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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Spur verliert sich in Theresienstadt
Zwischenüberschrift:
Ein Stolperstein auf der Kamp-Promenade erinnert an Ida Stern
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Dass jemand Lautsprecher aufgestellt hatte, war nicht weiter aufgefallen. Manche dürften Gunter Demnig für einen Straßenarbeiter gehalten haben, als er einen Stolperstein im Pflaster der Kamp-Promenade verlegte. Dort hatten die Geschäfte gerade geöffnet. Die ersten Kunden schauten sich um, als Benita Dreher ins Mikrofon sprach von einem Haus, das nicht mehr steht. Hier hat Ida Stern gewohnt, die 1942 in einem Konzentrationslager ermordet wurde, weil sie Jüdin war.

Wo einst Ida Stern die Haustür zu ihrer Wohnung öffnete, zeigt sich heute der Blick auf einen Platz, der von modernen Geschäften umgeben ist ein großes Elektrogeschäft im Hintergrund, links ein Café mit amerikanischem Namen, rechts eine Eisdiele. Hier stand das Haus Große Hamkenstraße 13″, sagte Benita Dreher. Weder das Gebäude noch die Adresse sind geblieben. Der Stolperstein liegt vor dem damaligen Hauseingang, doch die Anschrift würde jetzt Kamp 47a lauten.
Auch die Lebensspuren von Ida Stern sind fast alle verwischt. Wir wissen garnicht viel über sie″, sagte Benita Dreher und erinnerte an die Wahnsinnszeit″, wie sie es sagte die Zeit der Nationalsozialisten, die im Rassenwahn Juden diskriminierten, ihnen nach und nach alle Rechte und das Eigentum nahmen, sie in sogenannte Judenhäuser sperrten, dann in Konzentrationslager verschleppten und ermordeten.
So erging es auch Ida Stern, die 1864 in Ostercappeln unter ihrem Mädchennamen Grünberg geboren worden war. 1939 zwangen Nationalsozialisten sie, in das sogenannte Judenhaus an die Bramscher Straße 37/ 39 zu ziehen. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie im selben Jahr unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.
Adolf Hitler hatte seine Gewaltfantasien und damit einen Albtraum wahr gemacht. Bereits in seinem Buch Mein Kampf″ (1925/ 26) schrieb er über eine jüdische Weltverschwörung″. Die Nationalso-zialisten steigerten sich in den 1930er-Jahren in einen Rassenwahn hinein, der zu Beginn der 1940er-Jahre in Massenmorden mündete. Während des Zweiten Weltkriegs brachten sie sechs Millionen europäische Juden um.
Und die Täter? Benita Dreher erinnerte sich an ihre Jugend, als sie Fragen gestellt hatte und nicht die Gewissheiten fand, nach denen sie gesucht hatte: Wir gehören zu der Generation, die schweigende Eltern hatte. Was haben sie getan? Sie und ihr Mann Uwe Dreher sind die Paten des Stolpersteins für Ida Stern, den Gunter Demnig verlegt hatte. Die Teilnehmer der Zeremonie schauten schweigend auf das kleine Denkmal für die beinahe vergessene Frau. Ihr Name gehört jetzt zur Kamp-Promenade.

Bildtext:
Hier wohnte Ida Stern. Nationalsozialisten ermordeten sie 1942, weil sie Jüdin war. Ihr ehemaliges Zuhause und die alte Anschrift sind verschwunden. Heute befindet sich hier die Kamp-Promenade.
Fotos:
Egmont Seiler

Stolpersteine in Osnabrück

Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich europaweit etwa 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und in der Ukraine. Paten des Stolpersteins für Ida Stern sind Benita und Uwe Dreher. Das Büro für Friedenskultur nimmt für Recherchen nach weiteren Opfern des NS-Regimes Hinweise von Zeitzeugen entgegen (Tel. 05 41/ 323-22 87. Die nächsten Stolpersteine werden am Mittwoch, 16. November, verlegt. Beginn um 14 Uhr an der Franzstraße 4.
Autor:
Jann Weber


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