue Perspektive.
Laster nehmen in der Innenstadt von Osnabrück viel Raum ein.
Verkehrsplaner und Fahrradexperten beim zweiten Truck Meets Bike″.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Radikal umbauen

Wenn ein Gesetz auf die Wirklichkeit trifft: Der Bundesrat hat Mitte Februar eine Änderung der Straßenverkehrsordnung verabschiedet, die bei strenger Umsetzung den Verkehr auf dem Wallring zum Erliegen bringen würde.

Die StVO schreibt vor, dass beim Überholen von Radfahrern innerorts ein Abstand von 1, 5 Meter einzuhalten ist. Der Radweg auf dem Wall ist auf weiten Strecken exakt ein Meter breit. Es braucht kein Mathe-Studium, um auszurechnen, dass ein 2, 50 Meter breiter Lastwagen auf dem Wallring einen Radler nicht im vorgeschriebenen Abstand passieren kann, ohne auf die linke Fahrspur zu wechseln. Oder er müsste dem Radler hinterherschleichen. Das geschieht aber nicht, wie wir alle wissen.

Was jetzt? Wir könnten achselzuckend hinnehmen, dass die StVO täglich tausendfach missachtet wird. Oder wir handeln. Da der Lkw-Verkehr aus rechtlichen Gründen nicht ausgesperrt werden kann (solange es keine Umfahrungsmöglichkeit gibt), bliebe nur die große Lösung: die Verbreiterung des Radweges. Dafür müssten wohl überall auf dem Wallring die Parkstreifen am rechten Fahrbahnrand geopfert werden. Gewöhnen wir uns schon mal an den Gedanken.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Robert Schäfer


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