User Online: 2 | Timeout: 22:32Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtwerke mit neuem Bussystem sehr zufrieden
 
Stadtwerke stellen sich Kritik am Busnetz
Zwischenüberschrift:
Erste Bilanz nach drei Wochen: Bereits mehr als ein Dutzend Ergänzungen vorgenommen
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Kritik am neuen Busliniennetz in Osnabrück gab es in den vergangenen Wochen reichlich. Jetzt melden sich die Stadtwerke zu Wort und ziehen eine durchweg positive Bilanz. Die Kritik an Unzulänglichkeiten bei der Schülerbeförderung sei angemessen, aber die aufgezeigten Probleme seien normal für eine so gravierende Umstellung, heißt es. Mit größeren Bussen und zusätzlichen Einsatzwagen werde nachjustiert, teilweise sei das schon geschehen. Unter dem Strich werde das neue System aber gut angenommen, nachdem sich die Fahrgäste an die neuen Linien und die neuen Umsteigepunkte gewöhnt hätten.

Osnabrück Von allen Seiten hagelt es Kritik, aber die Osnabrücker Stadtwerke verbuchen den Start ins neue Busliniennetz als Erfolgsgeschichte. Sicherlich müsse noch manches nachjustiert werden, räumt Mobilitätsvorstand Stephan Rolfes drei Wochen nach dem Auftakt ein. Doch vieles, das lautstark als Panne gebrandmarkt werde, sei nur eine Frage der Gewöhnung.

Neue Linien, andere Takte, eine Ringbuslinie und andere Umsteigepunkte seit dem 5. Februar ist das ganze System auf links gedreht″ und muss sich im Alltag bewähren. Die Reaktionen reichen von totaler Ablehnung bis gedämpfter Euphorie. Noch nie habe Osnabrück ein so gutes Busnetz mit so guten Verbindungen gehabt, heißt es in einem Dankschreiben, auf das Werner Linnenbrink, der Leiter des Mobilitätsangebots, gerne verweist. Sehr viel lauter sind allerdings die Proteste von Eltern, die sich über Verschlechterungen im Schülerverkehr beschweren übervolle Busse, längere Fahrtzeiten und fehlende Verbindungen nach Schulschluss.

Ist die geballte Kritik bei den Stadtwerken abgeprallt? Keineswegs, versichert Fahrplanspezialist Thomas Schniedermann. In einer ersten Bilanz drei Wochen nach dem Start des Busliniennetzes zeigt er auf, wo schon mit größeren oder zusätzlichen Bussen auf die Beschwerden reagiert wurde. Zum Beispiel an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Eversburg, wo jetzt Gelenkbusse anstelle der Solobusse eingesetzt werden, oder in Hellern, wo dem Ruf nach einer umstieglosen Verbindung zur IGS mit der Wiedereinführung eines Einsatzfahrzeugs Rechnung getragen wurde. Insgesamt 13 solcher Ergänzungen haben die Stadtwerke inzwischen in ihr neues System eingewoben. Jeder einzelne Schritt nach intensiven Gesprächen mit Elternvertretern, Schulleitungen und anderen Beteiligten.

Ist der Schülerverkehr unsicherer geworden? Für die Schüler gibt es mehr Umsteigeverbindungen als vorher, weil ein Teil der Wege über die Ringlinie führt. Das beunruhigt viele Eltern. Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes sieht keinen Grund zur Beunruhigung: Diese Haltestellen sind sicher! Teilweise könnten die Schüler auf derselben Straßenseite bleiben, und wo eine Querung erforderlich sei, gebe es Fußgängerampeln.

War der Proteststurm absehbar? Ja, räumt Mobilitätsvorstand Rolfes ein. Obwohl es im Vorfeld einen intensiven Austausch mit den Schulen gegeben habe, sei klar gewesen, dass es an einigen Stellen knirschen würde. Eine so gravierende Umstellung sei ein Bruch mit alten Gewohnheiten, aber das müsse sich einruckeln″, und wo es Diskrepanzen gebe, werde systematisch nachgebessert. Rolfes hat aber den Eindruck, dass die Schüler mit der neuen Situation deutlich besser zurechtkommen, als die Eltern glauben. Von den Eltern würden oftmals wenige Hundert Meter Fußmarsch zur nächsten Haltestelle als Gefahr eingeschätzt, während sich die Kinder souverän auf den Weg machten.

