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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vom Leben am Rand der Gesellschaft
Zwischenüberschrift:
Führung zeigt Orte, an denen Obdachlose verkehren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Himmel über Osnabrück ist strahlend blau. Die Sonne wärmt sogar etwas. Heinz Hermann Flint durchbricht diese Idylle. Am Beginn der Kälteperiode führt er eine kleine Gruppe Interessierter während einer alternativen Stadtführung an Orte, die sonst von Obdachlosen besucht werden.

Die Führung ist Bestandteil der Aktion egen Wohnungslosigkeit und soziale Ausgrenzung Gemeinsam gegen Kälte″, die der Cellist Thomas Beckmann angestoßen hat. Sie wird Anfang November veranstaltet, damit die Teilnehmer die Härte des Lebens auf der Straße spüren.
Los geht es auf dem Nikolaiort. Dort haben mehrere Sozialarbeiter des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) mit mehreren Obdachlosen Platte gemacht″, sie haben im Freien beim ersten Frost in diesem Jahr übernachtet. Es war kalt″, sagt Flint lapidar. Er erzählt, dass die momentane Wohnungssituation durch die in die Stadt strömenden Studenten angespannt sei. Er weiß von 70 obdachlosen Menschen, die in Abbruchhäusern, Zelten, Bauwägen und Gartenlauben übernachten.
Die erste Station der alternativen Stadtführung ist der Dom. Dort sitzt wie auch sonst häufig jemand, der um Geld bittet. Viele von ihnen leben vom Betteln, sie nehmen häufig keine Sozialleistungen in Anspruch″, sagt Flint. Jeden zweiten Mittwoch im Monat erhielten sie jedoch im Dom Gutscheine für Lebensmittel, die durch Spenden bezahlt werden, und Beratungen in finanziellen Dingen.
Der Dom ist wie die nächste Station am Pernickelturm ein Platz, der in der Nähe einer Beratungsstelle (hier: SKM an der Bramscher Straße) und einer Versorgungsstelle liegt. Im Supermarkt an der Hasestraße könne schnell mal ein Conti Bier geholt werden, erzählt Flint. Wichtig für Obdachlose sei auch, dass sie am gesellschaftlichen Leben an dem Ort teilnehmen könnten, wo sie sich aufhielten. Sie beobachteten halt gern die Menschen.
Dass ihnen das Gucken nicht immer gestattet wird, zeigt eine Anekdote, die Heinz Hermann Flint erzählt. An der Hasestraße gabes mal eine runde Bank, die sich um einen Baum schlängelte. Auf Druck der anliegenden Geschäftsleute baute die Stadt für damals 5000 Mark ein Gitter um den Baum und verminderte damit schlagartig die Aufenthaltsqualität des Platzes. Heutzutage werden Obdachlose mit modernen Mitteln wie Kreischanlagen oder Wassersprinklern vertrieben. Flint sagt, es sei absolut nicht in Ordnung, wenn aggressiv gebettelt oder auf der Straße die Notdurft verrichtet würde. Es gebe aber unter Obdachlosen nicht nur schwarze Schafe. Die Gesellschaft sollte auch mit ihren Armen umgehen können.″
Eine weitere Station der alternativen Stadtführung ist die Hasebrücke beim Benediktinerinnen-Kloster. Dort habe eineinhalb Jahre lang eine Frau gelebt, die von den Nonnen unterstützt worden sei, berichtet Flint.
Von der Brücke geht es über den Hasefriedhof bis zur Wärmestube im Franziskanerkloster, wo die Führung endet. Auf der Straßenseite gegenüber vom Kloster hat ein anonymer Geschäftsmann einen von drei Seiten geschlossenen Unterstand errichten lassen, die sogenannte Säuferbude. In Reichweite steht ein Dixie-Klo, dass der Geschäftsmann regelmäßig säubern lässt.
Ellen Kües sagt, sie habe die Führung interessant gefunden, weil sie etwas über Menschen erfahren habe, die am Rande der Gesellschaft existierten, und vom harten Leben auf der Straße. Ohne Dusche, ohne Toilette und ohne Kochstelle zu leben, dasist für mich schwer vorstellbar.″

Bildtext:
Unter eine Brücke zu leben ist nicht einfach. Heinz Hermann Flint zeigte bei einer alternativen Stadtführung die Orte, wo Obdachlose leben.
Foto:
Elvira Parton
Autor:
Thomas Wübker


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