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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Frust in Atter über schlechte Verbindung
 
Atteraner beklagen „totale Fehlplanung″
Zwischenüberschrift:
Stadtteilbewohner fühlen sich durch Busnetzumstellung abgehängt
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Noch ist Osnabrücks größtes Neubaugebiet, das Landwehrviertel in Atter, eine Baustelle und beinahe unbewohnt. Trotzdem fahren von dort bald neun Busse pro Stunde direkt in die Innenstadt. Die Nachbarsiedlungen am Stadtrand werden dagegen in Zukunft immer seltener bedient obwohl dort mehrere Tausend Menschen leben. Ein Beispiel dafür ist der westlichste Zipfel der Stadt. Im Atteraner Ortskern und in den Siedlungen In der Strothe und Atterfeld wächst der Unmut der Bewohner. Einige von ihnen fühlen sich abgehängt vom ÖPNV, der doch eigentlich gestärkt werden soll. Doch wie kann es sein, dass ein noch fast leeres Viertel eine Top-Anbindung besitzt und nur sich wenige Kilometer entfernt Frust über eine schlechte Verkehrsanbindung breitmacht?

Osnabrück Im Stadtteil Atter, dem westlichsten Zipfel von Osnabrück, leben offiziell gut 4300 Einwohner überwiegend in den Siedlungen In der Strothe, Atterfeld und im Ortskern. Im Landwehrviertel, das zurzeit an der Grenze zu Eversburg auf dem riesigen Gelände einer ehemaligen Briten-Kaserne entsteht, sind es bislang wohl nur wenige Dutzend. Trotzdem verfügt das neue Quartier schon jetzt über einen hervorragenden ÖPNV-Anschluss.

Die Metrobus-Linie M2 verbindet es schnell und direkt mit der Innenstadt. In weniger als einer halben Stunde gelangen Fahrgäste von der Endstation Landwehrviertel″ über die Wersener Straße zum Neumarkt und weiter zum Hauptbahnhof und das montags bis freitags in der Regel alle zehn Minuten. Noch größer ist das Angebot an den Haltestellen Am Belfastpark″ und Quebecallee″, die quasi an der Pforte zum Landwehrviertel eingerichtet wurden: Dort hält bald außer der M2 auch dreimal stündlich die Stadtbus-Linie 17 (Hellern Nord–Voxtrup Spitze über Atterstraße). Macht unterm Strich neun umstiegsfreie Verbindungen in die City pro Stunde.

Alteingesessene Atteraner nennen das eine absolute Ungerechtigkeit″. Denn für sie, die in den übrigen Gebieten des entlegenen Stadtteils wohnen, wurde das Busangebot mit den Jahren zusehends dünner. Und jetzt, wo die Stadtwerke Osnabrück Anfang Februar ein komplett umgestaltetes Liniennetz ausgerollt haben, stelle es sich geradezu lächerlich″ dar.

Nur einmal pro Stunde

Zum Vergleich: Vor der Reform 2020 fuhren die Stadtbusse ab Strothesiedlung und ab Atterfeld montags bis freitags zwischen 6 und 19 Uhr im 20-Minuten-Takt ohne Umstieg in die Innenstadt. Jetzt sind es nur noch ein beziehungsweise zwei Busse pro Stunde. Wir fühlen uns total abgehängt von der Innenstadt!″, klagt Erich Reyl, der mit seiner Frau Doris seit mehr als 50 Jahren im Ortskern von Atter lebt und nach eigenen Angaben immer gerne mit dem Bus gefahren″ ist. Nun aber hätten die beiden zum 1. März aus Wut ihr Abo gekündigt und würden aufs Auto umsteigen.

Was die Reyls wie viele andere Bürger des Stadtteils besonders ärgert: Eine Busfahrt ins Osnabrücker Zentrum ist mit der Zeit immer langwieriger geworden. Für den Weg von der Haltestelle Schule Atter″ bis zum Neumarkt etwa braucht die neue Linie 17 unter der Woche planmäßig fast eine Dreiviertelstunde. Ganz früher habe die Fahrt keine 30 Minuten″ gedauert. Doch jetzt drehe der Bus eben noch eine Schleife mehr. Reyl: Erst war es der Umweg über den Westerberg, jetzt zusätzlich der Umweg über das Landwehrviertel und die Atterstraße mit seinen zwei Bahnübergängen.″

Zu allem Überfluss sei die Linie 17 wie zuvor schon die 21 zwischen Hauptbahnhof und Sedanplatz wegen der vielen Schüler und Studenten oft überfüllt. Dann komme es vor, dass Fahrgäste mit Kinderwagen oder Rollstuhl, die nach Atter-Ortskern oder Atterfeld wollen, nicht mehr mitgenommen werden und auf einen späteren Bus warten müssen, berichtet Reyl.

Er und andere Atteraner fordern deshalb, dass die Linie 17 künftig nicht mehr über den Westerberg, sondern über die Natruper Straße geführt wird. Außerdem verlangen sie die Wiedereinführung des 20-Minuten-Takts. Zur Busanbindung des Landwehrviertels stellt Reyl fest: Hier liegt doch ganz offensichtlich eine totale Fehlplanung vor. Auch wenn in fünf bis zehn Jahren vielleicht das gesamte Gebiet bebaut sein sollte, sind neun Direktverbindungen in die Innenstadt pro Stunde völlig überzogen.″

Trotz berechtigter Interessen der Stadt an der Vermarktung des Landwehrviertels dürften die Bedürfnisse der Bürger im Rest von Atter nicht nachstehen.

Die Stadtwerke Osnabrück lassen den Vorwurf der Fehlplanung nicht gelten. Das neue Busnetz sei eine Reaktion auf den sich wandelnden Bedarf an öffentlichem Nahverkehr, teilt das Unternehmen auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die letzte große Linien-Umstellung habe vor 22 Jahren stattgefunden.

Geringe Nachfrage

In Atter und Atterfeld war und ist die Nachfrage im Vergleich zu anderen Stadtteilen jedoch gering″, stellt Stadtwerkesprecher Marco Hörmeyer auf Anfrage unserer Redaktion fest. Deshalb seien sowohl Verkehre verlagert als auch neue Verknüpfungs- und Umsteigemöglichkeiten geschaffen″ worden.

Das Landwehrviertel sei von den Stadtwerken absichtlich schon vor dem Einzug der ersten Bewohner ans neue Busnetz angeschlossen worden, um dort erst gar keinen Bedarf für einen zusätzlichen motorisierten Individualverkehr entstehen zu lassen″.

Im Übrigen seien alle Reformmaßnahmen im Rahmen des umfassenden Bürgerbeteiligungsverfahrens in 2018 transparent kommuniziert″ worden.

Bildtexte:
Von der Innenstadt abgehängt fühlen sich Bürger in Atter, seit die Stadtwerke Anfang Februar ein neues Busnetz über Osnabrück ausgerollt haben. Die Linie 17 etwa fährt vielen Einwohnern zu selten. Außerdem macht sie ihnen auf dem Weg ins Zentrum zu viele Umwege.
Verwaist: Vor der Liniennetz-Reform gab es ab der Haltestelle Atter Strothesiedlung″ werktags von morgens bis abends alle 20 Minuten eine Direktverbindung in die Innenstadt. Jetzt hält dort nur noch ein Bus pro Stunde.
Fotos:
Michael Gründel

Was die Busnetz-Reform Atter bringt

Metrobus-Linie M2 im 10-Minuten-Takt vom Neumarkt ins Landwehrviertel

Stadtbus-Linie 17 im 20-Minuten-Takt von Voxtrup Spitze über Neumarkt Richtung Eversburg und weiter im 20-Minuten-Takt über Atterfeld nach Hellern bzw. alle 60 Minuten zur Strothesiedlung

Anschlussmöglichkeiten im Bereich Ikea/ Hellern Nord (Linien M4, 15 und 17) und an der Quebecallee (Linien M2 und 17)

Übergang zur Ringlinie 10/ 20 an Haltestelle Eversburger Platz
Autor:
Sebastian Stricker


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