Wie nehmen die Osnabrücker ihre neuen Linien an? Überwiegend positiv, bekundet Fahrplanmanager Thomas Schniedermann: Die Leute kennen ihr Busnetz und wissen, dass die Linie 4 nach Belm führt und nicht die 72.″ Zwar gebe es die bekannte Kritik am Schülerverkehr, aber es kämen auch positive Rückmeldungen von den Fahrgästen, vor allem zu den schnellen Metrobuslinien.

Wie kommt die neue Ringbuslinie an? Offenbar gut, wie André Kränzke, der Leiter des Verkehrsbetriebes, konstatiert. Er sei positiv überrascht″, wie viele Fahrgäste das neue Angebot auf Anhieb in Anspruch genommen hätten. Die Busse der Linie 10/ 20 seien durchgängig gut ausgelastet. Vor allem für Berufspendler sei die Ringbuslinie attraktiv.

Was machen die Geisterbusse im Landwehrviertel? Das größte Baugebiet der Stadt an der Landwehrstraße ist zwar noch kaum bewohnt, wird von der M2 aber im Zehnminutentakt angefahren.

Und das nach Auskunft von Stephan Rolfes mit voller Absicht: Wir wollen da sein, bevor die Menschen sich ans Auto gewöhnt haben.″ Dass die Verbindungen in die benachbarte Strothesiedlung ausgedünnt wurden, räumt er ein. Deren Bewohner könnten aber von der besseren Anbindung des Landwehrviertels profitieren. Zumindest demnächst, wenn der Trampelpfad auf das ehemalige Kasernengelände durch einen besser begehbaren Weg ersetzt sei.

Was kommt als Nächstes? Innerhalb der nächsten zwei Jahre wollen die Stadtwerke alle fünf Metrobuslinien mit modernen E-Fahrzeugen ausstatten und damit auch den Komfort verbessern. Im nächsten Schritt ist geplant, im Schulterschluss mit der Politik die Busbeschleunigung voranzutreiben und neue Angebote für den Park+ Ride-Verkehr zu schaffen.

Bildtext:
Einer der Hauptkritikpunkte: Seit der Netzreform Anfang Februar stehen den Kindern und Jugendlichen in Osnabrück weniger Schulbusse zur Verfügung.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Eine Ermutigung, Neues zu wagen

Total super! Total daneben! So lesen sich die ersten Reaktionen zum neuen Busliniennetz in Osnabrück. Wer hat recht? Treten wir einen Schritt zurück und betrachten das Geschehen mit etwas mehr Abstand. Mit dem lange geplanten Schritt wollte die Stadt erreichen, dass der öffentliche Nahverkehr im Kampf um die Quoten Boden gutmacht. Ob das gelingt, werden wir wohl erst in ein oder zwei Jahren wissen. Einige Erkenntnisse sind aber jetzt schon interessant.

Jahrelang haben sich die Stadtwerke gesträubt, in Osnabrück eine Ringbuslinie zu installieren. Zu wenig Nachfrage, lautete die Begründung. Jetzt gibt es diese Linie gerade mal drei Wochen, und es zeigt sich, dass sie gut angenommen wird. Das ist eine Ermutigung, Neues zu wagen und auch mal ein Risiko einzugehen, um den Stadtverkehr klimafreundlicher umzubauen.

Ein Nachteil, der sich aus der Verknüpfung von Ring- und Radiallinie ergibt, ist die Notwendigkeit, häufiger umzusteigen. Das missfällt etlichen Fahrgästen, und das nehmen Eltern zum Anlass, die Sicherheit der Schülerbeförderung per Bus infrage zu stellen. Aber schwingt da nicht schon wieder die allseits präsente Empörungskultur mit, die jeden klaren Gedanken plattwalzt? Das Elterntaxi ist jedenfalls nicht die Lösung, um den Schulweg sicherer zu machen. Kinder lernen durch Erfahrung, nicht durchs Chauffiertwerden.

rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste